Doppelhaus am Sachsenring, Sachsenring 84, 50677 Köln - Neustadt-Süd (1889)

Doppelhaus am Sachsenring - Blätter für Architektur und Kunsthandwerk

Sachsenring 84 (50677 Neustadt-Süd)

 

Von der Brunostraße führt der Sachsenring 1714 Meter bis zur Eifelstraße. Wie die anderen Ringstraßen auch, verweist der Sachsenring durch den Namen auf ein deutsches Herrschergeschlecht beziehungsweise deutsche Geschichte. In diesem Fall auf die aus Sachsen stammenden Ottonen, die bis in das Jahr 1024 regierten. Blickfang des Ringes sind die Ulrepforte und Mauerreste der mittelalterlichen Stadtmauer.

   


Die originale Bildunterschrift lautet:

Doppelvilla in Köln, Sachsenring 84/86

Der Sachsenring und seine Umgebung war in den Stübbenschen Planungen der Kölner Neustadt als Gebiet mit hochwertiger Villenbebauung vorgesehen. Dazu wurde in den Leitlinien für die Bebauung vorgeschrieben, dass die Bauten höchstens 40% der Grundstücke überdecken durften, es war ein Vorgarten mit ca. fünf Meter Tiefe anzulegen und der Abstand zur Grundstücksgrenze war mit mindestens drei Metern festgelegt. Die Errichtung von Doppelvillen, wie in der Abbildung, war jedoch erlaubt.
Die zeitgenössische Beschreibung gibt einen Einblick inwieweit beim Bau der Neustadt enorme Spekulationsgewinne gemacht wurden. Die Stadt Köln hatte den mittelalterlichen Mauerring mit dem Graben und den Zusatzbefestigungen des frühen 19. Jhdts. vom preussischen Fiskus erworben. Für ca. 400 Hektar wurden 12 Millionen Goldmark gezahlt. Die Stadt parzellierte die Flächen und versteigerte die einzelnen Grundstücke. Die zeitgenössische Beschreibung gibt für das Grundstück am Sachsenring einen Kaufpreis von33,50 Goldmark/qm an, weist aber zugleich darauf hin, dass schon nach kurzer Zeit der Verkehrwert der Grundstücke auf ca. 65 bis 70 Goldmark angestiegen war. Geht man davon aus, dass die Stadt etwa die Hälfte der o.g. 400 Hektar verkauft hat, so erlöste sie bei einem Preis von ca. 30,- Goldmark/qm ca. 65 Millionen Goldmark. Und Käufer, wie der Stifter der Agneskirche Peter Josef Roeckerath, konnten bei der rasanten Wertsteigerung schnelle Spekulationgewinne einstreichen.

Auch das Haus war ein Spekulationsobjekt. Eine Versicherungsgesellschaft hatte den Grund erworben, ließ das Haus planen und bauen und stellte es dann zum Verkauf.

Von außen ist die Funktion als Doppelhaus nicht leicht erkennbar, da die Fassade nicht symmetrisch angelegt ist. Die zweite Achse ist durch einen Risaliten mit aufgesetztem Zwerchhaus und einem Dachhelm betont. Die Entsprechung in der rechten Haushälfte feFoto Nr.:472110hlt. Die Fassade zeigt Stilelemente der Renaissance. Nebenstehend die Grundrisse des Baus:

Die Baubeschreibung weit darauf hin, dass der Bau auf dem Gelände des alten festungsgrabens errichtet wurde, so dass sehr tief gegründet werden musste, um festen Baugrund zu erreichen. Dies wurde u.A. durch Einbau eines zweiten Kellers erreicht. Hingewiesen wird außerdem, dass die Zierelemente nicht aus Werkstein, sondern "in Cementguss hergestellt sind."

Weitere Fotos aus dem Album "Blätter für Architektur und Kunsthandwerk"


Die Architekturzeitschrift aus der die Abbildungen diese Albums stammen, hieß:

Blätter für Architektur und Kunsthandwerk

Herausgeber der Zeitschrift, die monatlich erschien, war Paul Graef (1855-1925), der als wichtiger Mitarbeiter von Paul Wallot (1841-1912) am Bau des Reichstagsgebäudes beteiligt war. Paul Graef hat auch einen großen Teil der Fotos für seine Zeitschrift angefertigt.

Die Zeitschrift erschien von 1888 bis 1913. Der Redaktion liegen alle Jahresbände ausser den Jahrgängen 1891 und 1898 vor. In den meisten Jahresbänden sind alle jeweils erschienen 120 Bildtafeln enthalten. Nach weiterer Sichtung werden hier alle Abbildungen von Kölner Bauten veröffentlicht. Allerdings ist Köln nur in sehr geringem Maße mit Abbildungen vertreten.

Ein eigenes Album ist der Villa Vorster in Marienburg gewidmet:
http://www.bilderbuch-koeln.de/Benutzer/herrikeulen/Alben/26253

Hingewiesen wird auf die Veröffentlichung von zahlreichen Bildtafeln zum Bau des Reichstages im "Bilderbuch Berlin":
http://www.bilderbuch-berlin.net/Benutzer/herrikeulen/Alben/25360

sowie auch im "Bilderbuch Berlin" zahlreiche Bildtafeln zu alten Bauten in der Reichshauptstadt (Dieses Album wird in der nächsten Zeit umfangreich ergänzt werden!):
http://www.bilderbuch-berlin.net/Benutzer/herrikeulen/Alben/21204