Eingang zu St. Engelbert, Riehler Gürtel, 50735 Köln - Riehl (1930)
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Ulrich Hermanns Ulrich Hermanns
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Eingang zu St. Engelbert

Riehler Gürtel (50735 Riehl)


Der Entwurf zu dieser Kirche stammt von Dominikus Böhm (1880-1955), der als einer der bedeutendsten Kirchenbaumeister des 20. Jhdts. angesehen werden muss. Nahezu vierzig Jahre vor den Entscheidungen des Vatikanischen Konzils verwirklichte er mit diesem Bau, einem Zentralbau, Prinzipien, die die theologischen Entscheidungen der Kirchenversammlung gewissermaßen vorwegnahmen. Wenn auch der Altar noch nicht den zentralen Platz inmitten der Gemeinde einahm, so relativierte die Form des Baus auf kreisrundem Grundriss doch die tradierte Hierarchisierung zwischen der Gemeinde(unten, hinten) und dem Priester (oben vorne) und nahm so den "Platzwechsel" des Zelebranten von seiner herausgehobenen Stellung in die Mitte der Gemeinde vorweg.

Böhm musste diesen Entwurf gegen viele Widerstände des hohen Klerus durchsetzten, der diesen Entwurf als zu fremdländisch und zu modern eher ablehnte. Dem Vernehmen nach soll sich der damalige Erzbischof Schulte sogar zunächst geweigert haben, die Kirche zu weihen.

Der Zentralbau steht in seiner Form und der Verwendung von Backsteinen für die Außenhaut in der Tradition des Backsteinexpressionismus, wenn er auch durch seine eher weichen Formen (Parabeln, Kreise, Bögen) das "Zackige" dieser Stilrichtung vermeidet.

Böhm konnte bei der Verteidigung seines Entwurfs auf frühchistliche Traditionen von Kirchen als Zentralbauten verweisen.

Auf kreisförmigem Grundriss erheben sich acht parabelförmige Bögen, deren Außenseiten nach außen gewölbt sind. An der Spitze jeder Parabel befindet sich ein kreisförmiges Fenster. Die Parabel zur Riehler Straße in der sich der hier sichtbare Eingang befindet, hat zusätzlich drei rechteckige Türöffnungen, die hier sichtbare große in der Mitte und zwei kleiner rechts und links.

Lediglich die Parabel nach Nordosten, die als Choranbau auf rechteckigem Grundriss etwas länger ausgezogen ist, weicht in ihrer Form und Belichtung von den sieben anderen ab. Seitlich des Altars befindet sich ein ebenfalls parabelförmiges Fenster zu Belichtung des Altars.

Die Wände des Innenraums, in dem sich auch geschwungene Formen (z.B. der Predigtstuhl) wiederfinden, sind vollständig weiß geschlämmt. Die Parabelform der einzelnen Segmente verhindern eine Unterscheidung von Wand und Decke. Entlang den Außenwänden ziehen sich die Dächer der einzelnen Segmente weit nach unten und schaffen so im Inneren einzelne abgegrenzte Bereiche.

Der Volksmund gab dem Bau den Spitznamen "Zitonenpresse", ein Name, der sich vor Allem in der Draufsicht einsichtig erklären lässt.

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