Bastei, Konrad-Adenauer-Ufer 80, 50668 Köln - Altstadt-Nord (2010)
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Gerhard Krause Gerhard Krause
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Album: Köln - Altstadt-Nord

Köln - Altstadt-Nord : Bastei

Konrad-Adenauer-Ufer 80 (50668 Altstadt-Nord)

Das Konrad-Adenauer-Ufer verbindet die Trankgasse (Altstadt-Nord) mit der Frohngasse. Seinen Namen hat der Uferabschnitt von Konrad Adenauer (1876-1967), gebürtiger Kölner und von 1917-1933 Kölner Oberbürgermeister. Nach Absetzung und Verfolgung durch die Nationalsozialisten wurde er 1949 erster Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland und blieb es bis 1963. Seit 1951 ist er Ehrenbürger Kölns, eine Skulptur befindet sich am Ratsturm, ein Denkmal an St. Aposteln. Als bedeutender Deutscher wurde Konrad Adenauer in der Walhalla verewigt.


Die Bastei am Kölner Rheinufer in Neustadt-Nord entstand in den Jahren 1923-1924 nach Plänen von Wilhelm Riphahn (1889-1963, auch Riphan). Der vornehmlich in Köln tätige Architekt veränderte die Bastei 1927 und war ebenso 1958 für ihren Wiederaufbau nach erlittenen Kriegsschäden verantwortlich. Bereits 1932 wünschte sich Joachim Ringelnatz in einem Gedicht, die Bastei möge sich doch „jetzt karussellartig drehen“ (was jedoch trotz aller Innovationen des Restaurantgebäudes nicht funktioniert). Über die Nutzung der Bastei durch den Kölner „Gastronomie-Zar“ Hans Herbert Blatzheim ab 1958 ergab sich eine verwandtschaftliche Beziehung zu der international bekannten Schauspielerin Romy Schneider (u.a. „Sissi“, „Das Mädchen und der Kommissar“, „Die Spaziergängerin von Sans-Souci“). Baugeschichte Das Restaurantgebäude der Bastei wurde von Wilhelm Riphahn auf dem Überrest einer früheren Kaponniere der ab 1881 geschleiften inneren Wallanlage der preußischen Festungsstadt Köln errichtet. Als Kaponniere (auch französisch Caponnière) wird ein massiv gemauerter Verteidigungsgang oder -raum einer Befestigung bezeichnet; die Rheinbastion am Elisabeth-Treskow-Platz ist als ebenfalls umgenutztes Gegenstück zur Bastei am südlichen Ende der preußischen Wallanlage erhalten. Hemmte der Festungsgürtel des ab 1815 preußischen Köln noch die Expansion der Stadt, kehrte sich dies mit dessen Schleifung und dem Abbruch der mittelalterlichen Stadtmauer ab 1881 ins Gegenteil um – die Neustadt entstand (HbHistSt NRW 2006, S. 580 u. 583). Um 1891 wurde der Bereich der früheren Kaponniere als Eckpfeiler der Rheinbefestigung umgestaltet. Nachdem dessen oberer Teil 1911 abgetragen wurde, nutzte man den Unterbau als Aussichtsplattform. Auf dieser errichtete Riphahn seinen Restaurantbau. Baubeschreibung und spätere Veränderungen Das in leichtem Stahlbau ausgeführte Panorama-Restaurant im expressionistischen Stil ragt zum Rheinufer hin acht Meter über den Turmstumpf hinaus und vermittelt damit den Eindruck einer „schwebenden Plattform“. Das gezackte Dach wird zentral durch eine innen offene Spitzhaube gekrönt. Wilhelm Riphahn schuf durch die Aushöhlung der vormals meterdicken Turmmauern über drei Geschosse hin Platz für „einen Weinkeller, Vorratsräume, Büros und Toiletten (…), zudem für ein doppelläufiges Treppenhaus über kreisförmigem Grundriss“ womit  die Restaurantebene im Hauptgeschoss „von sekundären Funktionen befreit werden konnte“. Die Restaurantplattform selbst wird durch radial angeordnete Stahlträger gestützt (von der Uferpromenade aus deutlich erkennbar), das Zentrum des Gastraums bildet eine auf Pfeilern ruhende zeltartige Gewölbestruktur. Die Küche befindet sich in einem rechteckigen, zur Straße hin orientierten Vorbau (nach deu.archinform.net, Restaurant Bastei). Das spektakuläre Aussichtsrestaurant mit einer Nutzfläche von 300 Quadratmetern und einer Kapazität von 200 Personen wurde zum 22. Oktober 1924 eröffnet. Die gewagte Architektur war bei den Kölnern zunächst nicht unumstritten, „gab es doch Befürchtungen, dass die Stadtsilhouette negativ beeinflusst werden könnte“ (de.wikipedia.org, Bastei Köln), vor allem befürchtete man eine Beeinträchtigung des freien Blicks zum Dom. Nach der Fertigstellung war man hingegen durchweg begeistert und namentlich der Architekturkritiker Heinrich de Fries (1887-1938) äußerte sich 1926 zu dem Bauwerk, dass dieses sich „mit der Landschaft, dem Strom und den Brücken vermähle, fast völlig befreit scheinbar von der Basis, aus der es doch entwachsen ist“. Auch heute noch wird Riphahns Restaurant eine „Tendenz zur Versachlichung und Verknappung der Form“ attestiert, mit der es „an der Schwelle zwischen Expressionismus und Funktionalismus“ als eine „ gelungene Kombination von neu und alt“ steht (deu.archinform.net, Restaurant Bastei). Die Bastei, mit der dem Architekten Riphahn letztlich sein stilistischer und beruflicher Durchbruch gelang, wurde bereits 1927 von diesem nochmals verändert: Die einen halbkreisförmigen Sitzbereich im Inneren umgebende offene Außenterrasse musste aufgrund der unwirtlichen Windverhältnisse bereits kurz nach der Eröffnung geschlossen werden, weswegen Riphahn die zuvor offene Glasbrüstung durch eine geschlossenere Außenverglasung mit prismatisch angeordneten Scheiben ersetzen ließ. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Bastei 1943 stark zerstört. Der ausgebrannte Bau wurde erst 1958 – erneut durch Wilhelm Riphahn – in dem Zustand von 1927 wiederhergestellt. Hierbei wurde der beleuchtete Dreizack auf der Dachspitze ergänzt. Im Jahr 1985 erfolgte eine grundlegende Sanierung des Bauwerkes, bei der durch den Betreiber rund 1,5 Millionen DM in die Erneuerung von Fenstern, Dach und Belüftung investiert wurden. Die Bastei unter dem „Gastronomie-Zar“ Blatzheim Seit 1958 gehörte die einst als „Tempel der Gourmets“ sogar mit einem Michelin-Stern ausgezeichnete Bastei zu den Betrieben des seit 1927 in der Kölner Gastronomiebranche tätigen Unternehmers Hans Herbert Blatzheim (1905-1968), genannt „HHB“. Die Bekanntheit des ohnehin als schillernd geltenden „Kölner Gastronomie-Zars“ steigerte sich nochmals durch seine am 11. Dezember 1953 geschlossene zweite Ehe mit der bekannten deutschen Schauspielerin Magda Schneider (1909-1996). Die Tochter Schneiders aus deren ebenfalls erster Ehe mit dem österreichischen Schauspieler Wolf Albach-Retty (1906-1967) war die nur wenige Monate später durch die „Sissi“-Filmtrilogie von 1954-1956 zu internationalem Ruhm aufsteigende Romy Schneider (1938-1982, eigentlich Rosemarie Magdalena Albach). Blatzheim, der durch seine Heirat Romys Stiefvater wurde und von ihr publikumswirksam „Daddy“ genannt wurde, übernahm bis zum späteren Zerwürfnis mit ihr auch das Management der ungemein populären Jungschauspielerin. Er verstand es geschickt, Magda und Romy Schneider für seine etwa 80 Gastronomiebetriebe in ganz Westeuropa medienwirksam einzusetzen. So war Romy Schneider auch in Köln häufig bei Feierlichkeiten oder Restauranteröffnungen von „HHB“ präsent. Zu Blatzheims Konzern gehörten zu dessen Blütezeiten unter anderem in Köln das „Charlott“ in der Brückenstraße, das „Café Wien“ am Hohenzollernring, das Gartenlokal „Rheinterrassen“ mit 3.000 Plätzen in Rodenkirchen, der „Kaiserhof“ (mit Varieté, „Königin-Bar“ und „Theater Kaiserhof“), das volkstümliche Varieté „Der Burghof“, das Großvarieté „Groß-Köln“, die Riehler „Zoo-Terrassen“, das Abendrestaurant „Atelier“ am Hohenzollernring, das Hotel „Bellevue“ in Rodenkirchen und das Kölner Capitol-Kino am Hohenzollernring. Daneben führte „HHB“ die Barbetriebe „Crazy Club“, die „Tabu“-Kette, die „Eve-Bars“ (in Köln die spätere „Starlight-Bar“ und danach Feinschmecker-Lokal „Thai“), die Nachtklubs „Black Horse“ und das Kölner „P 7“ (später spanisches Restaurant „ei Toro“), ferner die Restaurantbetriebe in der Bonner Beethovenhalle und im Kölner „Gürzenich“. In „Daddys“ Diensten standen – seinerzeit noch als Türsteher – die späteren Kölner Rotlicht-Größen „Schäfers Nas“ (Heinrich Schäfer, 1936-1997) und „Dummse Tünn“ (Anton Dumm, *1938), die später durch ihre kriminellen Aktivitäten in der Unterwelt der Domstadt zu Reichtum und zweifelhaftem Ruhm kamen (Müller / Mueller 2011, S. 19-20). „Nach seinem Tod stellte sich heraus, dass Blatzheim rund 1,2 Millionen Schweizer Franken vom Vermögen Romy Schneiders veruntreut hatte, um seine Unternehmen vor dem Bankrott zu retten.“ (de.wikipedia.org, Blatzheim)

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