Unter Volldampf, Mülheimer Brücke, 50735 Köln - Riehl (1951)
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Walter Dick Walter Dick
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Album: Vollendung der Mülheimer Brücke 1951

Vollendung der Mülheimer Brücke 1951 : Unter Volldampf

Mülheimer Brücke (50735 Riehl)


Der Schleppzug mit den beiden Schwimmkränen, die das nächste Fahrbahnsegment tragen, nähert sich der Einbaustelle. Dabei wurde wahrscheinlich zunächst ein Stück stromauf gefahren, um dann mit Hilfe der Strömung exakt den Einbaupunkt zu erreichen.

Weitere Fotos aus dem Album "Vollendung der Mülheimer Brücke 1951"


Die Vorgängerbrücke wurde 1944 ungewollt gesprengt, als ein Bombenangriff den von der Wehrmacht angebrachten Sprengstoff zündete. Der Neubau wurde vom Kölner Architekten Wilhelm Riphahn entworfen, die technische Planung lag in den Händen des berühmten Brückenkonstrukteurs Fritz Leonhardt (1909-1999), der bereits die Rodenkirchener Autobahnbrücke entworfen hatte.
Am 8. September 1951 erfolgte die Einweihung, an der auch Bundeskanzler Konrad Adenauer teilnahm, der schon 1929 die erste Mülheimer Hängebrücke eröffnet hatte.

Die Bilder zeigen auch aus ungewohnt hoher Perspektive den Bau der Mülheimer Brücke.

Zur Geschichte und zur Konstruktion der Mülheimer Brücke:

Im Eingemeindungsvertrag von 1914 (Mülheim war bis dahin selbstständige Stadt und Sitz eine Landkreises.) wurde den Mülheimern ein fester übergang über den Rhein als Ersatz für die Schiffbrücke zugesichert. Der erste Weltkrieg und die folgenden Jahre mit ihren witschaftlichen Problemen verzögerten den Bau bis 1927. Als Konstruktion stand zunächst eine Bogenbrücke in der Art der Hohenzollernbrücke bzw. der Südbrücke zur Diskussion. Eine solche Brücke war preiswerter und mit weniger technischen Schwierigkeiten verbunden. Der damalige Oberbürgermeister, Konrad Adenauer (1876-1967), setzte sich jedoch mit seinem deutlch eleganteren, aber auch teureren Vorschlag einer Hängebrücke durch.
Das Bauwerk wurde ähnlich der Deutzer Brücke von 1915 ("Hindenburgbrücke") als sog. "unechte Hängebrücke" ausgeführt. Man glaubte nämlich, dass der sandige Untergrund des Rheins keine Möglichkeit bot, die Tragseile einer Hängebrücke sicher zu verankern.
Am 13. Oktober 1929 wurde das Bauwerk, vorgesehen für Fußgänger, Kraftfahrzeuge und Fuhrwerke sowie die Straßenbahn dem Verkehr übergeben. Die breite, fast 500 Meter lange Rampe zwischen der Brücke und dem bis dahin rundum geschlossenen Wiener Platz zerteilt den historische Stadtkern von Mülheim bis heute und muss aus heutiger Sicht als städtebauliche Sünde ersten Ranges angesehen werden.
Die Brücke flog am 14. Oktober 1944 nach kaum sechszehn Jahren Nutzung buchstäblich in die Luft. (s.o.)

Der Neubau der zerstörten Brücken nach dem Kriege war eine der wichtigsten infrastrukturellen Maßnahmen der Kölner Administration. Schon bald nach dem Ende des Krieges wurden die ersten Brücken zumindest provisorisch wiederhergestellt (Hohenzollernbrücke, Südbrücke) und es wurde die Pattonbrücke als behelfsbrücke gebaut. Beim Wiederaufbau der Mülheimer Brücke stellte sich die Frage ob das Bauwerk in vergleichbarer Weise wie die Vorgängerin errichtet werden sollte. Man entschied sich für die modernere Konstruktionsform einer "echten Hängebrücke". Die bot mehrere Vorteile:

Man konnte die vorhandenen, unzerstörten Brückenpfeiler im Fluss nutzen, 
die Konstruktion war deutlich leichter (ca. 6000 to gegenüber ca. 15.000 to) und damit preiswerter
beim Bau konnte auf Stützkonstruktionen im Strom verzichtet werden, die den Schiffsverkehr während der Bauzeit  massiv behindert hätten.

Für den Bau wurden zunächst die Pylone neu errichtet. Über die Spitzen der Pylone wurden die Tragseile von Ufer zu Ufer gespannt. In diese Tragseile wurden die Segmente der Farhrbahnkonstruktion eingehangen und miteinander verschweißt.
Für die Gleise der Straßenbahn wurde ein neues Verfahren angewandt, bei dem spezielle Schienen mit breitem Fuß direkt auf die stählerne Farbahnkonstruktion geschweißt wurden. (eine Dokumentation dazu siehe hier) So konnte ein schweres Gleisbett aus Schotter o.Ä. vermieden werden.

Zu den einzelnen Bauschritten siehe die Bildunterschriften.