Verstärkung der Stützmauern, Nord-Süd-Fahrt, Köln - Altstadt-Nord (1999)
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Wolfgang Becker Wolfgang Becker
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Album: Baulücken

Baulücken : Verstärkung der Stützmauern

Nord-Süd-Fahrt ( Altstadt-Nord)

Die Nord-Süd-Fahrt ist eine Schnellstraße, die teilweise in Tunneln durch die Innenstadt führt. Sie wurde umgesetzt, um die Ringstraßen sowie die Rheinuferstraße zu entlasten und wurde zur wichtigsten Nord-Süd-Verbindung im Zentrum Kölns. Der Bau erfolgte ab Mitte der 1950er Jahre in mehreren Bauabschnitten bis 1972. Das Ergebnis war eine vier- bis sechsspurige Straße, die auf 2,4 km Länge vom Ebertplatz bis zum Sachsenring (Ulrepforte) führt.


Die Nord-Süd-Fahrt gliedert sich von Nord nach Süd in die Abschnitte Turiner Str., Tunisstr., Offenbachplatz, Nord-Süd-Fahrt, Neuköllner Str., Tel-Aviv-Str. und Ulrichgasse. Nur der mittlere Teil heißt tatsächlich Nord-Süd-Fahrt. Umgangssprachlich werden aber häufig alle Teile auf diese Weise angesprochen.


Als Tunisstraße unterquert sie in einem 500 Meter langen Tunnel die Kreuzung Gereonstr. / An den Dominikanern, die Komödienstr. und das WDR-Archiv-Gebäude, bis sie in Höhe der Elstergasse wieder zu Tage tritt. Nach Passage von Sehenswürdigkeiten wie dem  4711-Haus und der Oper unterquert sie unter der offiziellen Bezeichnung Nord-Süd-Fahrt die Fußgängerzone (Schildergasse) sowie das Weltstadthaus. Als Tel-Aviv-Straße bietet die Nord-Süd-Fahrt einen Zubringer zur Severinsbrücke und endet als Ulrichgasse an der Ulrepforte.


Die Nord-Süd-Fahrt wurde nach dem Leitbild der autofreundlichen Stadt umgesetzt. Auf historisch gewachsene Strukturen wie das Stadtzentrum wurde dabei nur wenig Rücksicht genommen. Die starken Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs ermöglichten die Anlage der Straße durch ehemals dicht bebautes Altstadtgebiet. Heute gilt die Nord-Süd-Fahrt als eines der kontroversesten Bauprojekte Kölns im 20. Jahrhundert, das einen Teil des typischen Charakters Kölns, besonders in altstädtischen Vierteln, unwiederbringlich zerstörte.

Auf Höhe der Schildergasse befindet sich der - auch über Köln hinaus - bekannte Schriftzug "Liebe deine Stadt"


Die Fotos in diesem Album stammen von Herrn Wolfgang Becker. Er hat ab dem Jahr 1991 in zahlreichen Aufnahmen Baulücken oder Gebäude bevor sie abgerissen wurden, im Bereich der Innenstadt vor allem zwischen der Severinstraße und dem Rheinauhafen dokumentiert. Die meisten diesr Baulücken sind in der Zwischenzeit bebaut worden. In einer weiteren Serie von Fotos aus dem Jahre 2002 hat er den Zustand der alten Schuppen und Lagergebäude im Rheinauhafen fotografisch festgehalten. Diese Aufnahmen sind insofern ein wichtiges Zeitdokument, da unmittelbar nach den Aufnahmen die meisten dieser Bauten abgerissen wurden bzw. der Abriss schon begonnen war. Hintergedanke dabei war die Feststellung, dass Neubauten meistens 100 Jahre zu sehen sind, aber die verschwundenen Bauten schon nach einigen Monaten aus der Erinnerung und dem Gedächtnis verschwunden sind. Diese Erinnerung sollte dokumentiert werden. Die heruntergekommenen Hafenanlagen waren teilweise schon Jahre vorher nicht mehr genutzt worden. An ihrer Stelle wurden bis etwa zum Jahre 2009 schicke und entsprechend teure Wohn- und Bürogebäude errichtet u.a. die drei Kranhäuser. Beim Bau dieser Anlagen wurde seitens der Stadt Köln versäumt, neben Luxusbauten auch solche mit bezahlbarem Wohnraum zu schaffen, um auch normalverdienenden Bevölkerungsschichten Zugang zu Wohnraum in dieser attraktiven Lage zu ermöglichen.

Nach dem Abriss des alten Möbelhauses links wurden die Stützmauern der Nord-Süd-Fahrt für die Aufnahme des Neubaus über der Straße entsprechend verstärkt. Auf die so verstärkten Fundamente wurde das Weltstadthaus der Fa. Peek & Cloppenburg (Architekt: Renzo Piano, geb. 1937) gebaut.

Weitere Fotos aus dem Album "Baulücken"