Gilbachstraße 3 Wiederaufbau, Gilbachstr. 3, 50672 Köln - Neustadt-Nord (1953)
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Ulrich Hermanns Ulrich Hermanns
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Album: Gilbachstraße 3 1957

Gilbachstraße 3 1957 : Gilbachstraße 3 Wiederaufbau

Gilbachstr. 3 (50672 Neustadt-Nord)

Die Gilbachstraße liegt zwischen der Spichernstraße und der Gladbacher Straße am Stadtgarten. Ihren Namen hat sie von einem Nebenfluss(-bach) der Erft, der von der Ville herunterkommend bei Neuss in die Erft mündet.

Die Gilbachstraße ist eine Wohnstraße, die ihre Attraktivität aus ihrer Nachbarschaft zum Stadtgarten bezieht. Nachteil des Standortes ist die Nähe zum Bahndamm mit der davon ausgehenden Lärmbelästigung durch Reise- und vor allem Güterzugverkehr.

Eine große Zahl der Häuser hat noch historische Fassaden, die in den letzten Jahren in unterschiedlicher Qualität renoviert worden sind.

Am unteren Ende der Gilbachstraße befinden sich noch zwei Gewerbebetriebe, ein Großhandel für Sanitärbedarf und eine Druckerei.

Im Haus Nr. 20 befindet sich die Montessori-Grundschule, die 2006 50 Jahr alt wurde. Die Schule nutzt den Stadtgarten als Pausenhof.

Unter den Häusern 17-21 und 23-25 sind ebenerdige Durchgänge in den Stadtgarten. Zusammen mit der Kirche (Neu) St. Alban im Stadtgarten wurden sie Ende der 50er Jahre vom Architekten Hans Schilling (1921-2009) entworfen.

Die Kirche ist ein prägnantes und über die Grenzen Köln hinaus bekanntes Beispiel für den modernen Kirchenbau der Zeit nach 1945. Für den Bau der Kirche wurden übrigens Trümmerziegel des alten Opernhauses am Rudolfplatz verwendet.

Aus einem nicht nachvollziehbaren Grund wird man die geraden Hausnummern 2-16 in der Gilbachstraße vergeblich suchen. Die Nummerierung beginnt auf der "geraden" Seite erst mit der Hausnummer 18.

Durch Hinweis eines Lesers wurde darauf aufmerksam gemacht, dass die Handwerkskammer ihren Sitz nach dem Kriege nicht an der Ecke zur Spichernstr. sondern im Schulgebäude Gilbachstraße 20 hatte. Das ergibt sich auch aus dem Bauschild am zerstörten Rathausturm.(Siehe Foto)

Und viele ältere Handwerker erzählen, dass sie dort ihre Prüfung gemacht haben.

 

Ein weiterer Kommentar wies auf ein Flugzeug hin, dass sich angeblich auf einem Hof in der Nähe der Eisenbahn befindet. In einigen Gebäuden auf dem Bahndamm, die früher zum Güterbahnhof Gereon gehörten, haben sich Künstler niedergelassen. Einer davon hat tatsächlich ein recht großes Modell eines Düsenjets in seinem Hinterhof aufgestellt. Vom Fußweg am Bahndamm aus erkennt man das aus Aluplatten zusammengenietete Leitwerk des "Vogels"

 


Dieses Foto wurde von Herrn Karl Walter Keppler zur Verfügung gestellt.

Gerüste wurden in dieser Zeit aus langen Holzstangen errichtet, die einzelnen Etagen und Verlängerungen durch Ketten, Seile und Krampen miteinander verbunden. Der gesamte Transport nach oben, Steine, Mörtel etc., wurde von Bauhelfern über die vorgesetzte Leiter durchgeführt. (...auf der Schulter getragen!) Für den Mörteltransport gab es kleine Tragekästen, die auf der Schulter getragen wurden. Auf der Straße wurden sie auf einem schulterhohen Gestell abgestellt, mit Mörtel befüllt, oben angekommen wurde der Inhalt in den Mörtelbehälter ("de Speissbütt") des Maurers oder Verputzers geschüttet. Zu erwähnen ist noch, dass der Mörtel nicht etwa fertig angeliefert wurde, sondern an der Baustelle oft noch von Hand angemischt wurde. Man löschte sogar oft noch vor Ort den gebrannten Kalk in großen eisernen Sumpfbottichen.

Auf dem Bild erkennt man, dass auch die Reste der Stuckverzierungen im Souterrain entfernt worden sind. Das mag man aus heutiger Sicht kritisieren. Zum Einen aber muss man sehen, dass in der Zeit des Wiederaufbaus die finanziellen Mittel meist nicht vorhanden waren, die alten Verzierungen zu erhalten, zu restaurieren oder gar zu erneuern. Die Wiedererrichtung von Wohnraum hatte damals sicher Vorrang. Zum Zweiten gab es vor 50-60 Jahren keine Wertschätzung der reich verzierten Fassaden aus der Zeit des Historismus. Sie galten als überladen und als überflüssiger Zierat. Nach Kenntnis des Verfassers wurden in einigen Städten sogar Prämien für das Entfernen des Zierats gezahlt.

Weitere Fotos aus dem Album "Gilbachstraße 3 1957"


Zu Weihnachten 1957 ließen die damaligen Eigentümer des Hauses Gilbachstraße 3, die Eheleute Elisabeth und Anton Keppler, eine Dokumentation über ihr Haus erstellen. Sie zeigt Fotos vor dem Kriege, Fotos der Zerstörung und solche des Wiederaufbaus nach dem Kriege. Das Haus, das heute äußerlich noch immer den Zustand vor ca. 50 Jahren zeigt, kam nach dem Tode der Eheleute auf den Sohn, Herrn Paul Keppler, und danach auf den Enkel der beiden, Herrn Karl Walter Keppler und seine Ehefrau Ursula Keppler. Im Jahre 1999 wurde das Haus in eine Eigentümergemeinschaft umgewandelt und zwei Wohnungen an langjährige Mieter verkauft. Die Familie Keppler ist jedoch immer noch der Mehrheitseigentümer.

Alle Fotos, Zeichnungen und Texte sind der oben genannten Dokumentation entnommen, die Herr Karl Walter Keppler freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat.