Lagergebäude/ Silo

Agrippinawerft, 50678 Köln - Neustadt-Süd
  • errichtet 1939-1940


Getreidesilo,

Im Auftrag der Stadt Köln durch den Bauunternehmer Carl Brandt errichtet. An das Lagergebäude 22 ("Siebengebirge") angebaut und mit diesem durch einen Zwischenbau verbunden.

Technischer Ausbau des Gebäudes für die Rhenus Transportgesellschaft 1939/40 durch die in Erfurt ansässige Firma Topf & Söhne, Spezialfabrik für Speicher-Anlagen.

  • achtgeschossiger Stahlbetonskelettbau, basierend auf einem nahezu quadratischen Konstruktionsraster,
  • Stahlbeton-Tragwerk in den Außenwänden mit Ziegelsteinen ausgefacht,
  • Fassaden weitestgehend fensterlos und von außen mit Kratzputz versehen.


Westfassade (Straßenfassade):

  • vorgelagerte Beton-Laderampe mit Vordach (Kragträger aus Stahlbeton, darüber Vordach aus Holzverschalung);
  • im Erdgeschoss alternierender Rhythmus aus zweiflügeligen hölzernen Rolltoren und hochrechteckigen Holzfenstern mit Sprossenteilung;
  • über dem Vordach eine Reihe von sechs kleinen Holzfenstern mit liegenden Formaten;
  • Fassade darüber vollkommen geschlossen und nur gegliedert durch zwei symmetrisch einander zugeordnete Regenfallrohre nahe der Gebäudekante.


Ostfassade (Rheinseite):

  • vorgelagerte Beton-Rampe,
  • darüber Führungsschiene aus Stahlbeton für Halbportalkräne;
  • im Erdgeschoss zwei zweiflügelige hölzerne Rolltore sowie eine Holztür mit Oberlicht,
  • dazwischen drei Holzfenster mit Sprossenteilung;
  • über der Kranschiene in den vier südlichen Achsen je ein Fenster;
  • in der nördlichen Achse das Treppenhaus, ablesbar durch sieben übereinander angeordnete Fenster (Stahlkonstruktion mit Sprossenteilung) und eine darüber liegende, nachträglich erneuerte Stahltür;
  • in der Achse südlich des Treppenhauses ein aus der Fassade auskragender, Schütttrichter (Stahl, genietet), zugänglich über einen nachträglich erneuerten Steg aus Gitterblech.


Nordfassade:

  • weitestgehend geschlossen; drei übereinander liegende Balkone (Stahlbetonplatten, Brüstungen aus Stahlrohren) mit Zugängen vom Treppenhaus als geschossweise Verbindung zwischen dem Silo und dem benachbarten „Siebengebirge“.

 

Dach

viergeschossig

  • pyramidenartig mit geschweiften Kanten,
  • im unteren Bereich auf jeder Seite eine Reihe von Dachflächenfenstern (Stahlfenster mit Sprossenteilung);
  • Dachabschluss durch einen aufgesetzten Dachhelm, ebenfalls durchfenstert;
  • Dachtragwerk aus Stahlbeton, altdeutsche Schieferdeckung.

 

Erdgeschoss ein durchgehender Raum,

  • Tragwerk aus quadratischen Stahlbetonstützen (Abmessungen 1,10m x 1,10m) in einem Raster von 4,34m x 3,62m;
  • Fußbodenbelag Estrich,
  • prismenförmige Betonschütten als oberer Abschluss des Raumes.

 

Treppenhaus

  • durchgehend vom Keller bis zum siebten Obergeschoss,
  • in einem Rasterfeld in der Nordostecke des Gebäudes angeordnet;
  • dreiläufige Stahlbetontreppe,
  • in der Mitte der Lastenaufzug (Firma Hammelbeck);
  • Treppenhauswände Sichtbeton

 

Im Rest des Gebäudes vom 1. bis 7. Obergeschoss keine Geschossdecken, statt dessen vertikal durchlaufende Silozellen aus Stahlbeton;

  • darüber hinaus technische Ausstattung wie Schüttrohre, Belüftungsanlagen etc..
  • In den vier Geschossen des Daches wieder Stahlbetondecken;
  • in diesem Bereich kein abgeschlossenes Treppenhaus mehr,
  • Erschließung der Dachgeschosse über offene Stahltreppen.


Das o.g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von §2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes Nordrhein-Westfalen (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für Städte und Siedlungen und für die Entwicklung von Arbeits- und Produktionsverhältnissen ist als auch wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Im Zuge der von Hermann Josef Stübben (1845-1936) geplanten Stadterweiterung Kölns ab 1881, in deren Zusammenhang auch die Befestigungsmauern an der Rheinfront fielen, wurde 1892-98 unter Einbeziehung einer vorgelagerten Insel, dem sog. Werthchen, der Rheinauhafen angelegt. In der Folge entwickelte sich die neue Hafenanlage nicht nur zu einem wichtigen wirtschaftlichen Faktor für die Stadt Köln, sondern beeinflusste auch ganz unmittelbar die weitere Entwicklung der angrenzenden Stadtviertel, da ein großer Teil der im Hafen Beschäftigten dort wohnte.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde das Hafengelände, das ursprünglich nur bis zum Bayenturm reichte, erweitert. So entstand 1908/09 nach den Entwürfen von Stadtbaumeister Hans Verbeek ein neuer Speicherbau, das sog. „Siebengebirge“ auf der Agrippinawerft.

Nach der wirtschaftlichen Stagnation der späten 1920er Jahre, die sich auch auf die Umschlagzahlen des Rheinauhafens auswirkte, wurde erst in den 1930er Jahren eine Erweiterung des „Siebengebirges“ durch einen Silobau notwendig. Im März 1938 entstanden erste Pläne für ein monumentales Gebäude in direkter Verlängerung des Lagerhauses, die dann in leicht veränderter Form (Ausführung des Daches) 1939/40 zur Ausführung kamen. Dieses Silo ist, bedingt durch seine Höhe, seine monumentale Geschlossenheit und die markante Dachform, bis heute prägender Bestandteil der Stadtsilhouette am Rheinufer.

Gleichzeitig dokumentiert der Bau mit seiner aufwändigen inneren Konstruktion und Gebäudetechnik die Funktionsweise eines Getreidesilos zu seiner Entstehungszeit. Er stellt damit, auch im Hinblick auf die zur Zeit stattfindende Konversion des Rheinauhafens, ein wichtiges Zeugnis für die Tradition der Hafenanlage als Umschlag- und Lagerplatz zahlreicher Güter in den vergangenen 100 Jahren dar.

Veränderung

Zwei der beigefügten Fotos zeigen den Umbau des Silos in eine Wohn-und Bürohaus. Unter Beibehaltung der ursprünglichen Form wurden die Seitenwände großflächig für den Einbau von Fenstern durchbrochen. Die gesamte Inneneinrichtung wurde entfernt und Decken eingezogen.


Das Denkmal hat die Nummer 8665 und ist seit dem 1. Juli 1980 geschützt.

Denkmal <Lagergebäude/ Silo> bearbeiten
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