"Lich, Luff und Bäumcher" - große Ausstellung zur Architekturfotografie von Werner Mantz und Hugo Schmölz

Unter dem Motto des Siedlungsbaus der 1920er Jahre, "Lich, Luff un Bäumcher (Licht, Luft und Bäumchen)" zeigen GAG und Bilderbuch Köln in einer großen Fotografieausstellung mehr als 120 Werke von Werner Mantz und Hugo Schmölz in großformatigen Reproduktionen im Neuen Kunstforum am Alteburger Wall 1 in der Südstadt.

Die Ausstellung wird am 18.5.2010 um 18.00 Uhr eröffnet. Zu dieser Vernissage sind Sie herzlich eingeladen. Wir hoffen, auch die Nachfahren von Werner Mantz dabei begrüßen zu können. Bis zum 10.6.2010 ist die Ausstellung dann täglich von 16 bis 20.00 Uhr geöffnet, der Besuch ist kostenlos.

Einen Ausstellungskatalog mit 120 Abbildungen in Farbe (Schutzgebühr 10,- €) erhalten Sie in der Ausstellung oder in der Galerie für KölnFotografie am Hansaring 61. Alle Fotografien wurden auf Canson-Papier Photosatin 270 g/m2 mit Epson K3-Ultrachrome-Tinten gedruckt. Sehen Sie die ausgestellten Motive auch hier in einer virtuellen Ausstellung.

Informationen zur Ausstellung und den Fotografen

„Je besser der Architekt war, desto weniger Arbeit und Schwierigkeiten hatte ich mit der Aufnahme“ (Werner Mantz).

Die Fotografien von Werner Mantz und Hugo Schmölz zeigen, wie und in welcher Qualität sich die Architektur in den 1920er Jahren in Köln entwickelt hat. Beide haben mit ihren Fotografien Entstehung und Entwicklung der Architektur der 1920er Jahre dokumentiert. Deutlich wird, dass Köln kein Nebenschauplatz des „Neuen Bauens“ war, sondern das Zentrum dieser Bewegung im Rheinland.

Der Siedlungsbau mit seinen städtebaulichen, architektonischen, sozialpolitischen und ökonomischen Aspekten war das zentrale Thema der Architektur jener Zeit. Wilhelm Riphahn, der „Hausarchitekt“ der GAG, brachte dies zum Ausdruck: „Wir sind Kinder unserer Zeit, die in viel stärkerem Maß sozial fühlt und denkt als irgendeine vergangene Generation“. Wilhelm Riphahn war durch seine Tätigkeit bei der GAG zum führenden Vertreter des „Neuen Bauens“ im Rheinland geworden. Bereits bei Gründung der GAG 1913 war er über das Büro von Caspar Maria Grod mit den Planungen zur ersten Siedlung der GAG, Bickendorf I, betraut worden.

„Lich, Luff un Bäumcher“ (Licht, Luft und Bäumchen) war das prägnante Motto seines Planungsentwurfs, der das Ideal der Gartenstadt im Grünen zum Ausdruck brachte. Gebaut wurden dabei Anfang der 1910er Jahre Einfamilienhäuer mit Garten, die in den Besitz des Mieters übergehen sollten. Um jedoch mehr und preiswerteren Wohnraum zu schaffen, ging man dann zu Blockbebauungen mit parkähnlichen Innenhöfen und Ende der 1920er Jahre zur Zeilenbebauung über. Bei den Siedlungen „Blauer Hof“ und „Weiße Stadt“ in Buchforst baute Riphahn dann beide Lösungen gleichzeitig. In den folgenden Jahren entwarf Riphahn ganze Stadtteile wie Bickendorf II, Mauenheim, Zollstock und Buchforst.

Die traditionellen Wohnbauten in Höhenberg, die expressiven Bauten von Wilhelm Kamper und Franz Wirminghaus an der Alpener Straße und die stark plastischen dekorativen Bauten von Manfred Faber, Hans Heinz Lüttgen, Fritz Fuß und Otto Scheib dokumentieren eindrucksvoll die  Vielfalt der architektonischen Strömungen jener Zeit und revidieren den Eindruck, dass nur das „Bauhaus“ die Architektur jener Jahre geprägt hat. Die Masse des Gebauten war eher traditionalistisch oder in einem Mix von stilistischen Vorstellungen errichtet worden.

Politisch wurde in Köln geschickt der Freiraum ausgenutzt, den die Weimarer Republik der Kommunalpolitik zugewiesen hatte. Mit ihrer sozialpolitischen Zielsetzung hatte die Weimarer Republik zwar den gesellschaftlichen und rechtlichen Rahmen gesetzt, konkret ausgeführt wurde er aber durch  die einzelnen Gemeinden. „Nicht der Staat, sondern einige tatkräftige und weitsichtige Bürgermeister und Ministerialräte  - Adenauer in Köln, Landmann in Frankfurt, Hesse in Dessau, Kiesling in Berlin, um nur einige zu nennen - waren es, die als Mäzene der Baukunst und Bauherren jener neuen Wohnungen, Schwimmbäder und Schulen auftraten, die durch ihren sozialethischen Gehalt und ihre kompromisslose „moderne Form“ die Blicke der internationalen Bauwelt in dem halben Dezennium 1925/30 auf Deutschland lenkten“ (Anna Teut).

Wichtigster Träger dieser Entwicklung in Köln war die GAG, Gemeinnützige Aktiengesellschaft für Wohnungsbau, die 1913 gegründet worden war. Im Verbund von Stadt, Arbeitgebern und Genossenschaften wurde ein System geschaffen, das die „Wohnungsfrage“ effizient lösen sollte. Die genossenschaftliche Selbstverwaltung wurde mit der Kapitalsicherheit einer Aktiengesellschaft verbunden. Nach vielfältigen Veränderungen ist die GAG Immobilien AG heute ein börsennotiertes Unternehmen, das sich mehrheitlich im Besitz der Stadt Köln befindet.

Wenn man das Besondere der bildnerischen Sprache von Werner Mantz auf den Punkt bringen will, und ihn damit auch von den plakativen Fotografen seiner Zeit abhebt, ist es seine spezifische Art mit Licht zu arbeiten und das Licht als prägendes Mittel seiner Fotografien einzusetzen.          „Lassen Sie die Sonne für sich arbeiten, geben Sie den Wolken einen Auftrag. Sonne und Wolken machen oft mehr an einem Bild als ich“, heißt es auf einem Werbeprospekt für sein Atelier. Dabei bevorzugte er hartes Licht, das auf dem weißen Putz der Bauten von Riphahn klare geometrische Formen abzeichnete. Ein weiterer wichtiger Aspekt der Aufnahmen von Werner Mantz ist die Wahl des Standpunktes. Mantz bevorzugte eine starke Untersicht und erreichte damit eine perspektivische Verkürzung. Damit steigerte er die räumliche Perspektive und erzeugte eine Illusion des sich im Bild Befindens.

Werner Mantz Methode die Bauten perspektivisch zu erfassen, sie größer und monumentaler erscheinen zu lassen, bewirkte, dass die Architektur selbst im Rahmen kleiner Reproduktionen in Zeitschriften beeindruckend wirkte. Damit waren seine Aufnahmen besonders geeignet, insbesondere in den zahlreichen neu gegründeten Architzekturzeitschriften gedruckt zu werden. Seine Fotografien trugen so auch zu den damals aktuellen Diskussionen in der Architektur bei.

Mantz bevorzugt bei seinen Aufnahmen drei Standpunkte: erstens die große Bildmitte, zweitens eine leichte Schrägsicht und drittens die Frontalansicht. Durch Staffelung und Öffnen der Flächen erreicht er räumliche Tiefe und erzielt eine theatralische Wirkung, ähnlich einem Bühnenbild. Die Fotos von Mantz öffnen sich wie eine Bühne. So gelingt es Mantz, das künstlerische Produkt „Architektur“ weiterzuleiten in die Kunstform „Architekturfotografie“. Mantz selbst bezeichnete die Zeit seiner Arbeit für die GAG als die „sieben fetten Jahre“.
 
Die Tätigkeit von Werner Mantz in Deutschland hörte mit dem Ende der Weimarer Republik auf, als die Bautätigkeit weitgehend zum Erliegen kam. Vielen der Auftraggeber von Werner Mantz wurde die wirtschaftliche Existenz entzogen. So wurde Wilhelm Riphahn für Jahre von öffentlichen Aufträgen ausgeschlossen, viele Architekten mussten emigrieren, weil sie Juden waren und Manfred Faber wurde in Auschwitz ermordet. Werner Mantz hatte schon 1932 begonnen, in Maastricht ein Atelier einzurichten, wohin er 1938 mit seiner Familie auswanderte.

Auch Hugo Schmölz arbeitete in den 1920er Jahren mit Wilhelm Riphahn. Er war mit Werner Mantz gut bekannt, beide schätzten sich. Die GAG war einer seiner wichtigsten Auftraggeber. Er entwickelte im Gegensatz zu Werner Mantz einen eher sachlichen Stil, der die Gebäude „abbildete“. Schmölz mußte für Riphahn als erfahrener Techniker schwierige Innenaufnahmen oder Gesamtansichten aufnehmen, während der 20 Jahre jüngere Mantz ästhetisch mehr wagte mit radikalen Anschnitten, kräftiger Licht-Schatten-Überschneidungen und starker Filterung des Himmels.

Durch seine hohen handwerklichen Fähigkeiten gelang es Schmölz jedoch darüber hinaus eine eigene künstlerische Identität zu entwickeln, die seine Fotos von der plakativen Fotografie abheben. Die Zahl der von Schmölz fotografierten Bauten und Modelle ist so groß, dass er als einer der wichtigsten und bedeutendsten Chronisten deutscher Architektur jener Zeit angesehen werden kann.

Wilhelm Riphahn, Caspar Maria Grod und Leo Kaminski erhielten den Zuschlag für die Siedlung Bickendorf als das erste große Bauprojekt der GAG. Der Entwurf hatte den Titel „Lich, Luff un Bäumcher“ (Licht, Luft und Bäumchen) und wurde in den Folgejahren für den gesamten sozialen Wohnungsbau in Köln angewendet. Deshalb ist „Lich, Luff und Bäumcher“ auch das Motto dieser Ausstellung. Es kennzeichnet treffend die Architektur der 1920er Jahre und der sie abbildenden Fotografie.