Wohn- und Geschäftshaus

Graf-Geßler-Str. 1, 50679 Köln - Deutz
Errichtet: zwischen 1880 und 1890


  • vier Geschosse
  • je vier Achsen zur Deutzer Freiheit und zur Graf-Geßler-Straße

 

Das Objekt, Eckhaus zur Deutzer Freiheit, wurde  als viergeschossiges Wohn- und Geschäftshaus mit vier Fensterachsen zur Graf-Geßler-Straße, vier Fensterachsen zur Deutzer Freiheit und einer Stuckfassade errichtet.

Das o. g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Durch seine strategisch wichtige Lage war Deutz von Anbeginn auf das engste mit der Kölner Stadtgeschichte verbunden. Die um 310 unter Constantin dem Großen errichteten Mauern des römischen Brückenkopfs umschlossen vor der Mitte des 5. Jahrhunderts einen fränkischen Königshof und, ab dem Jahr 1000 etwa, die Benediktinerabtei St. Maria als Keimzellenen eigenen Gemeinwesens, das zu einer blühenden, mittelalterlichen Stadt heranwuchs. In den folgenden Jahrhunderten führten die anhaltenden Konflikte zwischen dem Erzbistum Köln, der Reichsstadt Köln und den Grafen, später Herzögen, von Berg zu häufiger, oft völliger Zerstörung des Orts.

Im dreißigjährigen Krieg erweiterte die Reichsstadt ihre Wehranlagen mit einer Stadtmauer um Deutz, die 1648 nach Beendigung des Kriegs von den Kölnern wieder abgerissen wurde und Deutz gegenüber dem gesicherten Köln schutzlos offen ließ. Erst nach Zugliederung an Preußen im Jahr 1815 wurde Deutz durch eine Schiffsbrücke mit Köln verbunden und erhielt im Zuge des Gesamtausbaus der Kölner Befestigung einen Befestigungsring, an dessen Stelle, durch die technische Entwicklung überholt, 1907 die Ringstraßen angelegt wurden.

Die stürmische, industrielle Entwicklung des 19. Jahrhunderts vollzog sich hauptsächlich in den Freiräumen für Bahn- und Hafenanlagen als Quelle neuen Wohlstands für Köln. Deutz wurde 1853 zur Stadt erhoben, durch eine feste Brücke, die Dombrücke, mit Köln verbunden und 1888 nach Köln eingemeindet.

Das Objekt bildet die Bebauung eines der stumpfen Winkel im Bereich der dreieckförmigen Einmündung der Graf-Geßler-Straße in die Deutzer Freiheit.

Das Erdgeschoß und das erste Obergeschoß bilden gemeinsam den Fassadensockel, der die Auflast mit dem durchlaufenden Fensterbankgesims am zweiten Obergeschoß zum Ausdruck bringt. Der schmale Fries unterstreicht die kraftvolle Ausladung des Gesimsprofils. Das zweite und dritte Obergeschoß mit dem abschließenden Dach sind als eine auf dem Sockel der Untergeschosse ruhende Einheit konzipiert. Das dritte Obergeschoß leitet als letztes Obergeschoß mit Einzel-Fensterbankgesimsen, die mit dem Konsolfries unter dem vorkragenden Profil des Dachgesimses korrespondieren und sich unterordnen, unter Verzicht auf Einzelverdachungen der Fenster zugunsten des Dachgesimses als gemeinsame Überdachung der gesamten Fassade, zur Dachzone über. Das schmale, unter dem Konsolfries anschließende Gesims erweitert die überdachende Aussage der Traufe.

Zudem ordnet sich auch die Vertikalität der Fensterachsen mit Dreiecküberdachungen am ersten Obergeschoß den überleitenden Halbkreisüberdachungen am zweiten Obergeschoß und stufenweise zunehmenden Kragweiten (1.OG - 2.OG - Dachgesims) der Horizontalität der Traufe unter. Dem entgegen gesetzt unterstreichen die von Geschoß zu Geschoß abnehmenden Lichtmaße der Fenster die zentralperspektivische Höhenwirkung. Die vertikale Überhöhung der Fensterachsen durchdringt die horizontale Steigerung der Massen in Richtung zur Traufe. Die flachen Mauervorlagen, welche risalitartig die linken Endachsen an der Deutzer Freiheit und die beiden Mittelachsen an der Graf-Geßler-Straße auf gemeinsamer, rustizierter Fläche vertikal zusammenfassen, geben jeder der Fassaden ihren eigenständigen Ausdruck. Zur Ausbildung der Eckarchitektur liegen dadurch die Achsen zu beiden Seiten der Gebäudeecke seitlich abgegrenzt auf vertieftem Feld. Die Architektur des Gebäudes verwendet ein dem Repräsentationsbedürfnis ihrer Zeit entsprechendes Gestaltungsmittel der Renaissance, das in eigenständiger Abwandlung angewendet wurde.

Die Beschreibung zeigt die Bedeutung des Gebäudes im Sinn des Denkmalschutzgesetzes auf, und zwar insbesondere hinsichtlich seiner städtebaulichen Einbindung, seines künstlerischen und wissenschaftlichen Wertes und der Geschichte des Kölner Bürgers in Bezug zu seiner Stadt.

Referenz: 4247


Das Denkmal hat die Nummer 863 und ist seit dem 14. Dezember 1981 geschützt.

Denkmal <Wohn- und Geschäftshaus> bearbeiten
Zum Denkmalkatalog Kommentar zum Denkmal abgeben