Hohenstaufenbad, Hohenstaufenring, 50674 Köln - Neustadt-Süd (1889)
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Harald Gerhards Harald Gerhards
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Album: Köln im Wandel der Zeit 1800-1900

Hohenstaufenbad - Köln im Wandel der Zeit 1800-1900

Hohenstaufenring (50674 Neustadt-Süd)

Der Hohenstaufenring ist Teil des zweiten Kölner Rings und verbindet den Barbarossaplatz mit der Lindenstr. (Neustadt-Süd). Unter anderem kreuzt er die Zülpicher Str. sowie den Zülpicher Platz und hat damit Anbindung an die primäre studentische "Vergnügungsmeile". Südwestlich des Hohenstaufenrings befindet sich die Universität.


Straßen und Plätze                          Sammlung Scheiner

Foto Nr.:84331

  Foto Nr.:463565

Stiche aus einer Graphiksammlung über Köln bis 1900. Zur Verfügung gestellt von Harald Gerhards. Das Album zeigt Bilder (Graphiken) von wichtigen Gebäuden und Plätzen unsere Stadt zwischen 1800 und 1900.

Zusammenfassungen und Detailangaben sind u.a. in folgen Sammlungen und Alben :

Tore und Befestigungen Kirchen Rathaus
Foto Nr.:54355

Denkmäler und Brunnen Der Dom Öffentliche Plätze

 

1880 startete die Stadt einen Wettbewerb zur Bebauung der Neustadt mit einer 35 m breiten Ringstraße. Ab dem 11. Juni 1881 wurden die Ringe zu einem Prachtboulevard ausgebaut. Am 25. Mai 1882 wurde der Abschnitt vom Hahnentor bis zum Weyertor als Hohenstaufenring benannt. Die im Sommer oft recht kurze Zeit zum Baden im Rhein hatte immer wieder den Wunsch hervortreten lassen, unabhängig von der Witterung und Jahreszeit eine Badeanstalt zu schaffen. Auf Anregung des Sanitätsrates Dr. Lent und des Stadtbaumeisters Stübben wurde eine Aktiengesellschaft gegründet. Die Stadt übernahm die Zinsgarantie von 3,5% auf das gezeichnete Kapital von 600 000 M. Bereits nach 1,5 Jahren konnte das Haus für das Publikum geöffnet werden. Ursprünglich war vorgesehen ein Bad zu schaffen, das für die unteren Schichten der Bevölkerung die Möglichkeit zur Reinlichkeit und Pflege des Körpers dienen sollte. In den folgenden Beratungen stellte sich schnell heraus, dass auch der bessere Bürgerstand berücksichtigt werden müsse. Man entschloss sich, eine Badeanstalt zu schaffen, in der Hoch und Niedrig, Arm und Reich, Gesunden und Kranken die Möglichkeit der Nutzung geschaffen werde. So entstand ein schönes, funktionelles, hochmodernes Bad. Im Souterrain lagen Wirtschafträume, eine Waschküche, Mangelstube, Kesselhaus, Maschinenstube und im hinteren Bereich das Volksbad. Zwischen den beiden Gebäudeflügeln im erhöhten Parterre das russische und römische Bad und in der ersten Etage die Wohnung des Direktors. Bei den beiden Flügeln war einer für die Frauen und einer für die Herren. Die Aufteilung war bei beiden gleich. Es gab 12 Wannenbäder 2. Klasse, ein Fürstenbad und vier gut ausgestattete Salonzellen. Auf der ersten Etage gab es dann neun Bäder erster Klasse. Die Badeordnung war ein Appell an das Reinlichkeitsgefühl der Besucher. U.A. war vor Betreten das Abwaschen der Füße und das Abduschen des Körpers vorgesehen. Das große Bassin war 23 M lang und 10,2 M breit. Das Wasser wurde im Winter gewärmt auf max. 18 Grad. Dreimal in der Woche wird das Bad gründlich gereinigt und im Sommer fast täglich mit frischem Wasser gefüllt. Daneben bestanden noch vier weitere. Besondere Beachtung gilt noch den römisch-irischen Bädern und dem russischen Dampfbad. Diese galten weniger dem Reinigungsprozess und mehr der Kur. So war es im römischen Bad u.a. die richtig angewandte und ausgeübte Massage. Die Annahme dieser Einrichtungen brauchten jedoch eine geraume Zeit, bis hiervon genügend Gebrauch gemacht wurde.** In der vierten ordentlichen Generalversammlung im Hansasaal des Rathauses wurden folgende Zahlen veröffentlicht: Die beiden großen Bassins für die Herren und die Damen wurden von rd. 110 000 Personen besucht, davon rd. 20% durch das weibliche Geschlecht. Das Volksbad benutzten 44020 Personen. Die Männerbäder, deren Zahl um 5 vermehrt worden sind, hatten 64646 Besucher und die irisch römischen Bäder, die verdientermaßen ganz erheblich in der Gunst des Publikums gestiegen sind, verzeichneten 7106 Besucher. Die Anstalt hatte einen Gesamtbesuch von 227159 Personen oder eine tägliche Durchschnittsauslastung von 631 Personen. Um mehr als 50% ist die Besucherzahl gestiegen.* Nach finanziellen Problemen in der Startphase wurde die Betreiber AG am 1. Oktober 1887 auf die Stadt übertragen. Im zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude sehr beschädigt und 1958 gänzlich abgerissen. *Quelle: Stadt-Anzeiger vom 29.7.1887 **Quelle: Dir. Schüler, Festschrift für Mitglieder und Teilnehmer der 61 Versammlung deutsche Naturforscher und Ärzte von 1888 Holzstich aus Zeitung

Weitere Fotos aus dem Album " Köln im Wandel der Zeit 1800-1900"


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Stefan Robertz  sagt: "@Michael"

..ich trauer den verlorenen Gebäuden ja auch nach....

Geschrieben: vor fast 6 Jahre


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Werner Müller  sagt: "@Stefan"

Es war ja nicht so, dass derartige Gebäude noch im Überfluss vorhanden waren. Das Wenige, dass der Krieg übrig ließ, hätte bewahrt werden müssen. Es wären ohnehin nur Solitäre unter den Gebäudemassen der 50er und folgender Jahrzehnte. Ein städtebaulicher Fehler, wie so viele in dieser trotzdem irgendwie schönen Stadt.

Geschrieben: vor fast 6 Jahre


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Stefan Robertz  sagt:

Heute trauern wir um diese Gebäude... damals war der Abriss sicher auch ein Symbol der Distanzierung mit einer ganz speziellen Vergangenheit und ein Zeichen des Aufbruchs in die Moderne. So ändern sich Zeitgeist und -geschmack... Was werden unsere Enkel und Urenkel über uns und unsere Abrisse und Neubauten wohl mal sagen????

Geschrieben: vor fast 6 Jahre


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Werner Müller  sagt: "Leider verschwunden..."

Ein weiteres Beispiel für ein leichtfertiges Abreißen beschädigter aber wiederaufbaufähiger Bausubstanz nach dem Weltkrieg.

Geschrieben: vor fast 6 Jahre