Kaiser-Wilhelm-Ring, 50672 Köln - Neustadt-Nord (1948)
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Walter Dick Walter Dick
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Album: 700 Jahrfeier Kölner Dom 1948

700 Jahrfeier Kölner Dom 1948

Kaiser-Wilhelm-Ring (50672 Neustadt-Nord)

Dieser Teil der Ringstraßen erstreckt sich vom Hansaring im Norden bis zur Bismarckstraße im Süden Am nördlichen Ende befindet sich die Hermann-Becker-Straße, dann kreuzt der Kaiser-Wilhelm-Ring den Straßenzug Gladbacher Straße / Christophstraße. Die Goebenstraße und die Herwarthstraße treffen von Westen auf den Ring und der Gereonshof am südlichen Ende von Osten.

Nach dem Bau der U-Bahn unter dem Kaiser-Wilhelm-Ring in den 80er Jahren ist der Kfz-Verkehr in beiden Fahrtrichtungen auf der Westseite konzentriert. Die Häuser auf der Ostseite sind durch eine verkehrsberuhigte Erschließungstraße angebunden.

Nach dem Kriege findet man auf der Westseite nur noch große Bürobauten, während sich auf der Ostseite noch teilweise neben Arzt- und Rechtsanwaltpraxen und anderen kleineren Dienstleistungsbüros auch noch eine Reihe von Wohnungen befinden.Alt Text Daneben ist die Ostseite vor Allem durch die Ausstellungsflächen des Möbelhaus Pesch geprägt.

Durch die Verlegung der Straßenbahn unter die Erde und die Konzentration des Autoverkehrs für beide Fahrtrichtungen auf der Westseite wurde dem Ring in diesem Bereich etwas von dem Charakter eines Boulevards zum Flanieren zurückgegeben.

 

Geschichte des Kaiser-Wilhelm-Rings

Der Kaiser-Wilhelm-Ring wurde als Teil der Ringstraßen nach der Niederlegung der mittelalterlichen Befestigung(ab 1880) angelegt. Die Niederlegung der alten Stadtmauer begann in diesem Bereich mit einer Sprengung am Gereonshof 1881. Dieser Teil der Ringstraße war deutlich breiter (ca. 65 m) als die anderen Teile des halbkreisförmig -vom Rhein zum Rhein- um die Stadt führenden Straßenkomplexes. Nur im Norden der Deutsche Ring (Theodor-Heuss-Ring) und im Süden der Sachsenring weisen ähnliche Ausmaße auf. Der Kaiser-Wilhelm-Ring war konzipiert als repräsentative Wohnstraße für höchste Ansprüche. In der Mitte zwischen den Fahrbahnen lag eine prächtige Grünanlage, die in der Art eines sog. Gartenparterre tiefer als das Straßenniveau lag. Hierbei war die Grünanlage im Gegensatz zu den Anlagen am Sachsenring und am Deutschen Ring (Theodor-Heuss-Ring) eher eine Schauanlage mit eingefriedeten Blumenrabatten.

Benannt ist der Ring nach Wilhelm I. dem König von Preussen, der am 18. Januar 1871 im Spiegelsaal von Versailles zum deutschen Kaiser ausgerufen wurde. Wilhelm war in der Nachfolge seines kinderlosen Bruders Friedrich Wilhelm IV. 1861 König von Preussen geworden. Als Prinz von Preussen hatte er seit seinem Vorschlag zur brutalen Niederschlagung der Unruhen im Jahre 1848 in Berlin den unrühmlichen Beinamen"Der Kartätschenprinz".

 Sein Denkmal "zierte" in wuchtiger Weise zwischen 1896 und 1943 das nördlicAlt Texthe Ende des Kaiser-Wilhelm-Rings. Verheiratet warAlt Text er mit Augusta von Sachsen Weimar Eisenach, mit der er zwei Kinder hatte. Ein Denkmal für die Kaiserin stand in der Grünanlage in Höhe der Göbenstraße.

Recht schnell erfuhr die Prachtstraße eine Wandel. Geänderte Mobilität und Wohnverhalten, immer stärker werdender Verkehr und damit verbundene Unruhe führten zur Abwanderung derjenigen, die "ordentlich wat an de Fööß " hatten, aus den repräsentativen Stadtquartieren in Villenvororte (z.B. Marienburg). Deren Platz nahmen schon ab den 20er Jahren große Bürogebäude ein. Der Allianz Komplex im Norden des Kaiser Wilhelm Ring , erbaut Ende der 20er Jahre, ist ein prägnantes erstes Beispiel für diesen Wandel.

 

Bald schon wurde der Ring durch die Straßenbahn zerschnitten, die Alt Textbis in die 80er Jahre nicht nur die Ringstrecke bediente, sondern auch über die Christophstraße die Strecke zum Dom.

Im Kriege wurde in dem Gartenparterre ein Luftschutzbunker errichtet und die Anlage auf Straßenniveau aufgefüllt. Als in den 80er Jahren U-Bahn und Tiefgaragen erbaut wurden, fand man diesen Bunker.

 


Weitere Fotos aus dem Album "700 Jahrfeier Kölner Dom 1948"


Am 16. August 1948 begann die Festwoche zur 700 Jahr-Feier des Kölner Doms. Am 15. August 1248 hatte der Kölner Erzbischof Konrad von Hochstaden (1205-1261) den Grundstein zur gotischen Kathedrale gelegt.

Die Feiern zum Domjubiläum fanden als Höhepunkt eine feierliche Prozession durch die Stadt, bei der nicht nur das Allerheiligste in der Monstranz durch die Ruinen der zerstörten Stadt getragen wurde, sondern auch neun verschiedene Schreine allen voran der Dreikönigenschrein aus dem Dom und Kölner Kirchen, erstmals wieder der Bevölkerung gezeigt werden konnten, wurden durch die Stadt gefahren. Bemerkenswert und von den Menschen besonders beachtet war die Teilnahme zahlreicher ausländischer Bischöfe und Ehrengäste, die, drei Jahre nach dem Ende von Gewaltherrschaft und Krieg, den Weg zu den Feiern gefunden hatten. Gerade dies war für die Menschen in ihren Sorgen und Nöten, ihrer Armut, ihrem Hunger und Elend ein erfreuliches Zeichen, dass aus dem Ausland, aus den Ländern der früheren Feinde, aus  den von deutschen Truppen bekämpften und besetzten Ländern durch den Besuch in Köln ein Beginn von Versöhnung, von neuer christlicher Brüderlichkeit dokumentiert wurde.

Diese Schritte einzuleiten war nicht zuletzt ein Verdienst des Kölner Erzbischofs Josef Frings (1887-1978), seit 1946 auch Kardinal, der seine Kollegen aus dem In- und Ausland ermuntert hatte an diesen Zeichen der Versöhnung mitzuwirken. Manche Formen von Verehrung, von Ritualen und Uniformen erscheinen uns heute pompös und übertrieben. Man muss jedoch wissen, dass vor 70 Jahren gerade in Köln, im "hillje Kölle" die Verehrung und Anerkennung der Autorität von Kirche und ihren Amtsträgern noch ungebrochen war. Außerdem gab die Kirche, so wie sie es zum Teil in den Zeiten der vorangegangenen Gewaltherrschaft getan hatte, den Menschen Halt in ihren Nöten, Ängsten, Hunger und Elend.

Politische Strukturen entwickelten sich gerade unter der Aufsicht der Alliierten, sie waren noch keine Größe, an der die Menschen sich orientieren konnten und so war es die Kirche, allen voran der von den Menschen bis zu seinem Tode hochverehrte Erzbischof Frings, die den Menschen Orientierung gaben und Mut zusprachen. Als Beispiel mag der seelsorgerliche Hinweis des Oberhirten im Jahre 1946 gelten, in dem Joseph Frings den Menschen gewissermaßen die Absolution gab, sich das was sie zum Leben brauchten, auch ohne Zahlung zu nehmen.

Vor diesem Hintergrund und der Zeit vor siebzig Jahren muss man auch die Auftritte des päpstlichen Legaten, des Kardinals Micara, sehen. Zu einer Zeit, da anders als heute, niemand daran dachte, dass ein Papst auf Reisen gehen könnte, war die Entsendung eines solchen Sonderbotschafters mit einer persönlichen Botschaft des Pontifex die höchste Ehre, die eine kirchliche Feier erhalten konnte.

Dass die Menschen dies alles zu schätzen wussten, dass sie Pomp und Prunk auch in den Zeiten der Not akzeptierten, lässt sich an der Masse der Teilnehmer erkennen. Bei der Prozession sollen ca. 500.000 Zuschauer zugegen gewesen sein, bei der großen Kundgebung im Stadion ca. 100.000. Und wenn man auf den Bildern von Walter Dick die Menschen und ihre Begeisterung sieht, die Menschen, die ernst und feierlich, neugierig aber auch fromm an den Festen teilnehmen, so muss man sagen, dass sie diese Festwoche und die internationale Aufmerksamkeit als Zeichen von Versöhnung und christlicher Brüderlichkeit erkannt und angenommen haben.

Zu erwähnen ist, dass der SPIEGEL der 700 Jahr-Feier eine Titelgeschichte gewidmet hat, die in ihrer Tendenz durchaus positiv zu sehen ist.