Zwischen Perlengraben und Waidmarkt, Mengelbergstr., 50676 Köln - Altstadt-Süd (1935)
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Ulrich Hermanns Ulrich Hermanns
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Album: Hauptbahnhof der Pferdebahn

Zwischen Perlengraben und Waidmarkt - Hauptbahnhof der Pferdebahn

Mengelbergstr. (50676 Altstadt-Süd)


Der Ausschnitt aus einem Stadtplan aus der Mitte der 30er Jahre verdeutlicht die örtliche Situation vor der Kriegszerstörung. Das dreieckige Gebiet zwischen Perlengraben (oben), Blaubach (rechts) und der Severinstr. (Altstadt-Süd) war dicht bebaut. Es war der Bereich der Pfarrei St. Johann Baptist und es stellte die Verbindung zwischen dem Severinsviertel und dem Viertel südlich von St. Pantaleon dar. Die Bomben des Krieges haben hier buchstäblich "tabula rasa" gemacht und die Stadtplanung der 50er Jahre hat das Viertel vollends verschwinden lassen. Breite autobahnähnliche Verkehrswege werden gesäumt von mittlerweile nur noch "schäbig" zu nennenden öffentlichen Bauten und einigen Wohnbauten in Insellage zwischen den Straßen und das Alles umgeben von teilweise völlig nutzlosem "Straßenbegleitgrün". Zumindest an der Mengelbergstraße beginnt man nunmehr nach den Anstößen des Speer´schen Masterplans mit eine Revitalisierung bzw. einem, wenn auch minimalen Rückbau der überdimensionierten Verkehrsbauten.

Die hier verzeichnete "Straßenbahndirektion" lag wohl auf dem Gelände des ehemaligen "Hauptbahnhofs der Pferdebahn" an der Einmündung der Weißgerbereckgasse in die Weißbüttengasse (siehe Lageplan # 461523) . All diese Straßennamen, die noch vorhandenen und die veschwundenen weisen auf die Lage von Handwerkern hin, die Wasser für ihr Gewerbe nötig hatten. Dies lieferte der Bach, der vom Vorgebirge kommend an der Südseite der alten Römermauer entlanglief. Es ist der Duffesbach, der heute von der Militärringstr. an in einem großen Rohr unterirdisch fließt und in den Rheinauhafen mündet.

Weitere Fotos aus dem Album "Hauptbahnhof der Pferdebahn"


Durch den Hinweis von Stefan Robertz angeregt, werden in diesem Album einige Informationen zum "Hauptbahnhof der Pferdebahn" vorgestellt.

Der vorliegende Text ist ein Auszug aus einer historischen Publikation. Originale Ausdrucksweise und Rechtschreibung wurden bei der Abschrift beibehalten.

KÖLN
UND SEINE BAUTEN

Festschrift
zur

VIII: Wanderversammlungdes Verbandes deutscher
Architekten und Ingenieur-Vereine

KÖLN

vom 12. bis 16. August 1888

Einer der Herausgeber war Hermann Josef Stübben(1845-1936), der Schöpfer der Kölner Neustadt.

 

C. Strassenbahnanlagen

Mitgetheilt von H. Gereon

Oberingenieur der Kölnischen Strassenbahngesellschaft

 d. Bahnhofsbauten

     Das Betriebsmaterial ist untergebracht in acht Bahnhöfen, von welchen sechs auf der linken Rheinseite sich befinden. Die bedeutendste Anlage ist der im Jahre 1885 neu erbaute Hauptbahnhof in der Weissbüttengasse, dessen Lage im Inneren der Stadt, unmittelbar an der Rundbahn und zwischen den Linien Ehrenfeld-Dom-Bayenthal und Querbahn, welche beide bestimmt sind, in Zukunft die Hauptverkehrsadern zu werden, als eine sehr günstige bezeichnet werden muss.

Foto Nr.:461523 
Das Grundstück(siehe Lageplan in Fig. 230) hat eine Grösse von 3116 qm und umfasst:

a. das Verwaltungsgebäude
b. die Stallungen für 140 Pferde
c. die Remisenanlagen für 50 Wagen
d. die erforderlichen kleinen Nebenanlagen.

    Der vorhandene freie Raum gestattet eine Verrgrösserung der Stallungen zur Gesammtaufnahme von 180 Pferden.

     Im Vordergrunde der Anlagen liegt der geräumige Betriebshof, rechts am Eingange das Verwaltungsgebäude, von wo der ganze Betrieb übersehen werden kann, links mit doppelter Lichtseite die gut gelüfteten Ställe. Ein Theil derselben ist als Etagenställe zur grösstmöglichen Nutzung des Raumes hergestellt. Rechtsbefindet sich die doppelgeschossige Remisenanlage. Das Ganze ist demnach so gruppirt, dass der Pferdebetrieb die linke Seite, der Wagenbetrieb die rechte Seite beansprucht.

     Die Anlage ist canalisirt, an die städtische Wasserleitung angeschlossen, mit drei Feuerhydranten und mit Gasleitung versehen. Ferner hat die Verwaltung, um alle Sicherheitsmassregeln zu treffen, einen Feuermelder im Hof anbringen lassen. Fernsprecheinrichtung und ein elektrisches Uhrwerk ergänzen die Einrichtungen.

 Foto Nr.:461521 
 
Das Stallgebäude (Fig. 230, 231 und 232) ist in Abtheilungen für je 20 Pferde ausgeführt, was sich aus vielen  Zweckmässigkeitsgründen, die hier aufzuzählen zu weit führen würde, empfiehlt. Die Stände haben 1,50 m Breite; die lichte Breite der Ställe beträgt 9 m. Als Pflaster ist Kreuznacher Melaphyr, auf eine 10 cm starken Betonschicht gebettet, gewählt worden. Die Decken sind zwischen Eisenträgern überwölbt. Für die weiteren Einzelheiten, wie Anlage der Etagenställe, Speicher, Rampen, Zugänge u.s.w., verweisen wir auf die Zeichnungen.

Foto Nr.:461522

 

     Der Wagenschuppen ist, wie schon erwähnt, gleichfalls aus zwei Geschossen hergestellt; das obere zu gleicher Erde mit dem Hofe dient für das im täglichen Betrieb stehende rollende Material, während das untere Stockwerk Reservewagen birgt (siehe Figur 233). Jeder Strang der der oberen Remise sowie der mit 7 % Gefälle zur unteren Remise führende Strang ist von der Rundbahn (Hauptbahn) mittels Weichenstellung unmittelbar zugänglich, so dass das flotte Ein- und Ausfahren nicht durch Schiebebühnen oder Drehscheiben behindert ist. Der vordere Theil des Bodens der oberen Remise ist wasserdicht ausgeführt, um im Winter oder bei schlechtem Wetter die Reinigung der Wagen unter Dach vornehmen zu können. Die Construction besteht aus starkem verzinkten Wellblech, welches auf Eisenträgern gelagert ist (Fig. 234). In den Wellen liegt eine 8 cm über den Wellenrücken hinaufragende Betonschicht, in welche das Geleise abgesenkt ist. Als oberste Abdeckung wurde dann ein 1,5 cm starker Asphaltboden hergestellt. Das Ganze hat sich bis heute sehr gut gehalten.

 

 Die Bahnen wurden privatwirtschaftlich betrieben und rentierten sich, da sie in der Zeit vor der Motorisierung quasi ein Monopol für die Personenbeförderung hatten.

 Dazu wird weiter unten ausgeführt:

    Es wurden im Jahre 1887 eingenommen 840.000 Mark…Der zur Verteilung gekommene Reingewinn betrug 365.000 Mark.

     Das Actiencapital beläuft sich auf 4.000.000 Franken (belg).

 Bei angenommener Parität von Franken (belg.) und Mark kam man also auf eine jährliche Rendite von über 9 Prozent. Davon träumt die KVB!