Auf dem Weg in den Gürzenich, Gürzenichstr., 50667 Köln - Altstadt-Nord (1956)
fotografiert von:
Walter Dick Walter Dick
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Album: Feierstunde im Gürzenich

Feierstunde im Gürzenich : Auf dem Weg in den Gürzenich

Gürzenichstr. (50667 Altstadt-Nord)

Um für die 1915 errichtete Hängebrücke eine angemessene Brückenzufahrt zu schaffen, riss man an der Südseite des Gürzenichs eine Häuserzeile ein. Somit war die Gürzenichstraße geschaffen. 

Der Gürzenich wurde als zweigeschossiger Bau zwischen 1441-1447 errichtet und sollte als "Rathes Tantzhaus" dienen. Seinen Namen erhielt der Bau von seinen einstigen Grundstückbesitzern, dem Landadelsgeschlecht der Herren von Gürzenich. Mit dem Gürzenich verfügte die Stadt über ein Tanzhaus, dass für Empfänge der Zeit angemessen war. Bald ließen sich hohe Würdenträger wie die Kaiser Friedrich III., Karl V. oder Maximilian I. als Gäste verzeichnen. Und auch im weiteren Lauf der Geschichte mangelte es nicht an Prominenz. Queen Victoria von England, Johannes Schoppenhauer, Guiseppe Verdi, Friedrich Nitzche und Karl Marx sind nur einige der Namen, die hier zu nennen wären.

Neben Tanz und Kulturveranstaltungen diente der Bau auch als politischer Versammlungsort verschiedenster Gruppen. Der heutige Gürzenich ist ein Neubau, da der ursprüngliche Bau im Zweiten Weltkrieg zerstört worden war.

Die Gürzenichstraße, die ja als Brückenauffahrt geplant war hat diese Bestimmung indes nicht ausgeführt. Sie erfolgt von der Pipin- und Augustinerstraße aus über den Heumarkt.


Es ist nicht ganz klar, was der Anlass für die festliche Feier im Gürzenich war, die Walter Dick fotografiert hat. Jedenfalls trafen sich die Spitzen der Stadt mit Bundeskanzler Konrad Adenauer und seiner Familie. Möglich ist, dass es sich um eine Geburtstagsfeier für den Kanzler handelte. Der "Alte aus Rhöndorf", wie Adenauer oft nicht ohne Hochachtung genannt wurde, war am  5.Januar 1956 80 Jahre alt geworden und vielleicht hatte die Stadt Köln aus diesem Anlass den ehemaligen Oberbürgermeister und Ehrenbürger in die wiederaufgebaute "gute Stube" der Stadt zu einer ehrenden Feier eingeladen. 

Jedenfalls waren die Honoratioren "stief staats", formell gekleidet, teilweise mit Cut und gestreiften Hosen in den Gürzenich gekommen, um mit dem hohen Herrn zu feiern.

Für den möglichen Termin, Anfang Januar 1956, spricht die Tatsache, dass Ernst Schwering noch Oberbürgermeister war, wie man an der Amtskette erkennen kann. Er wurde erst nach der Kommunalwahl im Herbst 1956 am 9. November 1956 von Theo Burauen abgelöst.

Die Möglichkeit, dass es sich um die feierliche Eröffnung des wiederaufgebauten Gürzenich handeln könnte, besteht nicht, da an dieser Feier der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Karl Arnold teilnahm, der aber auf den vorliegenden Fotos nicht zu sehen ist.

Sollte jemand eine andere Information haben, so bitten wir um Mitteilung.

Konrad Adenauer betritt den großen Saal des Gürzenich in Begleitung des Oberbürgermeisters Ernst Schwering, des Erzbischofs, Kardinal Josef Frings und seines Sohnes Max Adenauer,der zu diesem Zeitpunkt Oberstadtdirektor in Köln war.

Weitere Fotos aus dem Album "Feierstunde im Gürzenich"