Der " Kölsche Boor" vor dem Gürzenich, Gürzenichstr., 50667 Köln - Altstadt-Nord (1915)
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Harald Gerhards Harald Gerhards
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Album: Köln ab 1900

Köln ab 1900 : Der " Kölsche Boor" vor dem Gürzenich

Gürzenichstr. (50667 Altstadt-Nord)

Um für die 1915 errichtete Hängebrücke eine angemessene Brückenzufahrt zu schaffen, riss man an der Südseite des Gürzenichs eine Häuserzeile ein. Somit war die Gürzenichstraße geschaffen. 

Der Gürzenich wurde als zweigeschossiger Bau zwischen 1441-1447 errichtet und sollte als "Rathes Tantzhaus" dienen. Seinen Namen erhielt der Bau von seinen einstigen Grundstückbesitzern, dem Landadelsgeschlecht der Herren von Gürzenich. Mit dem Gürzenich verfügte die Stadt über ein Tanzhaus, dass für Empfänge der Zeit angemessen war. Bald ließen sich hohe Würdenträger wie die Kaiser Friedrich III., Karl V. oder Maximilian I. als Gäste verzeichnen. Und auch im weiteren Lauf der Geschichte mangelte es nicht an Prominenz. Queen Victoria von England, Johannes Schoppenhauer, Guiseppe Verdi, Friedrich Nitzche und Karl Marx sind nur einige der Namen, die hier zu nennen wären.

Neben Tanz und Kulturveranstaltungen diente der Bau auch als politischer Versammlungsort verschiedenster Gruppen. Der heutige Gürzenich ist ein Neubau, da der ursprüngliche Bau im Zweiten Weltkrieg zerstört worden war.

Die Gürzenichstraße, die ja als Brückenauffahrt geplant war hat diese Bestimmung indes nicht ausgeführt. Sie erfolgt von der Pipin- und Augustinerstraße aus über den Heumarkt.


Am 20.Juni 1915 wird der „ Kölsche Boor“, eine 3,50 m hohe Lindenholzfigur im Beisein der Prinzessin Victoria vom Oberbürgermeister Max Wallraf seiner Bestimmung übergeben. Die Figur, ein Symbol kölnischer Willensstärke, soll zugunsten von Kölner Kriegswitwen und Kriegswaisen eine eiserne Rüstung aus Nägeln erhalten. Jeder, der einen Nagel in das Holz schlagen will, muss mindestens eine Mark für den wohltätigen Zweck spenden. Schon bald ist die ursprünglich goldlackierte Figur über und über mit Nägeln gespickt. Bis Kriegsende kommen durch die Benagelung 1,6 Mio. Mark zusammen. Später wir der „ Kölsche Boor en Iser „als Ausdruck kaisertreuer Kriegsbegeisterung in den Börsensaal des Gürzenich „ verbannt“ Quelle: Die Chronik Kölns von Carl Dietmar In einem Gedicht von Johanna Konen heißt es: Mitternachtsspuk am Gürzenich Mitternacht schlägt es am Gürzenich Da regt sich der Bauer und rüttelt sich, Reckt seine Glieder und reibt sich die Händ Und steigt hernieder vom Postament. Und dann- ja, ist er denn nicht gescheit ? Zählt er die Nägel an seinem Kleid Und brummt und wettert, wie er zählt; „ Hück han se widder zo winnig genält“ Dann stellt er sich wieder in Positur Und macht, wie gewöhnlich, gute Figur- Ob noch so viele am Tage auch schmieden, der Bauer ist keine Nacht zufrieden. Und immer wieder finster und stumm Schaut er hinab auf das Publikum Doch wenn einst kein einziger Nagel mehr fehlt, Die blinkende Wehr ist von Eisen gestählt, Dann steigt er hernieder im Mondenlicht Und Zählt-und lacht übers ganze Gesicht. Holzstich

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