Wohnhaus

Tiberiusstr. 3, 50968 Köln - Marienburg

errichtet 1922/23

Architekt Paul Bonatz (1877-1956)

freistehender, mehrflügeliger Bau auf verwinkeltem Grundriß, bestehend aus:

  • Haupthaus,
  • vorgelagertem Wirtschaftstrakt (nach Kriegszerstörung verändert wieder aufgebaut) 
  • später angebautem "Hinterhaus" (Architekt Heinrich Forthmann),
  • einem bis drei Geschossen,
  • Backsteinfassaden,
  • Haupthaus mit turmartigem Risalit (Turmspitze zerstört) 
  • Laube auf Holzständern an der Eingangsseite,
  • betonten Traufgesimsen,
  • Satteldächern;
  • Fenster original bzw. stilentsprechend erneuert.

 

Rückfront des Haupthauses:

  • Axialsymmetrisch aufgebaut mit mittiger Terrasse (Dach im Mittelbereich verändert).

 

Im Inneren original erhalten:

  • Eingangshalle mit Korbbögen,
  • Gewände,
  • schwarzweißer Steinboden,
  • Parkettböden,
  • Heizungsverkleidungen,
  • Zimmertüren,
  • Randstuck und Kamin im großen Wohnraum,
  • Vedutenmalereien in den Wandvertäfelungen,
  • ein Marmorwaschtisch im Erdgeschoß;
  • Holztreppe;
  • Einbauschränke
  • Badezimmerausstattung im Obergeschoß

 

Bestandteile des Denkmals sind auch

  • die Gartenanlage mit gestaltetem Einfahrtsbereich und
  • die zeitgenössische Grundstückseinfriedung.

 

Das o. g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Marienburg zählt durch die Vielzahl seiner, im Verhältnis zur übrigen Stadt, im Krieg weitgehend verschonten und im originalen Zustand erhaltenen Bauten zu einer der geschlossensten Villenkolonien in Deutschland und einer der, im historischen Sinn, besterhaltenen Gebiete der Stadt Köln. Seit der Gründung dieses Villenvororts im späten 19. Jahrhundert haben hier fast ausschließlich bedeutende Kölner und auch andere deutsche Architekten Villen und Landhäuser errichtet, wodurch dieser Vorort gleichzeitig eines der architekturhistorisch interessantesten Wohngebiete in Köln und darüber hinaus auch in Deutschland ist.

Das Haus Tiberiusstraße 3 ist als historischer Bau ein wichtiger Bestandteil des baulichen und, wegen seiner Gesamtplanung, auch städtebaulichen "Ensembles Villenvorort Marienburg". Innerhalb der geschichtlichen Entwicklung Marienburgs ist der Bau u.a. deshalb von besonderem Interesse, weil er in lebendigem Kontrast die Architekturentwicklung vom Historismus zur Moderne dokumentiert. Erst durch die Vielzahl der Stile und Hausformen bei gleichzeitiger Unterordnung unter ein Gesamtbild erhält das architektonische Erscheinungsbild des Vororts seine spezifische Ausprägung.

Die Villa Tiberiusstraße 3 ist in ihrer ruhigen Gestaltung verschiedener Baukörper, ihren ausgewogenen Proportionen und in der Detailausführung ein Gebäude von großer, künstlerischer Qualität und Bedeutung. Der Architekt Paul Bonatz hat hier ein repräsentatives Wohnhaus errichtet, das sich durch seine starke Verbundenheit mit der Natur auszeichnet, und den Garten selbst zum Wohnraum werden läßt. Die klare, schmucklose Backsteinarchitektur zeigt eine an der Tradition geschulte Formensprache, die der heimatlichen Baukunst verbunden bleibt. In Marienburg finden sich noch drei erhaltene Villen von Paul Bonatz

  • Goethestraße 67,
  • Marienburger Straße 17-19,
  • Germanicusstraße 8

während zwei weitere im Krieg zerstört wurden.

Die sogenannte Villa Vorster, die mehrfach in Bauzeitschriften der Zeit publiziert worden ist, ist als wichtiges Schaffenswerk des Architekten Paul Bonatz und als Zeugnis der Villenarchitektur Anfang der Zwanziger Jahre von großem, wissenschaftlichen Interesse für die Bauforschung und Architekturgeschichte der Stadt Köln.

Referenz: 8680


Das Denkmal hat die Nummer 873 und ist seit dem 14. Dezember 1981 geschützt.

Denkmal <Wohnhaus> bearbeiten
Zum Denkmalkatalog Kommentar zum Denkmal abgeben