Wohn- und Wirtschaftsgebäude

Lothringer Str. 40, 50677 Köln - Neustadt-Süd
Errichtet: 1897


Architekt: Franz Brantzky (1871-1947)

Das o. g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Das Stall- und Wirtschaftsgebäude gehörte zur gleichzeitig errichteten Villa Guilleaume am Sachsenring. Das Gebäude Lothringer Straße 40 war der Blickpunkt zu dieser Villa zur Gartenseite.

Das Gebäude bildet mit einem höheren, zurückliegenden Haupttrakt und zwei rechtwinkelig anliegenden, niedrigen Vorbauten einen zur Lothringer Straße geöffneten Hof. Der malerische Baukomplex wirkt von unten nach oben zunehmend aufgelockert. Über dem ruhigen, bis auf die Tordurchfahrt geschlossen erscheinenden Untergeschoß mit seiner Backstein- bzw. Putzfassade und Werksteingliederungen folgt das im Grundriß verwinkelte und in den Fensterformen uneinheitlich gestaltete Hauptgeschoß mit überwiegend Fachwerkfassaden. Die variationsreiche Dachlandschaft mit den unterschiedlichen Firsthöhen von Haupt- und Nebentrakten steigert mit den verschiedenartigen Dachausbauten (Schleppgauben, Dachhäuschen, Dacherker, Schweifgiebel des Turmanbaus) den den Baukörper auflösenden, malerischen Effekt.

Aus kunstgeschichtlicher Sicht stellt das Gebäude eines der wenigen, erhaltenen Bauwerke des Kölner Architekten, Maler und Bildhauer Franz Brautzky dar. Es handelt sich um einen Bau des Heimatstils. Wie auch in England ist hier an einem Nebengebäude relativ früh schon mit dem Rückgriff auf ländliche Bauweisen der Anstoß zu neuen Formentwicklungen des Wohnhauses gegeben. Es gelang dem Architekten, unter Vermeidung von bizarren Formen, das Poetische und Idyllische mit dem Eindruck des Bodenständigen, Gediegenen und Echten zu verbinden. Nicht die große Villa sondern dieser bescheidene Bau war schon für die damaligen Zeiten ausstellungswürdig, d.h. das Stallgebäude wurde auf der Berliner Kunstausstellung im Jahr 1901 gezeigt.

Darüber hinaus hat das Gebäude auch Bedeutung für die Ortsgeschichte. Es handelt sich um eines der letzten Beispiele der aufwendigen Remisengebäude, die früher in den Villengebieten der Kölner Neustadt zahlreich vertreten waren.

Aus städtebaulicher Sicht erzeugt das Haus mit dem parkartigen Garten einen künstlerisch reizvollen Blickfang innerhalb einer an originaler Bausubstanz arm gewordenen Wohnumgebung.

Referenz: 5871


Das Denkmal hat die Nummer 995 und ist seit dem 28. April 1982 geschützt.

Denkmal <Wohn- und Wirtschaftsgebäude> bearbeiten
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