Wohnhaus

Genter Str. 26, 50672 Köln - Neustadt-Nord
Errichtet: um 1905


  • fünf Geschosse
  • rückwärtig zwei seitliche Anbauten; U-förmiger Grundriss
  • vier Achsen
  • Putzfassade, ehemals mit Stuckgliederungen
  • Stil: vermutlich ehemals Neo Renaissance

 

Fassade

  • zweiachsiger, vorspringender Mittelrisalit mit seitlich je einer Fensterachse, ehemals mit Wellengiebel
  • originale Holzfenster überwiegend mehrflügelig und mit gegliederten Oberlichtern
  • Haustür erneuert
  • Gliederung im Erdgeschoss-Bereich des Risalits in den 1930er Jahren verändert, ursprünglich 3 Öffnungen
  • Über der Haustür breiter Türsturz, darüber Medaillon, die seitlichen  Öffnungen mit schlichter Putzrahmung und Schlussstein.
  • Erdgeschoss, erstes Obergeschoss und Mittelrisalit des zweiten Obergeschosses ehemals sockelartig mit rustikaartiger Quaderung
  • straßenseitige Fenster im Mittelrisalit des zweiten Obergeschosses ehemals mit Balustraden.
  • Zwischen diesen Brüstungsfeldern ehemals figürlicher Schmuck.

 

An der Grundstücksgrenze zur Nachbarbebauung jeweils originale Einfriedung auf Betonsockel.

Rückseite

  • Putzfassade
  • rückwärtige Gebäudeteile symmetrisch gestaltet
  • Treppenhausachse flankiert von schräggestellten Achsen, daran anschließend sechs-achsiger, im Grundriss schmaler Wohnflügel
  • Hoftür erneuert
  • Holzfenster mit Segmentbogen original

 

Inneres

Im Innern original erhalten:

  • Im Vestibül und im Bereich des ersten Treppenabsatzes
  • Fußboden
  • Wandvertäfelung bis Hüfthöhe in hellem Marmor, abgesetzt mit dunklen Partien
  • Sturz zwischen Flur und Treppenhaus mit abgerundeter Eckgestaltung
  • Treppe
  • Terrazzotreppe an Treppenabsätzen teilweise schwarz gerahmt und mit Mittelmotiv
  • gedrechseltes Geländer
  • Antrittspfosten
  • zweiter Antrittspfosten im ersten Obergeschoss
  • aufwendig gestaltete zwei-flügelige Wohnungseingangstüren
  • Rahmen mit tiefer kassettierter Laibung
  • Türblätter mit Füllung
  • über dem Türsturz Dreiecksverdachung.
  • Wohnräume überwiegend mit Deckenstuck in floralen und geometrischen Formen,
  • oftmals Mittelstuck/ Medaillon
  • randlich mit Kehlung, Profilen und weiterem Deckenstuck
  • teilweise flächendeckender Stuck
  • teilweise original Holzdielenboden
  • Parkett (stark beschädigt im vierten Obergeschoss)
  • breite Fußleisten
  • Zimmertüren einheitlich und ähnlich gestaltet wie die Wohnungseingangstüren, ebenfalls mit bis zur Decke reichendem Oberlicht.
  • Bäder u. WC mit Terrazzoboden,
  • Küchen mit
  • Spind
  • Terrazzoboden
  • im vierten Obergeschoss auch Originalfliesen
  • Küchenfenster mit Unterlicht;
  • Erdgeschoss
  • Kämmerchen mit zugemauertem Fenster (neben Hauseingang)
  • innerhalb der Wohnung kleines Fenster zum Flur, um diesen zu beleuchten
  • zwei Wohnungseingänge verändert;
  • erstes Obergeschoss
  • Decken teilweise abgehängt
  • Türen verändert
  • Stuck abgeschlagen;
  • Im Spitzboden Holzkonstruktion sichtbar;
  • Im Keller alte Betondecken, stabilisierende Bögen an den Durchgängen.

 

Bestandteil des Denkmals ist auch die rückwärtige Hof- und Grünfläche.

Das o. g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne des § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist, als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Die von Hermann Josef Stübben (1845-1936) und Karl Henrici (1842-1927) geplante und ab 1881 von ihm ausgeführte Stadterweiterung von Köln gehört zu den bedeutendsten und umfassendsten städtebaulichen Leistungen des späten 19. Jahrhunderts in Deutschland.

Die halbkreisförmig um die Altstadt gelegte Neustadt wurde in verschiedene Wohnviertel eingeteilt. Westlich, zwischen Gladbacher Str. und Zülpicher Str., entwickelte sich das sog. "Westend", das durch den Stadtgarten und verschiedene begrünte Platzanlagen alle Voraussetzungen für ein gutbürgerliches Wohnviertel bot. Der Stadtorganismus hier ist geprägt von vornehmen, meist mit reicher Fassadengliederung versehenen Mietshäusern. Die Genter Straße liegt wie auch die angrenzenden Parallelstraßen Antwerpener Str./Maastrichter Str. und Lütticher Str. (Neustadt-Nord) im Geviert zwischen den Hauptverkehrsachsen Aachener Str. und Venloer Str. östlich der baumbestandenen Allee Moltkestr., im Westen begrenzt durch die Bahnlinie und den Grüngürtel und im Osten anschließend an den Hohenzollernring. Sie gehört zu dem sog. "Belgischen Viertel".

Die Genter Straße wurde ab 1905 mit meist 4-geschossigen herrschaftlichen Mietshäusern mit Vorgärten bebaut (Blockraster mit parzellärer Bebauung). Das Mietwohngebäude, die quantitativ gesehen wichtigste neue Bauaufgabe der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, ist Bestandteil des neustädtischen Bauensembles mit weit in den Blockinnenbereich ragenden Seitenflügeln und z.T. Hinterhäusern der Zeit des Historismus und des Jugendstils.

Das Gebäude gehört zu den wenigen noch vorhandenen Dokumenten der Erstbebauung. Zusammen mit den Häusern 23, 28 und 30 bildet es ein Ensemble ähnlicher (Risalit und Ziergiebel), aber hinsichtlich des (ehem.) Fassadendekors individuell gestalteter Jugendstilhäuser. Mit seinen hofseitigen Flügelbauten belegt es zum einen das hohe Wirtschaftswachstum Kölns und den darauf resultierenden gesteigerten Bedarf an Mietwohnungen, zum anderen aber auch die gehobenen Ansprüche, also den Wunsch nach mehr Wohnraum der damaligen Bewohner.

Trotz mancher Verluste an historischer Substanz zeigt sich ein für die Zeit um die Jahrhundertwende charakteristisches - historistisch-variantenreiches Erscheinungsbild der Fassaden vier- bis fünfgeschossiger, auf mittelständische Kreise zugeschnittener Mietwohnbauten. Die Fassade des Hauses Genter Str. 26 war prägender Teil dieses Zusammenhangs: sie zeigte sich als anspruchsvolle Variante des städtischen Wohngebäudes und verweist trotz des Verlustes der Stuckgliederungen mit ihrer breiten Schauseite und der variantenreichen Fenstergliederungen sowie der reichen Innenausstattungen auf den Sozialstatus seiner Bewohner. Aufgrund der sehr weitgehenden Erhaltung im Inneren des Gebäudes und der rückwärtigen Fassaden ist das Objekt für die Architektur der nördlichen Neustadt und als Dokument der Repräsentationsbestrebungen um die Jahrhundertwende von hoher Bedeutung

Als Beispiel für die gehobene Neustadtarchitektur ist das Wohnhaus Genter Str. 26 daher aus wissenschaftlichen und städtebaulichen Gründen zu erhalten.

Referenz: 10011


Das Denkmal hat die Nummer 8588 und ist seit dem 29. Juli 2002 geschützt.

Denkmal <Wohnhaus> bearbeiten
Zum Denkmalkatalog Kommentar zum Denkmal abgeben