Die Klappergasse, Koelhoffstr., 50676 Köln - Altstadt-Süd (1930)
fotografiert von:
Walter Dick Walter Dick
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Album: Eröffnung Severinsbrücke 1959

Die Klappergasse

Koelhoffstr. (50676 Altstadt-Süd)


Zur Verdeutlichung der örtlichen Situation vor dem Bau der Severinsbrücke werden zwei Ausschnitte aus alten Stadtplänen vorgestellt.

Vor dem Krieg und seinen Zerstörungen war das Gebiet zwischen Holzmarkt und Severinstr. (Altstadt-Süd) dicht bebaut. 

Es wurde in Kauf genommen, dass die noch vorhandenen Reste des alten Rheinviertels für die Brücke verschwanden. Der Kartenausschnitt zeigt, vom Holzmarkt abgehend, die Klappergasse. Sie war die Verlängerung der Spielmannsgasse (früher Spillmannsgasse und auch Spullmannsgasse) zum Rhein. Der Name Klappergasse deutet wahrscheinlich auf einen dort ansässigen Grundbesitzer namens Klapper(er) hin. Diese Bezeichnung deutet auf eine zumindest recht geschwätzige Person hin, wahrscheinlich also "´ne Schwaadlappe"! (siehe: Glasner: Die Lesbarkeit der Stadt; Lexikon der mittelalterlichen Straßennamen; S. 123)

Die Spielmannsgasse besteht heute nur noch als unbebauter Weg an der Nordseite von St. Johann Baptist ca. fünf Meter über der Zufahrt zur Severinsbrücke. Hier steht auch das Denkmal des Namenspatrons der Brücke, des Hl. Severin.

Die Weberstr. und die Follerstr. wurden durch die Brückenzufahrt abgeschnitten. Lediglich die Straße Im Sionstal wurde unter der Rampe durchgeführt.

Weitere Fotos aus dem Album "Eröffnung Severinsbrücke 1959"


Die am 7. November 1959 eröffnete Severinsbrücke war in vieler Hinsicht "neu". Zunächst war sie das erste Brückenbauwerk über den Rhein, das nach dem Wiederaufbau anderer Rheinbrücken(Deutzer Brücke, Mülheimer Brücke, Südbrücke, Hohenzollernbrücke und Rodenkirchener Brücke) eine neue Rheinüberquerung darstellte. Dann betrat man mit der Konstruktion der asymmetrischen Schrägseilbrücke auch konstruktives Neuland. Um den Deutzer Hafen weiter nutzen zu können und um den Schiffsverkehr nicht mit zwei Pfeilern im Strom zu behindern wurde die markante Lösung mit nur einem Pfeiler gewählt. An der Entwurf der Konstruktion war neben dem Kölner Architekten Gerd Lohmer (1909-1981) wieder der geniale Brückenkonstrukteur Fritz Leonhardt (1909-1999) als Berater beteiligt.

Die städtische Bauleitung lag wie auch bei den anderen städtischen Nachkriegsbrücken in den Händen von Karl Schüßler(1892-1972), der oft auch als "Vater der Kölner Brücken" bezeichnet wurde.

Der Bau der Severinsbrücke war dringend notwendig geworden, da die zwischen 1947 und 1949 wiedererrichtete Deutzer Brücke dem rapide wachsenden Verkehr kaum noch gewachsen war. Die britischen Besatzungsbehörden hatten hier wie anderenorts nur eine Breite von ca. 12 Meter für dieses Bauwerk zugelassen, um einen Transport schwerer Panzer etc. darüber unmöglich zu machen. 

Die ersten Planungen und auch der städtebauliche Wettbewerb für die Rheinquerung sahen alternativ zu einem Brückenbauwerk den Bau eines Tunnels vor. (siehe dazu: Schüßler, Karl Wettbewerb 1954 zum Bau einer Rheinbrücke oder eines Tunnels in Köln im Zuge Klappergasse-Gotenring [Teil IV] in "Stahlbau", November 1957, n. 11 v. 26; S. 326-348)

Für den Neubau zwischen dem Gotenring in Deutz und der Severinstr. (Altstadt-Süd) sollten entsprechend den damaligen Vorstellungen autogerechte Anschlüsse geschaffen werden. Im Ergebnis führte dieser fast autobahnähnliche Ausbau zur Zerstörung ganzer Stadtviertel zu beiden Seiten des Stroms. Vor Allem das Gebiet westlich der Brücke mit den kleeblattartigen Kreuzungen kann man aus heutiger Sicht nur als städtebauliche Sünde bezeichnen.

Zur Eröffnung der Severinsbrücke waren natürlich wieder "vell Prummente und wechtije Lück" angereist. Allen voran der Bundeskanzler Konrad Adenauer und der Erzbischof, Kardinal Josef Frings.

Es darf nicht vergessen werden, dass sich am 26. September 1956 beim Bau der neuen Rheinbrücke ein tragischer Unfall ereignete. Der Caisson, der das Fundament für den Strompfeiler bilden sollte, sackte plötzlich zur Seite. Fünf Arbeiter wurden verschüttet und die Bauarbeiten stockten für mehrere Monate. Informationen dazu finden Sie in einem weiteren Album von Walter Dick: hier