Das Flittarder Werth, Hubertusstr., 51061 Köln - Flittard (1784)
hochgeladen von:
Hans Metzmacher Hans Metzmacher
1639 mal angesehen.
Album: Das Flittarder Werth -Teil 4-

Das Flittarder Werth -Teil 4- : Das Flittarder Werth

Hubertusstr. (51061 Flittard)


Ausführliche Nachricht von dem erschrecklichen Eisgange, und den Überschwemmungen des Rheines, welche im Jahre 1784 die Stadt Köln, und die umliegenden Gegenden getroffen. Titelblatt aus einer Veröffentlichung des Kölner Stadtarchivs.

Weitere Fotos aus dem Album "Das Flittarder Werth -Teil 4-"


Der Eisgang von 1784

 

Kurz möchte ich auch noch einmal auf das größte Hochwasser in Flittard und Umgebung eingehen, den Eisgang von 1784, das bisher immer für den Verschluss des südlichen Zulaufes verantwortlich gemacht worden ist.

 

 

 

 

 

 

 

Dieses Hochwasser ist das einzige mir bekannte Ereignis, dass in fast allen Chroniken entlang des Niederrheines ausführlich erwähnt wird (Wasserstand am Kölner Pegel 13,55 m).

Erst aus vielen Einzelberichten kann man sich ein Bild über das folgenschwere Unglück machen, das damals über die Bewohner vieler niederrheinischer Städte und Dörfer hereinbrach.

Schon zu Weihnachten 1783 hatte der Rhein bei hohem Wasserstand starkes Treibeis geführt.

Zu dem Hochwasser gesellte sich um die Jahreswende starker Frost. Bis zum 11. Januar 1784 war der Rhein so fest zugefroren, dass man mit schwer beladenen Wagen "hinüber passieren" konnte. Fast sieben Wochen hielt die 10 bis 15 Fuß dicke Eisdecke.

Am 22. Februar setzte plötzlich Tau- und Regenwetter ein. Die hohe Schneedecke schmolz, und der dadurch anschwellende Strom schob die Eisdecke täglich mehr in die Höhe. Ängstlich blickten die Menschen zum Strom, hoffend, dass die Eisdecke brechen und den vom Oberrhein und den Nebenflüssen nachdrängenden Eismassen Platz machen würde. Aber auch am 26. Februar wurde die Gefahr noch nicht richtig erkannt. Obwohl in Mülheim die Bewohner durch Ausschellen zum Räumen der Häuser aufgefordert wurden, verließen nur wenige ihre Wohnungen. Noch weniger ahnte man in Flittard, Wiesdorf und am weiteren Niederrhein das bevorstehende Verhängnis.

Zur 5. Morgenstunde des 27. Februar verkündeten von Köln her Kanonenschüsse, dass das Eis oberhalb von Bonn gebrochen war.

Schon fünf Stunden später türmten sich bei Mülheim die Eisberge haushoch übereinander. Immer höher staute sich das Wasser, bis es sich gewaltsam einen neuen Weg suchte.

Bei Westhofen brach der Damm, und von dort wälzten sich die Eiswasser auf Mülheim zu, wo Haus um Haus unter den gewaltigen Schollen begraben wurde. In der Frühe des 28. Februar teilte sich der in einem früheren Rheinarm heranbrausende Westhofener Strom, der sich vorübergehend in den Straßen von Mülheim festgesetzt hatte, in drei mit Eis gefüllte Ströme, von denen zwei für Wiesdorf zum Verhängnis wurden.

Einer nahm seinen Lauf hinter Buchheim her, am Rittersitz Herl vorbei und auf Wiesdorf zu. Der andere kam im Verlauf des Faulbaches, der noch im vergangenen Jahrhundert zwischen Dünnwald und Flittard nach Wiesdorf floss und dort in den Rhein mündete, herangebraust.

Die Nacht, die dem 28. Februar folgte muss grauenvoll für die Bewohner gewesen sein.

Aufkommender Sturmwind mischte sich mit dem Getöse von Wasser, übereinanderschiebenden Eisschollen und dem Krachen einstürzender Häuser.

In Flittard hat der Eisgang nicht so verheerend gewirkt wie in Köln, Mülheim oder Wiesdorf.

Die von mir beschriebenen Deiche zum Schutz der Abdrift des Ackerlandes haben ziemlich gut gehalten. Einmal ist der Rhein zwischen Stammheim und Flittard zum Stehen gekommen, da haben sich große Eismassen aufgetürmt, sodass man von Stammheim aus nur noch die Kirchturmspitze von Flittard sehen konnte.

Die Eisschollen haben sich zwischen den Deichen 5 Meter hoch festgesetzt. Sie wirkten wie ein Schutzwall für Flittard. Dadurch ist der Ort vor schlimmerem bewahrt geblieben.

Im Mai, als das letzte Eis geschmolzen war, fand man noch ein Stück Siamosen (die Siamoise: rotblau gewürfeltes oder gestreiftes dauerhaftes Baumwollzeug mit weißem Grund. Dieser Stoff wurde vorzugsweise für Überzüge, Schürzen usw verwendet), das im Eis festgefroren war.