Der Kölsche Boor in Eisen, Gürzenichstr., 50667 Köln - Altstadt-Nord (1915)
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Der Kölsche Boor in Eisen

Gürzenichstr. (50667 Altstadt-Nord)

Um für die 1915 errichtete Hängebrücke eine angemessene Brückenzufahrt zu schaffen, riss man an der Südseite des Gürzenichs eine Häuserzeile ein. Somit war die Gürzenichstraße geschaffen. 

Der Gürzenich wurde als zweigeschossiger Bau zwischen 1441-1447 errichtet und sollte als "Rathes Tantzhaus" dienen. Seinen Namen erhielt der Bau von seinen einstigen Grundstückbesitzern, dem Landadelsgeschlecht der Herren von Gürzenich. Mit dem Gürzenich verfügte die Stadt über ein Tanzhaus, dass für Empfänge der Zeit angemessen war. Bald ließen sich hohe Würdenträger wie die Kaiser Friedrich III., Karl V. oder Maximilian I. als Gäste verzeichnen. Und auch im weiteren Lauf der Geschichte mangelte es nicht an Prominenz. Queen Victoria von England, Johannes Schoppenhauer, Guiseppe Verdi, Friedrich Nitzche und Karl Marx sind nur einige der Namen, die hier zu nennen wären.

Neben Tanz und Kulturveranstaltungen diente der Bau auch als politischer Versammlungsort verschiedenster Gruppen. Der heutige Gürzenich ist ein Neubau, da der ursprüngliche Bau im Zweiten Weltkrieg zerstört worden war.

Die Gürzenichstraße, die ja als Brückenauffahrt geplant war hat diese Bestimmung indes nicht ausgeführt. Sie erfolgt von der Pipin- und Augustinerstraße aus über den Heumarkt.


Die Figur unter dem Baldachin war eine Holzfigur, die während des ersten Weltkrieges von dem österreichischen Bildhauer Wolfgang Wallner (1884-1964) geschaffen worden war. In diese Holzfigur konnte man gegen eine Spende von mindestens einer Mark einen Nagel einschlagen. Auf diese Weise wurde aus der Holzfigur der "Kölsche Boor en Iser" und es wurden ca. 1,6 Mio. Golödmark aufgebracht, die der Unterstützung von Kölne Kriegerwitwen und - waisen dienten.

Wolfgang Wallner, der Schöpfer der Figur, war Österreicher. Er lehrte ab 1912 Bildhauerei an den Kölner Werkschulen und war nach dem zweiten Weltkriege kurzzeitig deren Leiter. Für den Wiederaufbau des Gürzenich nach 1950 schuf er nochmals eine Skulptur: Tünnes und Schäl aus Holz, in die man wie im ersten Weltkriege gegen eine Spende einen Nagel einschlagen durfte. Diesmal waren die Spenden für den Wiederaufbau des Gürzenich bestimmt.

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monika h  sagt: "2009?"

ist das datum des bilduploads. das datum des bildentstehens ist wohl eher 1909. nichtsdestotrotz: es gefällt mir sehr gut.

Geschrieben: vor fast 8 Jahre