Die Börse, Heumarkt, 50667 Köln - Altstadt-Nord (1844)
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Harald Gerhards Harald Gerhards
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Album: Köln im Wandel der Zeit 1800-1900

Die Börse - Köln im Wandel der Zeit 1800-1900

Heumarkt (50667 Altstadt-Nord)

Der heutige Heumarkt liegt in der nördlichen Altstadt zwischen Alter Markt und Deutzer Brücke in der Kölner Altstadt. Vom Rhein trennt ihn nur eine Häuserzeile, östlich schließt die Fußgängerzone „Gürzenichstraße“ an.

In der Römerzeit war der Heumarkt die versumpfte Südpartie des Römerhafens. Diese wurde im Mittelalter vom 11. bis zum 13. Jahrhundert trocken gelegt und die vorgelagerte Rheininsel aufgeschüttet, der Platz wandelte sich zu einem Ort des Handels. Da hauptsächlich Heu gehandelt wurde, erhielt der Platz den Namen „Heumarkt“. Die Bauern brachten das Heu aus dem Umland und verkauften es an die Städter, die damit überwiegend ihre Pferde fütterten. Neben Heu wurde auch Salz, Fleisch, Käse, Stoffe und Leder angeboten.

Mit dem aufkommenden Handel wurde viel Geld verdient, und so bauten Handwerker und Kaufleute rund um den Platz ihre Häuser. Schon im 11. Jahrhundert wurde am Heumarkt die erzbischöfliche Münze erbaut. Im 13. Jahrhundert  wurde das Leinwand-Kaufhaus errichtet, welches später zur Fleischhalle umgewandelt wurde. Auch das Metzgerzunfthaus und das Haus des Bürgermeisters Gerhardt Pilgrum (um 1540) standen am Heumarkt. 1727 wurde ein Börsengebäude errichtet, welches bis 1843 den Vorläufer der Kölner Waren- und Produktbörse beherbergte. Zur Zeit der Preußen wurde 1844 eine Hauptwache für 50 Soldaten und 50 gefangene gebaut. Diese wurde jedoch 1877 wieder abgerissen.

Das Theater des 18. Jahrhunderts stand seit 1757 auf dem Heumarkt. Dort lernte auch Casanova 1760 die Frau des damaligen Bürgermeisters kennen und lieben, ein Skandal im katholischen Köln. Auch Goethe verweilte häufiger auf dem Heumarkt. Anfang des 19. Jahrhunderts hatte der Kaufmann und Stadtrat Johann Jakob Nepomuk Lyversberg am Heumarkt die damals umfangreichste private Gemäldesammlung, die auch von Schinkel und Schopenhauer besucht wurde. 1848/49 betrieben Karl Marx und Friedrich Engels die Redaktionsräume ihrer neuen rheinischen Zeitung im Haus Heumarkt 65.

 

 

 

 

 

 

Bis 1885 fand auf dem Heumarkt der jährliche Weihnachtsmarkt in den typischen Holzbuden statt. Die Bezeichnung „Hötte“ (für die Holzhütten) prägte den Spruch, „en de Hötte gehe“. Seit 2005 ist einer (der vielen) Kölner Weihnachtsmärkte wieder auf dem Heumarkt beheimatet.

Die historischen Handelshäuser wurden im 2. Weltkrieg wie fast die ganze Altstadt gründlich zerstört. Heute noch zu sehen ist das Spätrenaissance-Haus „Zum St. Peter“ am Heumarkt 77 (früher Unter Hutmacher 31) oder das Haus zur Timpe am Heumarkt 25. Zum St. Peter wurde 1568 erbaut für den Ratsherrn und Weinmeister Wilhelm Peter Terlaen von Lennep. Sein Sohn Johan Terlaen war in dieser Zeit acht mal Bürgermeister der Stadt.

Ansonsten bestimmt Gastronomie mit Außenterassen das Bild. Für Veranstaltungen, Konzerte und als Fanmeile bei Sportereignissen wird der Heumarkt heute genutzt. Der ursprünglich viel größere Platz wurde mit der Erbauung der Deutzer Brücke durch deren Zufahrt geteilt. Auf dem südlichen Teil steht heute das Maritim-Hotel.
Nah an der Abfahrt der Deutzer Brücke steht das Kolossaldenkmal für Friedrich Wilhelm III. von Preußen, geschaffen von Gustav Blaeser im Jahre 1874. Blaeser starb während der Erschaffung, so dass das Denkmal von den Berliner Bildhauern Alexander Calandrelli und Rudolf Schweinitz vollendet wurde.

Es wurde in den vergangenen Jahren immer wieder kontrovers diskutiert, ob das im Nationalstolz des 19. Jahrhunderts geschaffene Reiterdenkmal das Preußentum verherrlicht, welches die Kölner nie gewollt hatten. Darüber wurde die dringend notwendige Restaurierung immer wieder aufgeschoben.
Der Oberbürgermeister Fritz Schramma bezeichnete den Heumarkt als einen der schönsten Plätze Europas. Auch wenn das heute sicher etwas dick auftragen ist, hat der Heumarkt gerade in den warmen Monaten eine große Anziehungskraft auf Einheimische und Touristen und hatte zumindest im 17. Jahrhundert diesen Ruf. Zu dieser Zeit wurde er von dem englischen Reisenden Coryat mit dem Markusplatz in Venedig verglichen.
Ende der 90er Jahre wurde der Platz umgestaltet und u.a. eine Tiefgarage mit 460 Plätzen angelegt. Deren gläserne Eingänge bestimmen heute den zentralen Platz mit seinem Kopfsteinpflaster.

 
     


Straßen und Plätze                          Sammlung Scheiner

Foto Nr.:84331

  Foto Nr.:463565

Stiche aus einer Graphiksammlung über Köln bis 1900. Zur Verfügung gestellt von Harald Gerhards. Das Album zeigt Bilder (Graphiken) von wichtigen Gebäuden und Plätzen unsere Stadt zwischen 1800 und 1900.

Zusammenfassungen und Detailangaben sind u.a. in folgen Sammlungen und Alben :

Tore und Befestigungen Kirchen Rathaus
Foto Nr.:54355

Denkmäler und Brunnen Der Dom Öffentliche Plätze

 

Gründung der Börse 1553, als erste in Deutschland überhaupt.1566 Einzug in das Haus „ Zum Bolz „ in der Bolzengasse (von den französischen Besatzungstruppen später „Rue hanséatique“ genannt und ab 1580 an den Heumarkt; Hier war lediglich ein erhöhtes, gepflastertes Rondell mit Zaun.1644 bescherten sich die Börsenbesucher, dass sie bei Viehmärkten dort vom Rindvieh belästigt werden. Der Börsenbetrieb wurde aber in dieser Zeit als sehr schwach beschrieben. Napoleon versuchte dann mit Dekret vom 4. November 1811 Besserung herzustellen, hatte aber auch hier wenig Erfolg. Das um 1730 auf dem Heumarkt erstellt Gebäude für die Börse sollte dann 1817 zur Verschönerung des Platzes abgerissen werden. Durch Umgestaltung und Verschönerung konnte es jedoch erhalten bleiben und am 1.10 1820 fand eine feierliche Neueröffnung statt. Bedingt durch den zunehmenden Börsenhandel war ein neues Domizil dann erforderlich. Ausgesucht wurde 1843 das Overstolzenhaus / Tempelhaus, auch > Tempelhaus genannt in der Rheingasse. Vom 22. September bis 9.August 1855 wurde vormittags- bei einer gemütlichen Tasse Kaffee- hier gehandelt* Aber auch diese Räume wurden bald zu klein. Mit der Stadt wurde 1873 über die Nutzung des Erdgeschosses im Gürzenich verhandelt. Nach einem Umbau konnte am 18.Oktober 1875 die Börse im Gürzenich übergeben werden.> Gürzenich. In dem Haus auf dem Heumarkt entstand ein Cafehaus, welches wie auch die Hauptwache 1877 abgerissen wurde • Quelle: Kölner Zeitung vom 18.Oktober 1875

Weitere Fotos aus dem Album " Köln im Wandel der Zeit 1800-1900"