Preisverleihung im Gürzenich, Gürzenichstr. 24, 50667 Köln - Altstadt-Nord (1961)
fotografiert von:
Walter Dick Walter Dick
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Album: Heinrich Böll, * 21. Dezember 1917

Preisverleihung im Gürzenich - Heinrich Böll, * 21. Dezember 1917

Gürzenichstr. 24 (50667 Altstadt-Nord)

Um für die 1915 errichtete Hängebrücke eine angemessene Brückenzufahrt zu schaffen, riss man an der Südseite des Gürzenichs eine Häuserzeile ein. Somit war die Gürzenichstraße geschaffen. 

Der Gürzenich wurde als zweigeschossiger Bau zwischen 1441-1447 errichtet und sollte als "Rathes Tantzhaus" dienen. Seinen Namen erhielt der Bau von seinen einstigen Grundstückbesitzern, dem Landadelsgeschlecht der Herren von Gürzenich. Mit dem Gürzenich verfügte die Stadt über ein Tanzhaus, dass für Empfänge der Zeit angemessen war. Bald ließen sich hohe Würdenträger wie die Kaiser Friedrich III., Karl V. oder Maximilian I. als Gäste verzeichnen. Und auch im weiteren Lauf der Geschichte mangelte es nicht an Prominenz. Queen Victoria von England, Johannes Schoppenhauer, Guiseppe Verdi, Friedrich Nitzche und Karl Marx sind nur einige der Namen, die hier zu nennen wären.

Neben Tanz und Kulturveranstaltungen diente der Bau auch als politischer Versammlungsort verschiedenster Gruppen. Der heutige Gürzenich ist ein Neubau, da der ursprüngliche Bau im Zweiten Weltkrieg zerstört worden war.

Die Gürzenichstraße, die ja als Brückenauffahrt geplant war hat diese Bestimmung indes nicht ausgeführt. Sie erfolgt von der Pipin- und Augustinerstraße aus über den Heumarkt.


Neben der Preisträgerin Anette Kolb (1870-1967) erkennt man Heinrich Böll im Gespräch mit dem damaligen Oberbürgermeister Theo Burauen.

Weitere Fotos aus dem Album "Heinrich Böll, * 21. Dezember 1917"


 

Heinrich Böll wurde am 21. Dezember 1917 in Köln geboren. Er starb am 16. Juli 1985. Aus Anlass seines 100. Geburtstages hat Bilderbuch Köln aus dem Nachlass von Walter Dick eine Sammlung von Fotos des Schriftstellers und Nobelpreisträgers (1972) zusammengestellt. Über die Originale hinaus hat die Redaktion versucht, durch Bildausschnitte und Vergrößerungen eine Reihe von Portraits zu entwickeln.

Eine größere Serie von Fotos entstand anlässlich eines Besuchs des kürzlich verstorbenen russischen Schriftstellers Jewgeni Jewtuschenko (1932-2017) im Jahre 1963. Einige Fotos bei der Verleihung des Literaturpreises der Stadt Köln 1961 an Anette Kolb, bei der Heinrich Böll als Preisträger des Jahre 1959 anwesend war. Der Literaturpreis wurde ihm zu Ehren nach seinem Tode in "Heinrich Böll Preis der Stadt Köln" umbenannt.

Heinrich Böll war als Schriftsteller ein kritischer Begleiter der Nachkriegsgesellschaft in Deutschland. Insbesondere deren mehr als nachlässiger und verdrängender Umgang mit der Zeit von Terror und Gewaltherrschaft zwischen 1933 und 1945 war Thema seiner Werke. In den 70er Jahren befassten sich seine Romane und Essays mit der Art und Weise, wie der deutsche Staat mit tatsächlichen oder verdächtigten Sympathisanten des linken Spektrums und der RAF umging.

Heinrich Böll war schon seit Beginn der 60er Jahre um den Dialog mit den Staaten des Ostblocks bemüht, zu einer Zeit, in der das offizielle Deutschland nur die "rote Gefahr" aus dem Osten sah.

Heinrich Böll, Kölner von Geburt, war auch ein kritischer Begleiter der Entwicklungen seiner Heimatstadt in der Nachkriegszeit, in der nach den Zerstörungen des Krieges durch eine fehlgeleitete und oft arrogante Stadtplanung viele seit Jahrhunderten gewachsene Strukturen ohne Rücksicht zerstört wurden.

Nicht zuletzt war Heinrich Böll ein Friedenskämpfer, der sich in den Kampf gegen Nachrüstung und Nato Doppelbeschluss aktiv einbrachte.

Vielfach diskriminiert und vor Allem in den 70er Jahren der Sympathien und Unterstützung für die RAF-Terroristen verdächtigt, versagte er sich zum Ende seines Lebens mehr und mehr dem offiziellen Kunstbetrieb.

Auch wenn über seine Werke die Zeit heute ein wenig hinweggegangen zu sein scheint, bleibt er ein sehr wichtiger Protagonist deutscher Nachkriegsliteratur.

Ist der Ort der Aufnahme nicht erkennbar, so wurde als Straße die Hülchrather Straße in Neustadt-Nord deshalb gewählt, weil Heinrich Böll dort einige Jahre gewohnt hat.