Gülich Denkmal, Gülichplatz, 50667 Köln - Altstadt-Nord (1680)
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Harald Gerhards Harald Gerhards
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Album: Köln im Wandel der Zeit 1400-1800

Gülich Denkmal - Köln im Wandel der Zeit 1400-1800

Gülichplatz (50667 Altstadt-Nord)

Auf dem 272 m2 großen Platz stand im Mittelalter das Haus von Nikolaus Gülich. Der Manufakturkaufmann kämpfte schon damals gegen den "kölschen Klüngel" in der Stadtverwaltung. Nachdem man ihm später die gleichen Vorwürfe machte (Wahlbetrug, Ämterkauf und Veruntreuung öffentlicher Gelder), wurde er 1686 auf der Mülheimer Heide enthauptet. das Haus wurde eingerissen und der Platz durfte nicht mehr bebaut werden.

Die Stadt errichtete 1686 auf dem Gülichplatz zur Abschreckung eine Schandsäule mit dem Bronzeabguss von Gülichs Kopf, der von einem Schwert durchbohrt wird. Diese wurde in der französischen Besatzungszeit abgebrochen, Gülich wieder als Freiheitskämpfer verehrt. Heute steht an dieser Stelle der 1913 erschaffene Karnevalsbrunnen von Georg Grasegger, das Gülich-Haupt befindet sich im Stadtmuseum. Heute steht eine Figur von Nikolaus Gülich auf dem Rathausplatz.

Gegenüber befindet sich das Wallraf-Richartz-Museum. An den Gülichplatz grenzen die Gebäude von Haus Neuerburg, welches 1923 vom Architekten Emil Felix gebaut wurde. Heute ist hier das Standsamt der Stadt Köln untergebracht. Ursprünglich fertigte die Industriellen-Familie Neuerburg hier Zigaretten der Marke "Overstolz", benannt nach dem Patriziergeschlecht der Overstolzen.

Der Turm von Haus Neuerburg bietet einen wunderbaren Blick auf die Altstadt.

 


Stiche aus einer Graphiksammlung über Köln 1400-1800. Zur Verfügung gestellt von Harald Gerhards.

Der 1644 am Heumarkt geborene Leinwandhändler Nikolaus Gülich kämpfte jahrelang gegen die Missstände im Kölner Stadtregiment. Es setzte sich an die Spitze der vielen Unzufriedenen, die der Vetternwirtschaft, Amtsmissbrauch und Korruption ein Ende machen wollten, Am 6. September 1680 übergab er dem Rat eine Klageschrift über die Schlimmsten Auswüchse. Nach Überprüfung wurden die Bürgermeister der letzten Jahre und hohe Beamte von allen Ämtern ausgeschlossen und zu hohen Geldstrafen verurteilt. Im August 1682 wurde er dann von der bedrängten Obrigkeit gefangengenommen, musste aber auf Druck der Gaffeln wieder entlassen werden, 1683 erreichte er dann mit Unterstützung der Gaffeln die Auflösung des Rates und die Festnahme hoher Beamter. Ein prominentes Opfer war der Notar Gereon Hesselmann, der dann vom Schöffengericht zum Tode verurteilt wurde. Er stirbt am 12. August 1683 unter dem Schwert des Henkers. Gülich lässt sich danach zum Syndikus und juristischem Berater der Stadt ernennen, obwohl er keinerlei juristische Kenntnisse hatte. Beschwerden alter Mitglieder des Rates häufen sich beim kaiserlichen Hofe. Eine Kommission zur Klärung der Vorgänge wird eingerichtet. Gülich und seine engsten Mitarbeiter werden geladen, jedoch Gülich erscheint nicht. Am 25.Juni 1685 wird er daraufhin zum Landfriedensbrecher erklärt. Seine Sympathie unter den Anhängern schwindet, da auch die versprochenen Erfolge ausbleiben. Am 4. November wird er dann verhaftet und nach Düsseldorf gebracht. Als Hauptrebell und Rädelsführer wurde er dann am 23.Februar 1686 zum Tode durch das Schwert verurteilt und in der Mülheimer Heide hingerichtet. Es soll eine grausame Hinrichtung gewesen sein, da der Kopf nicht beim ersten Schlag fiel und dann abgeschnitten werden musste.** Über 100 Jahre soll dann eine „ Schandsäule „ die Bürger vor Aufständen gegen die Obrigkeit abschrecken. Das makabre Denkmal stand auf dem Grundstück des Hauses Gülich, das im Oktober 1686 abgerissen wurde. Erst nach der französischen Besetzung Kölns wurde die Säule beseitigt. Die Bronzearbeit befindet sich heute im Stadtmuseum Quelle: Chronik Köln von Carl Dietmar: **Allgemeiner Anzeiger vom 23.III.1879

Weitere Fotos aus dem Album "Köln im Wandel der Zeit 1400-1800"