Politiker mit Konrad Adenauer auf der Prozession, Brigittengäßchen, 50667 Köln - Altstadt-Nord (1948)
fotografiert von:
Walter Dick Walter Dick
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Album: 700 Jahrfeier Kölner Dom 1948

700 Jahrfeier Kölner Dom 1948 : Politiker mit Konrad Adenauer auf der Prozession

Brigittengäßchen (50667 Altstadt-Nord)


Rechts neben Adenauer Ernst Schwering  (1886-1962).

Der kahlköpfige Herr, der in der zweiten Reihe als dritter von rechts hinter Adenauer hergeht ist Jacob Kaiser (1888-1961). Kaiser war vor 1933 einer der Führer der christlichen Gewerfkschaftsbewegung und Zentrumspolitiker. Im dritten Reich war er ein entschiedener Gegener des Naziregimes und Mitglied verschiedener Widerstandsgruppen. Seiner Verhaftung nach dem 20. Juli 1944 entging er nur durch Flucht und Verstecken bis zum Kriegsende. Nach dem Kriege gehörte er zu den Mitbegründern der CDU als einer konfessionsübergreifenden christlichen Partei. Er war für seine Partei zunächst vor Allem in der sowjetischen Besatzungszone tätig. Nach seiner Absetzung durch die sowjetische Militäradministration ging er in den Westen. Hier war er als Vertreter eine linken Parteiflügels ein entschiedener Gegner Konrad Adenauers. Letztlich konnte sich dieser Flügel, der statt Einbindung in das westliche Bündnis eine Neutralität Gesamtdeutschlands vorsah und in der Wirtschaftspolitik eine Vergesellschaftung der Schlüsselindustrien forderte, nicht gegen Adenauer durchsetzen.  

In der ersten Reihe , ganz rechs neben Ernst Schwering geht der Stadtverordnete und Lantagsabgeordnete Peter Josef Schaeven(1885-1958), einer der Mitbegründer der CDU im Rheinland. Schaeven, der schon vor dem ersten Weltkrieg in der rheinischen Zentrumspartei mitgearbeitet hatte, konnte sich mit seinen Vorstellungen zur Politik nach dem Ende des Krieges, die mit denen Jacob Kaisers vergleichbar waren, letzlich auch nicht gegen Adenauer durchsetzen.  

Ganz rechts der Herr mit den weißen Handschuhen ist Bernhard Günther (1906-1981), der von 1945 bis 1975 Präsident der Handwerkskammer Köln war. Günther war auch einer der maßgeblichen Förderer der Rekonstruktion des Rathausturmes, die zum großen Teil durch Initiativen des Kölner Handwerks  ermöglicht wurde.

Weitere Fotos aus dem Album "700 Jahrfeier Kölner Dom 1948"


Am 16. August 1948 begann die Festwoche zur 700 Jahr-Feier des Kölner Doms. Am 15. August 1248 hatte der Kölner Erzbischof Konrad von Hochstaden (1205-1261) den Grundstein zur gotischen Kathedrale gelegt.

Die Feiern zum Domjubiläum fanden als Höhepunkt eine feierliche Prozession durch die Stadt, bei der nicht nur das Allerheiligste in der Monstranz durch die Ruinen der zerstörten Stadt getragen wurde, sondern auch neun verschiedene Schreine allen voran der Dreikönigenschrein aus dem Dom und Kölner Kirchen, erstmals wieder der Bevölkerung gezeigt werden konnten, wurden durch die Stadt gefahren. Bemerkenswert und von den Menschen besonders beachtet war die Teilnahme zahlreicher ausländischer Bischöfe und Ehrengäste, die, drei Jahre nach dem Ende von Gewaltherrschaft und Krieg, den Weg zu den Feiern gefunden hatten. Gerade dies war für die Menschen in ihren Sorgen und Nöten, ihrer Armut, ihrem Hunger und Elend ein erfreuliches Zeichen, dass aus dem Ausland, aus den Ländern der früheren Feinde, aus  den von deutschen Truppen bekämpften und besetzten Ländern durch den Besuch in Köln ein Beginn von Versöhnung, von neuer christlicher Brüderlichkeit dokumentiert wurde.

Diese Schritte einzuleiten war nicht zuletzt ein Verdienst des Kölner Erzbischofs Josef Frings (1887-1978), seit 1946 auch Kardinal, der seine Kollegen aus dem In- und Ausland ermuntert hatte an diesen Zeichen der Versöhnung mitzuwirken. Manche Formen von Verehrung, von Ritualen und Uniformen erscheinen uns heute pompös und übertrieben. Man muss jedoch wissen, dass vor 70 Jahren gerade in Köln, im "hillje Kölle" die Verehrung und Anerkennung der Autorität von Kirche und ihren Amtsträgern noch ungebrochen war. Außerdem gab die Kirche, so wie sie es zum Teil in den Zeiten der vorangegangenen Gewaltherrschaft getan hatte, den Menschen Halt in ihren Nöten, Ängsten, Hunger und Elend.

Politische Strukturen entwickelten sich gerade unter der Aufsicht der Alliierten, sie waren noch keine Größe, an der die Menschen sich orientieren konnten und so war es die Kirche, allen voran der von den Menschen bis zu seinem Tode hochverehrte Erzbischof Frings, die den Menschen Orientierung gaben und Mut zusprachen. Als Beispiel mag der seelsorgerliche Hinweis des Oberhirten im Jahre 1946 gelten, in dem Joseph Frings den Menschen gewissermaßen die Absolution gab, sich das was sie zum Leben brauchten, auch ohne Zahlung zu nehmen.

Vor diesem Hintergrund und der Zeit vor siebzig Jahren muss man auch die Auftritte des päpstlichen Legaten, des Kardinals Micara, sehen. Zu einer Zeit, da anders als heute, niemand daran dachte, dass ein Papst auf Reisen gehen könnte, war die Entsendung eines solchen Sonderbotschafters mit einer persönlichen Botschaft des Pontifex die höchste Ehre, die eine kirchliche Feier erhalten konnte.

Dass die Menschen dies alles zu schätzen wussten, dass sie Pomp und Prunk auch in den Zeiten der Not akzeptierten, lässt sich an der Masse der Teilnehmer erkennen. Bei der Prozession sollen ca. 500.000 Zuschauer zugegen gewesen sein, bei der großen Kundgebung im Stadion ca. 100.000. Und wenn man auf den Bildern von Walter Dick die Menschen und ihre Begeisterung sieht, die Menschen, die ernst und feierlich, neugierig aber auch fromm an den Festen teilnehmen, so muss man sagen, dass sie diese Festwoche und die internationale Aufmerksamkeit als Zeichen von Versöhnung und christlicher Brüderlichkeit erkannt und angenommen haben.

Zu erwähnen ist, dass der SPIEGEL der 700 Jahr-Feier eine Titelgeschichte gewidmet hat, die in ihrer Tendenz durchaus positiv zu sehen ist.