Wohnhäuser

Mülheimer Freiheit 119-121, 51063 Köln - Mülheim
Errichtet: um 1780 (Nr. 119) um 1820 (Nr. 121)


 

A. Haus Mülheimer Freiheit 119

Architekt: Johann Georg Leydel (1721-85)

  • zwei Geschosse
  • sieben Achsen
  • Stuckfassade
  • Stil: Spätbarock

 

Fassade

straßenwärts Mansarddach mit vier stichbogig abschließenden Gauben

  • klassizistischer Dreieckgiebel mit stuckiertem Okulus nach historischem Vorbild erneuert
  • neue Dacheindeckung
  • neu ausgebautes Dachgeschoß mit sichtbarem, weitestgehend originalem Sprengwerk
  • mittlerer Scheinrisalit, mit Fugenschnitt im Erdgeschoß und rundbogiger Tordurchfahrt (Trachyt), originalem, zweiflügeligem Holztor sowie im Obergeschoß Rechteckfenster und flache, breite Pfeilervorlagen


Fenster

  • Erdgeschoß: Stichbogenfenster mit Werksteinrahmung (Trachyt) und Schlußstein
  • Obergeschoß: Rechteckfenster mit Werksteinumrandung (Trachyt) und originalen, niedrigen Brüstungsgittern
  • zahlreiche, alte Sprossenfenster, zum Teil mit neuer Verglasung
  • Fenster in den Gauben nach historischem Vorbild erneuert
  • Fenster zum Teil mit Innenläden
  • Kellerfenster zum Teil mit originaler Vergitterung.

 

Tordurchfahrt

  • Fliesenfußboden
  • Profilleisten
  • geringfügig Stuckverzierung
  • originale Haustüren
  • Fenster mit Vergitterung.

 

Inneres

Im Inneren original erhalten:

  • schwarzweißer Marmorfußboden
  • Holztreppe mit schmiedeeisernem Geländer nach historischem Vorbild wiederhergestellt
  • Treppenverschlag
  • Treppenabgangstüre
  • teilweise Dielenfußböden
  • Holzbalkendecken
  • Türen restauriert und nach dem Original neu angefertigt
  • einige Wohnungseingangstüren mit rundbogigem Oberlicht
  • Gewölbekeller.

 

Rückseite:

Fassung des 19. Jahrhunderts:

  • ursprünglich versetzt ausgeführte Front durch Vorbau begradigt
  • Putzfassade mit geringfügiger Stuckgliederung und Fugenschnitt
  • Blendarkaden auf Pfeilern
  • Rundbogenfenster mit neueren Kreuzstockfenstern
  • Schleppdach mit neuer Dacheindeckung
  • neue Dachterrasse
  • Dachflächenfenster
  • neuere Fensteröffnungen (Erdgeschoß)
  • neuere Vergitterungen.

 

Gepflasterter Hof und Gartenfläche mit altem Baumbestand.

Das o. g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Das Stadtpalais Mülheimer Freiheit 119 liegt an der ältesten Mülheimer Straße, die bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts der wirtschaftliche und gesellschaftliche Mittelpunkt von Mülheim war. Das Haus entstammt der Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs des Orts, nachdem sich im Jahr 1714 protestantische Kaufleute und Unternehmer in Mülheim niedergelassen hatten, und zeugt vom damaligen Wohlstand und der Bedeutung dieser einst von Köln unabhängigen Stadt.

Es handelt sich um ein Spätwerk des in Mülheim renommiertesten Stadtbaumeisters, Johann Georg Leydel (1720-1785), der innerhalb der rheinischen Architekturgeschichte des Spätbarock einen hohen Rang einnimmt. Im Kölner Raum stammen von ihm u.a. die Schlösser Wahn, Stammheim (zerstört) und der Mitteltrakt des Schlosses Morsbroich. Die Bauten für den Adel stehen in der Nachfolge seiner Tätigkeit in Poppelsdorf (Bonn), wo er für die Schönborns unter Balthasar Neumann arbeitete, sowie in Clemenswerth, wo er in Zusammenarbeit mit Schlaun wirkte. Leider sind mehrere bürgerliche Bauten Leydels im Stadtgebiet Kölns teils durch Zerstörung, teils durch Abriß verloren gegangen.

Erhalten haben sich in Mülheim allein das ähnliche Wohnhaus Krahnenstraße 8 (um 1780) und das in der äußeren Erscheinung (vereinfacht) wieder hergestellte Haus Wallstraße 56 (um 1776).

Mit den Häusern Mülheimer Freiheit 117, 119 und 121 verfügt Köln über eine einmalige Folge spätbarocker bzw. klassizistischer Bauten, nachdem das frühere Haus "Zum goldenen Wagen" (Nr. 117) wieder aufgebaut und die Häuser Nr. 119 und 121, ebenfalls im Krieg teilweise zerstört, im Inneren nach den Originalplänen restauriert bzw. in ihren wesentlichen Teilen erhalten blieben.

Darüber hinaus stellt das Haus Mülheimer Freiheit 119 ein hervorragendes Beispiel der ursprünglichen, barocken Bebauung Mülheims dar, von der sich mit der Mülheimer Freiheit 31, 33, 102, Mülheimer Ufer 1 und der Krahnenstraße 8 noch einige erhalten haben bzw. nach historischem Vorbild wieder aufgebaut wurden.

B. Haus Mülheimer Freiheit 121

Architekt: Johann Peter Cremer (1785-1863)

  • drei Geschosse, Attikageschoß
  • drei Fensterachsen, eingefaßt von einachsigen Seitenrisaliten mit Tordurchfahrt im rechten Risalit,
  • Putzfassade mit Stuckgliederung
  • Stil:Klassizismus


Fassade

  • im Mittelteil und Erdgeschoß rustiziert
  • rundbogige Felder und Verdachungen über einigen Fenstern
  • originales, zweiflügeliges Tor
  • neue Dacheindeckung
  • vorkragendes Traufgesims nach historischem Vorbild erneuert
  • ältere Sprossenfenster zum Teil mit neuer Verglasung.

 

Tordurchfahrt

  • Basaltpflaster
  • Stuckleisten
  • originale Haustüre
  • darüber Supraporte mit Stuckrelief zweier, geflügelter Genien.

 

Inneres

Im Inneren original erhalten:

  • Schwarzweißer Marmorfußboden
  • hölzerne Treppenanlage mit aufwendig gestaltetem Antrittspfosten
  • Stuckverzierungen an Wänden und Decken
  • Lichtkuppel mit stuckiertem Eichkranz.
  • Reiche Empire-Ausstattung
  • Supraporte mit gegenständigen Sphinxen und geflügelten Genien
  • vegetabile Stuckreliefs in Ofennischen mit paarweisen, preußischen Adlern und weiblichen Kopfkonsolen

 

Gartensaal

  • gerundete Eckvertäfelung
  • stuckierter Deckenspiegel (Beginn des 19. Jahrhunderts)
  • Stukkaturen stellenweise nach historischem Vorbild wieder hergestellt oder ergänzt
  • runde und eckige Kaminecken

 

  • teilweise originale bzw. dem Stil entsprechende Türen, zum Teil mit neuer Verglasung
  • Holzfußböden
  • Holzdeckenkonstruktionen
  • hoher Gewölbekeller.

Rückseite

  • neuere Putzfassade
  • vierachsiger, seitlicher Flügel
  • zum Teil alte Fenster, einige nach historischem Vorbild erneuert
  • Fenstergliederung stellenweise verändert
  • neues Fenster anstelle des zuvor eingebauten Garagentores.

 

Das o. g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Das Gebäude liegt an der ältesten Mülheimer Straße, die bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts der wirtschaftliche und gesellschaftliche Mittelpunkt von Mülheim war. Das Haus entstammt der Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs des Orts, nachdem sich im Jahr 1714 protestantische Kaufleute und Unternehmer in Mülheim niedergelassen hatten, und zeugt von dem damaligen Wohlstand und der Bedeutung dieser einst von Köln unabhängigen Stadt.

Das Haus Mülheimer Freiheit 121 wurde um 1820 von dem in Köln gebürtigen Architekt Johann Peter Cremer (1785-1863), Sohn des Stadtbaumeisters Markus Cremer, errichtet. Cremer studierte in Paris, entwarf u.a. 1811 den Triumphbogen für Napoleon in Düsseldorf und baute zahlreiche Bürgerhäuser in Düsseldorf, Aachen und Wuppertal. Er stand der preußischen, klassizistischen Nachfolge um Schinkel unter Vagedas nahe.

Das Haus wurde im Auftrag des Mülheimer Fabrikanten Abraham Steinkauler in klassizistischem Stil errichtet. Die Schwierigkeit für Cremer ergab sich aus der Lückbebauung, die auch den L-förmigen Grundriß des Hauses bedingte. Dadurch erreichte er eine ausreichende Belichtung bei voller Ausnutzung der Baulücke. Der schiefwinkelige Grundriß führte zur Schiefwinkeligkeit des gesamten Baukörpers, die Cremer in den Innenräumen jedoch durch Kaschierung der Ecken durch runde und eckige Nischen zu verbergen wußte.

Besonders hervorzuheben ist die reiche Empire-Ausstattung in Form von Sphinxen, Genien, Adlern und Kopfkonsolen. Da Johann Peter Cremer wahrscheinlich auch in der Kölner Innenstadt tätig war, dies sich aber nicht mehr nachweisen läßt, gewinnt das Wohnhaus in Mülheim umso größere baukünstlerische Bedeutung für Köln.

Mit den Häusern Mülheimer Freiheit 117, 119 und 121 verfügt Köln über eine einmalige Folge spätbarocker bzw. klassizistischer Bauten, nachdem das frühere Haus "Zum goldenen Wagen" (Nr. 117) wieder aufgebaut und die Häuser Nr. 119 und 121, ebenfalls im Krieg teilweise zerstört, im Inneren nach den Originalplänen restauriert wurden bzw. in ihren wesentlichen Teilen erhalten blieben.

Referenz: 6514


Das Denkmal hat die Nummer 902 und ist seit dem 11. Januar 1982 geschützt.

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Unknown_user

Anonym  sagt: "Mülheimer Freiheit 119"

Sehr geehrte Damen und Herren, mit der Bitte die Lebensdaten von Johann Georg Leydel zu korrigieren. Er ist am 25.11.1721 auf dem Kleehof bei Allersberg geboren/getauft, +27.05.1785 Mülheim (Köln) und einer meiner Ahnen. Es hat mich gefreut, dass er namentlich erwähnt wird. MfG Markus Klein

Geschrieben: vor mehr als 8 Jahre