Wohnküche der Weißen Stadt, Cusanusstr., 51065 Köln - Buchforst (1930)

Weiße Stadt in Buchforst 30er Jahre : Wohnküche der Weißen Stadt

Cusanusstr. (51065 Buchforst)


Anders als in den sog. "Reformküchen" auch  "Frankfurter Küchen", die als "Arbeitsplatz der Hausfrau" nach rein ergonomischen Gesichtspunkten gestaltet waren, hielt man in Köln meist am Typus der Wohnküche mit Kochnische fest. Die war der Raum in dem sich das Familienleben konzentrierte, die Hausfrau war nicht isoliert von der Familie an ihren "Arbeitsplatz" gebunden. Die Idee mit der halbhohen Trennwand mutet noch heute modern an, auch wenn der antike Küchenherd mit seiner "Ovenspief" daran erinnert, dass diese Zeichnung ca 85 Jahre alt ist.

Fotografie von Hugo Schmölz; Zeichnung von Wilhelm Riphahn

Weitere Fotos aus dem Album "Weiße Stadt in Buchforst 30er Jahre"


Auf einem Teilgrundstück des Kalkerfeldes (Erst 1932 wurde der Name "Buchforst" eingeführt.) wurde auf dem etwa dreieckigen Gelände zwischen Heidelberger Str., Waldecker Str. und Kopernikusstr. zwischen 1928 und 1932 die "Weiße Stadt" errichtet. Neben Mietshäusern in Zeilenbauweise wurden eine große Zahl von Einfamilienreihenhäusern geplant und errichtet.

Wie der gesamte Stadteil Kalkerfeld/Buchforst war die Siedlung durch die auf der Heidelberger Straße verlaufende Straßenbahn zwischen Bergisch Gladbach und Köln Zentrum  verkehrstechnisch gut angebunden.

Die Gesamtplanung, aber auch der Bau der einzelnen Häuser, der Kirche (St. Petrus Canisius) und des im Kriege zerstörten Gemeinschaftshauses wurde Wilhelm Riphahn und Caspar Maria Grod übertragen. Die Siedlung wurde vollständig im sog. "Internationalen Stil"  und nach den Vorstellungen des "Neuen Bauens" geplant und errichtet. Sie stellt einen Endpunkt in der architektonischen Entwicklung des Siedlungsbaus in Köln dar und gilt als Meisterwerk Wilhelm Riphahns. Während der Siedlungsbau in Köln zu Beginn der 20er Jahre eher kleinstädtische, oft fast dörfliche Vorstellungen verwirklichte, (Etwa Bickendorf I, Mauenheim, aber auch Germaniasiedlung) wurde hier -verwunderlich für das konservative Köln- konsequent in dem auch vom Bauhaus beeinflussten Stil geplant und gebaut.

Die großen Miethäuser greifen nicht die durch Heidelberger Str. und Waldecker Str. vorgegebenen Fluchtlinien auf, sondern stehen als langgestreckte Zeilen zur optimalen Belichtung in Richtung von Nord/West nach Süd/Ost im Winkel von ca. 45 Grad zu diesen Straßen. Zur weiteren Optimierung der Belichtung sind die einzelnen Häuserreihen jeweils etwas versetzt. Breite Abstände zwischen den Häusern dienten der Belüftung des Gesamtkomplexes und waren als Grünflächen für die Erholung aller Bewohner vorgesehen

Haupterschließungsstraße der Siedlung ist die Cusanusstr., die von der Spitze des Dreiecks zu dessen Basis an der Kopernikusstr. verläuft. An der Cusanusstraße liegt im Zentrum der Siedlung die Kirche (St. Petrus Canisius). Das mit der Siedlung errichtete Gemeinschaftshaus befand sich an der Ecke Heidelberger Str. / Waldecker Str.

Rechtwinklig zur Cusanusstraße liegen an der Basis des Dreiecks die Archimedesstr., Voltastr. und Kopernikusstr. mit den Reihen der Ein- und Zweifamilienhäuser. Durch die Verwendung der beiden Haustypen in der Weißen Stadt sollte auch eine bessere soziale Durchmischung erreicht werden.

Die "Weiße Stadt" zeigte und zeigt sich als Siedlung, die sich mit maßvoller Größe und einer gelungenen sozialen Durchmischung positiv von der Maßlosigkeit von Großsiedlungen der 60er, 70er und 80 Jahre abhebt.

Anzumerken bleibt, dass Bauen im "Internationalen Stil" während der Nazidiktatur als undeutsch verboten war und dass Wilhelm Riphahn als Architekt der Siedlung lange Zeit (bis ca. 1938) keine öffentlichen Aufträge mehr erhielt.