Das bevölkerte Reiterdenkmal, Heumarkt, 50667 Köln - Altstadt-Nord (1948)
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Walter Dick Walter Dick
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Album: 700 Jahrfeier Kölner Dom 1948

700 Jahrfeier Kölner Dom 1948 : Das bevölkerte Reiterdenkmal

Heumarkt (50667 Altstadt-Nord)

Der heutige Heumarkt liegt in der nördlichen Altstadt zwischen Alter Markt und Deutzer Brücke in der Kölner Altstadt. Vom Rhein trennt ihn nur eine Häuserzeile, östlich schließt die Fußgängerzone „Gürzenichstraße“ an.

In der Römerzeit war der Heumarkt die versumpfte Südpartie des Römerhafens. Diese wurde im Mittelalter vom 11. bis zum 13. Jahrhundert trocken gelegt und die vorgelagerte Rheininsel aufgeschüttet, der Platz wandelte sich zu einem Ort des Handels. Da hauptsächlich Heu gehandelt wurde, erhielt der Platz den Namen „Heumarkt“. Die Bauern brachten das Heu aus dem Umland und verkauften es an die Städter, die damit überwiegend ihre Pferde fütterten. Neben Heu wurde auch Salz, Fleisch, Käse, Stoffe und Leder angeboten.

Mit dem aufkommenden Handel wurde viel Geld verdient, und so bauten Handwerker und Kaufleute rund um den Platz ihre Häuser. Schon im 11. Jahrhundert wurde am Heumarkt die erzbischöfliche Münze erbaut. Im 13. Jahrhundert  wurde das Leinwand-Kaufhaus errichtet, welches später zur Fleischhalle umgewandelt wurde. Auch das Metzgerzunfthaus und das Haus des Bürgermeisters Gerhardt Pilgrum (um 1540) standen am Heumarkt. 1727 wurde ein Börsengebäude errichtet, welches bis 1843 den Vorläufer der Kölner Waren- und Produktbörse beherbergte. Zur Zeit der Preußen wurde 1844 eine Hauptwache für 50 Soldaten und 50 gefangene gebaut. Diese wurde jedoch 1877 wieder abgerissen.

Das Theater des 18. Jahrhunderts stand seit 1757 auf dem Heumarkt. Dort lernte auch Casanova 1760 die Frau des damaligen Bürgermeisters kennen und lieben, ein Skandal im katholischen Köln. Auch Goethe verweilte häufiger auf dem Heumarkt. Anfang des 19. Jahrhunderts hatte der Kaufmann und Stadtrat Johann Jakob Nepomuk Lyversberg am Heumarkt die damals umfangreichste private Gemäldesammlung, die auch von Schinkel und Schopenhauer besucht wurde. 1848/49 betrieben Karl Marx und Friedrich Engels die Redaktionsräume ihrer neuen rheinischen Zeitung im Haus Heumarkt 65.

 

 

 

 

 

 

Bis 1885 fand auf dem Heumarkt der jährliche Weihnachtsmarkt in den typischen Holzbuden statt. Die Bezeichnung „Hötte“ (für die Holzhütten) prägte den Spruch, „en de Hötte gehe“. Seit 2005 ist einer (der vielen) Kölner Weihnachtsmärkte wieder auf dem Heumarkt beheimatet.

Die historischen Handelshäuser wurden im 2. Weltkrieg wie fast die ganze Altstadt gründlich zerstört. Heute noch zu sehen ist das Spätrenaissance-Haus „Zum St. Peter“ am Heumarkt 77 (früher Unter Hutmacher 31) oder das Haus zur Timpe am Heumarkt 25. Zum St. Peter wurde 1568 erbaut für den Ratsherrn und Weinmeister Wilhelm Peter Terlaen von Lennep. Sein Sohn Johan Terlaen war in dieser Zeit acht mal Bürgermeister der Stadt.

Ansonsten bestimmt Gastronomie mit Außenterassen das Bild. Für Veranstaltungen, Konzerte und als Fanmeile bei Sportereignissen wird der Heumarkt heute genutzt. Der ursprünglich viel größere Platz wurde mit der Erbauung der Deutzer Brücke durch deren Zufahrt geteilt. Auf dem südlichen Teil steht heute das Maritim-Hotel.
Nah an der Abfahrt der Deutzer Brücke steht das Kolossaldenkmal für Friedrich Wilhelm III. von Preußen, geschaffen von Gustav Blaeser im Jahre 1874. Blaeser starb während der Erschaffung, so dass das Denkmal von den Berliner Bildhauern Alexander Calandrelli und Rudolf Schweinitz vollendet wurde.

Es wurde in den vergangenen Jahren immer wieder kontrovers diskutiert, ob das im Nationalstolz des 19. Jahrhunderts geschaffene Reiterdenkmal das Preußentum verherrlicht, welches die Kölner nie gewollt hatten. Darüber wurde die dringend notwendige Restaurierung immer wieder aufgeschoben.
Der Oberbürgermeister Fritz Schramma bezeichnete den Heumarkt als einen der schönsten Plätze Europas. Auch wenn das heute sicher etwas dick auftragen ist, hat der Heumarkt gerade in den warmen Monaten eine große Anziehungskraft auf Einheimische und Touristen und hatte zumindest im 17. Jahrhundert diesen Ruf. Zu dieser Zeit wurde er von dem englischen Reisenden Coryat mit dem Markusplatz in Venedig verglichen.
Ende der 90er Jahre wurde der Platz umgestaltet und u.a. eine Tiefgarage mit 460 Plätzen angelegt. Deren gläserne Eingänge bestimmen heute den zentralen Platz mit seinem Kopfsteinpflaster.

 
     


Weitere Fotos aus dem Album "700 Jahrfeier Kölner Dom 1948"


Am 16. August 1948 begann die Festwoche zur 700 Jahr-Feier des Kölner Doms. Am 15. August 1248 hatte der Kölner Erzbischof Konrad von Hochstaden (1205-1261) den Grundstein zur gotischen Kathedrale gelegt.

Die Feiern zum Domjubiläum fanden als Höhepunkt eine feierliche Prozession durch die Stadt, bei der nicht nur das Allerheiligste in der Monstranz durch die Ruinen der zerstörten Stadt getragen wurde, sondern auch neun verschiedene Schreine allen voran der Dreikönigenschrein aus dem Dom und Kölner Kirchen, erstmals wieder der Bevölkerung gezeigt werden konnten, wurden durch die Stadt gefahren. Bemerkenswert und von den Menschen besonders beachtet war die Teilnahme zahlreicher ausländischer Bischöfe und Ehrengäste, die, drei Jahre nach dem Ende von Gewaltherrschaft und Krieg, den Weg zu den Feiern gefunden hatten. Gerade dies war für die Menschen in ihren Sorgen und Nöten, ihrer Armut, ihrem Hunger und Elend ein erfreuliches Zeichen, dass aus dem Ausland, aus den Ländern der früheren Feinde, aus  den von deutschen Truppen bekämpften und besetzten Ländern durch den Besuch in Köln ein Beginn von Versöhnung, von neuer christlicher Brüderlichkeit dokumentiert wurde.

Diese Schritte einzuleiten war nicht zuletzt ein Verdienst des Kölner Erzbischofs Josef Frings (1887-1978), seit 1946 auch Kardinal, der seine Kollegen aus dem In- und Ausland ermuntert hatte an diesen Zeichen der Versöhnung mitzuwirken. Manche Formen von Verehrung, von Ritualen und Uniformen erscheinen uns heute pompös und übertrieben. Man muss jedoch wissen, dass vor 70 Jahren gerade in Köln, im "hillje Kölle" die Verehrung und Anerkennung der Autorität von Kirche und ihren Amtsträgern noch ungebrochen war. Außerdem gab die Kirche, so wie sie es zum Teil in den Zeiten der vorangegangenen Gewaltherrschaft getan hatte, den Menschen Halt in ihren Nöten, Ängsten, Hunger und Elend.

Politische Strukturen entwickelten sich gerade unter der Aufsicht der Alliierten, sie waren noch keine Größe, an der die Menschen sich orientieren konnten und so war es die Kirche, allen voran der von den Menschen bis zu seinem Tode hochverehrte Erzbischof Frings, die den Menschen Orientierung gaben und Mut zusprachen. Als Beispiel mag der seelsorgerliche Hinweis des Oberhirten im Jahre 1946 gelten, in dem Joseph Frings den Menschen gewissermaßen die Absolution gab, sich das was sie zum Leben brauchten, auch ohne Zahlung zu nehmen.

Vor diesem Hintergrund und der Zeit vor siebzig Jahren muss man auch die Auftritte des päpstlichen Legaten, des Kardinals Micara, sehen. Zu einer Zeit, da anders als heute, niemand daran dachte, dass ein Papst auf Reisen gehen könnte, war die Entsendung eines solchen Sonderbotschafters mit einer persönlichen Botschaft des Pontifex die höchste Ehre, die eine kirchliche Feier erhalten konnte.

Dass die Menschen dies alles zu schätzen wussten, dass sie Pomp und Prunk auch in den Zeiten der Not akzeptierten, lässt sich an der Masse der Teilnehmer erkennen. Bei der Prozession sollen ca. 500.000 Zuschauer zugegen gewesen sein, bei der großen Kundgebung im Stadion ca. 100.000. Und wenn man auf den Bildern von Walter Dick die Menschen und ihre Begeisterung sieht, die Menschen, die ernst und feierlich, neugierig aber auch fromm an den Festen teilnehmen, so muss man sagen, dass sie diese Festwoche und die internationale Aufmerksamkeit als Zeichen von Versöhnung und christlicher Brüderlichkeit erkannt und angenommen haben.

Zu erwähnen ist, dass der SPIEGEL der 700 Jahr-Feier eine Titelgeschichte gewidmet hat, die in ihrer Tendenz durchaus positiv zu sehen ist.