In einem Studio, Wallrafplatz, 50667 Köln - Altstadt-Nord (1963)
fotografiert von:
Walter Dick Walter Dick
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Album: Heinrich Böll, * 21. Dezember 1917

In einem Studio - Heinrich Böll, * 21. Dezember 1917

Wallrafplatz (50667 Altstadt-Nord)

Ferdinand Franz Wallraf ist eine der berühmtesten und einflussreichsten Persönlichkeiten in der Kölner Stadtgeschichte. Der 1748 geborene Wallraf  kann als Universalgenie bezeichnet werden. Neben der Theologie und Mathematik besaß er auch Professuren in der Botanik und Rhetorik. Mit 44 Jahren wurde er Priester und später Kanoniker an St. Maria im Kapitol und St. Aposteln. Vor der Schließung der Universität durch die französische Besatzer war er ihr letzter Rektor.

Wallraf war auch ein Sammler, dessen Augenmerk Allem galt, was für die Kölner Geschichte von Belang war. Seine stetig anwachsende Sammlung bildete die Grundlage für die Kunstmuseen Kölns.

Der nach ihm benannte Platz entstand 1830, sieben Jahre nach Wallrafs Tod und war eher ein Zufallsprodukt. Nachdem alte Gebäude abgerissen worden waren, um Platz für einen Neubau zu schaffen, fiel die nun freie Ansicht auf den Dom positiv auf. Die Pläne für den Neubau wurden fallen gelassen und die Bürger der Stadt bestimmten ihn zum "Wallraf`s-Platz". Heute findet sich auf dem Platz ein Denkmal für Kölns ersten Ehrenbürger und dahinter das Museum für Angewandte Kunst.


Diese Aufnahme entstand wohl bei einem Gespräch oder Interview in einem Rundfunkstudio möglicherweise beim WDR. Walter Dick hat sehr viel auch für den WDR gearbeitet. Bei Hörspielen, Interviews und anderen Sendungen entstanden Fotos zu Dokumentationszwecken, die der Westdeutsche Rundfunk in einem umgangreichen Archiv lagerte. Im Nachlass von Walter Dick befinden sich viele dieser Aufnahmen von Schauspielern un d Journalisten.

Es ist nicht bekannt, ob der WDR seine Fotos heute noch in Besitz hält. Möglicherweise hat man sich im Zuge von Sparmaßnahmen der letzten Jahre genauso davon getrennt, wie von vielen Kunstwerken, die im Besitz des WDR waren.

Weitere Fotos aus dem Album "Heinrich Böll, * 21. Dezember 1917"


 

Heinrich Böll wurde am 21. Dezember 1917 in Köln geboren. Er starb am 16. Juli 1985. Aus Anlass seines 100. Geburtstages hat Bilderbuch Köln aus dem Nachlass von Walter Dick eine Sammlung von Fotos des Schriftstellers und Nobelpreisträgers (1972) zusammengestellt. Über die Originale hinaus hat die Redaktion versucht, durch Bildausschnitte und Vergrößerungen eine Reihe von Portraits zu entwickeln.

Eine größere Serie von Fotos entstand anlässlich eines Besuchs des kürzlich verstorbenen russischen Schriftstellers Jewgeni Jewtuschenko (1932-2017) im Jahre 1963. Einige Fotos bei der Verleihung des Literaturpreises der Stadt Köln 1961 an Anette Kolb, bei der Heinrich Böll als Preisträger des Jahre 1959 anwesend war. Der Literaturpreis wurde ihm zu Ehren nach seinem Tode in "Heinrich Böll Preis der Stadt Köln" umbenannt.

Heinrich Böll war als Schriftsteller ein kritischer Begleiter der Nachkriegsgesellschaft in Deutschland. Insbesondere deren mehr als nachlässiger und verdrängender Umgang mit der Zeit von Terror und Gewaltherrschaft zwischen 1933 und 1945 war Thema seiner Werke. In den 70er Jahren befassten sich seine Romane und Essays mit der Art und Weise, wie der deutsche Staat mit tatsächlichen oder verdächtigten Sympathisanten des linken Spektrums und der RAF umging.

Heinrich Böll war schon seit Beginn der 60er Jahre um den Dialog mit den Staaten des Ostblocks bemüht, zu einer Zeit, in der das offizielle Deutschland nur die "rote Gefahr" aus dem Osten sah.

Heinrich Böll, Kölner von Geburt, war auch ein kritischer Begleiter der Entwicklungen seiner Heimatstadt in der Nachkriegszeit, in der nach den Zerstörungen des Krieges durch eine fehlgeleitete und oft arrogante Stadtplanung viele seit Jahrhunderten gewachsene Strukturen ohne Rücksicht zerstört wurden.

Nicht zuletzt war Heinrich Böll ein Friedenskämpfer, der sich in den Kampf gegen Nachrüstung und Nato Doppelbeschluss aktiv einbrachte.

Vielfach diskriminiert und vor Allem in den 70er Jahren der Sympathien und Unterstützung für die RAF-Terroristen verdächtigt, versagte er sich zum Ende seines Lebens mehr und mehr dem offiziellen Kunstbetrieb.

Auch wenn über seine Werke die Zeit heute ein wenig hinweggegangen zu sein scheint, bleibt er ein sehr wichtiger Protagonist deutscher Nachkriegsliteratur.

Ist der Ort der Aufnahme nicht erkennbar, so wurde als Straße die Hülchrather Straße in Neustadt-Nord deshalb gewählt, weil Heinrich Böll dort einige Jahre gewohnt hat.