Handel und Wandel auf dem Heumarkt, Heumarkt 1, 50667 Köln - Altstadt-Nord (1900)
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Ulrich Hermanns Ulrich Hermanns
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Handel und Wandel auf dem Heumarkt

Heumarkt 1 (50667 Altstadt-Nord)

Der heutige Heumarkt liegt in der nördlichen Altstadt zwischen Alter Markt und Deutzer Brücke in der Kölner Altstadt. Vom Rhein trennt ihn nur eine Häuserzeile, östlich schließt die Fußgängerzone „Gürzenichstraße“ an.

In der Römerzeit war der Heumarkt die versumpfte Südpartie des Römerhafens. Diese wurde im Mittelalter vom 11. bis zum 13. Jahrhundert trocken gelegt und die vorgelagerte Rheininsel aufgeschüttet, der Platz wandelte sich zu einem Ort des Handels. Da hauptsächlich Heu gehandelt wurde, erhielt der Platz den Namen „Heumarkt“. Die Bauern brachten das Heu aus dem Umland und verkauften es an die Städter, die damit überwiegend ihre Pferde fütterten. Neben Heu wurde auch Salz, Fleisch, Käse, Stoffe und Leder angeboten.

Mit dem aufkommenden Handel wurde viel Geld verdient, und so bauten Handwerker und Kaufleute rund um den Platz ihre Häuser. Schon im 11. Jahrhundert wurde am Heumarkt die erzbischöfliche Münze erbaut. Im 13. Jahrhundert  wurde das Leinwand-Kaufhaus errichtet, welches später zur Fleischhalle umgewandelt wurde. Auch das Metzgerzunfthaus und das Haus des Bürgermeisters Gerhardt Pilgrum (um 1540) standen am Heumarkt. 1727 wurde ein Börsengebäude errichtet, welches bis 1843 den Vorläufer der Kölner Waren- und Produktbörse beherbergte. Zur Zeit der Preußen wurde 1844 eine Hauptwache für 50 Soldaten und 50 gefangene gebaut. Diese wurde jedoch 1877 wieder abgerissen.

Das Theater des 18. Jahrhunderts stand seit 1757 auf dem Heumarkt. Dort lernte auch Casanova 1760 die Frau des damaligen Bürgermeisters kennen und lieben, ein Skandal im katholischen Köln. Auch Goethe verweilte häufiger auf dem Heumarkt. Anfang des 19. Jahrhunderts hatte der Kaufmann und Stadtrat Johann Jakob Nepomuk Lyversberg am Heumarkt die damals umfangreichste private Gemäldesammlung, die auch von Schinkel und Schopenhauer besucht wurde. 1848/49 betrieben Karl Marx und Friedrich Engels die Redaktionsräume ihrer neuen rheinischen Zeitung im Haus Heumarkt 65.

 

 

 

 

 

 

Bis 1885 fand auf dem Heumarkt der jährliche Weihnachtsmarkt in den typischen Holzbuden statt. Die Bezeichnung „Hötte“ (für die Holzhütten) prägte den Spruch, „en de Hötte gehe“. Seit 2005 ist einer (der vielen) Kölner Weihnachtsmärkte wieder auf dem Heumarkt beheimatet.

Die historischen Handelshäuser wurden im 2. Weltkrieg wie fast die ganze Altstadt gründlich zerstört. Heute noch zu sehen ist das Spätrenaissance-Haus „Zum St. Peter“ am Heumarkt 77 (früher Unter Hutmacher 31) oder das Haus zur Timpe am Heumarkt 25. Zum St. Peter wurde 1568 erbaut für den Ratsherrn und Weinmeister Wilhelm Peter Terlaen von Lennep. Sein Sohn Johan Terlaen war in dieser Zeit acht mal Bürgermeister der Stadt.

Ansonsten bestimmt Gastronomie mit Außenterassen das Bild. Für Veranstaltungen, Konzerte und als Fanmeile bei Sportereignissen wird der Heumarkt heute genutzt. Der ursprünglich viel größere Platz wurde mit der Erbauung der Deutzer Brücke durch deren Zufahrt geteilt. Auf dem südlichen Teil steht heute das Maritim-Hotel.
Nah an der Abfahrt der Deutzer Brücke steht das Kolossaldenkmal für Friedrich Wilhelm III. von Preußen, geschaffen von Gustav Blaeser im Jahre 1874. Blaeser starb während der Erschaffung, so dass das Denkmal von den Berliner Bildhauern Alexander Calandrelli und Rudolf Schweinitz vollendet wurde.

Es wurde in den vergangenen Jahren immer wieder kontrovers diskutiert, ob das im Nationalstolz des 19. Jahrhunderts geschaffene Reiterdenkmal das Preußentum verherrlicht, welches die Kölner nie gewollt hatten. Darüber wurde die dringend notwendige Restaurierung immer wieder aufgeschoben.
Der Oberbürgermeister Fritz Schramma bezeichnete den Heumarkt als einen der schönsten Plätze Europas. Auch wenn das heute sicher etwas dick auftragen ist, hat der Heumarkt gerade in den warmen Monaten eine große Anziehungskraft auf Einheimische und Touristen und hatte zumindest im 17. Jahrhundert diesen Ruf. Zu dieser Zeit wurde er von dem englischen Reisenden Coryat mit dem Markusplatz in Venedig verglichen.
Ende der 90er Jahre wurde der Platz umgestaltet und u.a. eine Tiefgarage mit 460 Plätzen angelegt. Deren gläserne Eingänge bestimmen heute den zentralen Platz mit seinem Kopfsteinpflaster.

 
     


Dieses Foto aus der Nordostecke des Heumarkts aufgenommen zeigt viele Details, vor Allem bei entsprechender Vergrößerung. Die energische, "decke Madamm" im Vordergrund muss natürlich nicht vergrößert werden.Ob sie möglicherweise nicht so ganz mit der "Fotejrafiererei" einverstanden ist?

Der Junge links hinter ihr ist ganz in sein Spiel mit dem Kreisel (auf Kölsch: "´ne Dilledopp") vertieft. Den musste man nämlich mit einer kleinen Peitsche ("´ner Schmeck") "am Kreiseln" halten. Vielleicht versucht er aber auch einen "Diabolo" in der Luft zu halten.

Die fünf Mädchen beginnen gerade ihren Ringelreihen. Zwei Mann mühen sich mit einem hochbepackten Handwagen ab. Mit diesen Karren wurden die meisten innerstädtischen Kleintransporte durchgeführt.

Und auf der Westseite blühen die verschiedenen Gewerbe. Da gibt es mehrere Schuh-und Stiefelfabriken: Ganz links:

"Zum Rothen Haus, zwei Häuser weiter: "Zum Goldenen Stern" daneben eine "Betten-und Bettwaarenhandlung" mit einem "Bettfedern Lager", dann die schon mehrfach genannte "Stahlwaaren Handlung" mit "Schleifstein Lager" von "Wilhelm Mettelem" gefolgt von der "Horndrechslerei" und Pfeifenfabrik von "F.H.Rang" daneben wieder eine "Schuhwarenfabrik" und auf der anderen Straßenseite die "Leinenhandlung W. Brückmann E. Kettner".

Auch in dem letzten Haus dieser Häuserzeile befindet sich eine "Schuh Stiefel Fabrik" wohl von "Wwe. Breuer". Auf dem Giebel dieses Hauses sind mehrere Reklameschilder u.a. "Rasir-, Frisir , Haarschneide Salon Hermann Ihle Unter Huthmacher 18". Am Dach des hohen Hauses ganz rechts ein Schild für "Delicatessen & Hefe Carl Lehmacher" und links daneben ganz verschwommen: "Porzellan, Glas, Steingut, Töpferwaaren"

Die vordere Häuserreihe wird bald verschwinden und der Heumarkt durch Rückverlegung der Fluchtlinien nach Westen vergrößert.

Der Kirchturm hinter den Häusern gehört zu Klein St. Martin, der ehemaligen Pfarrkirche des Stiftes von St. Maria im Capitol, der nach der Säkularisation nur deshalb nicht abgerissen wurde, weil er weiter der großen romanischen Kirche auf dem Kapitolshügel als Glockenturm diente. Der spitze, hohe Turmhelm wurde nach dem Krieg durch einen kleineren ersetzt. Noch heute steht der Turm ziemlich eingezwängt zwischen Straßen und Straßenbahngeleisen am westlichen Ende der der Stadtbahn Haltestelle "Heumarkt".

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