Wohn- und Geschäftshaus

Breite Str. 132, 50667 Köln - Altstadt-Nord

Das um 1890-95 errichtete Gebäude ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Ortsgeschichtlich bedeutend ist das Wohn- und Geschäftshaus, da es den Ausbau des westlichen Teils der Kölner Altstadt dokumentiert. Rascher Bevölkerungszuwachs und rege Bautätigkeit durch wirtschaftlichen Aufschwung prägten wesentlich das Erscheinungsbild der Breite Straße. Die noch freien Grundstücke innerhalb des Festungsgürtels wurden ausgenutzt und je nach Lage mit Häusern unterschiedlicher sozialer Bestimmung bebaut.

In der Breite Straße, in der schon seit Jahrzehnten kein einziges altes Haus an die diesem Straßennamen gemäße, großzügige Bebauung erinnert, gab es bis vor ca. 150 Jahren noch eine ganze Reihe zum Teil recht feudaler Häuser, die dann anderen Interessen weichen mußten. Der zweite Weltkrieg dezimierte die verbliebene, historische Bebauung zu über 90%, so daß das vorliegende Objekt zu den wenigen, erhaltenen Denkmälern im innerstädtischen Bereich gehört.

Baugeschichtlich bedeutend ist der viergeschossige, gelbe Backsteinbau von zwei zu sechs Achsen, mit abgeschrägter Ecke und dreiseitigem Erkervorbau mit Balkonabschluß, als Beispiel einer Bauweise mit neugotischen Stilelementen.

Der von zwei überhöhten, spitzen Giebeln markierte Baukörper ist durch Gliederungen in Werkstein und Backsteinverbände gekennzeichnet, so z.B. durch Friese in vielfältiger, gotischer Ornamentik oder durch ein Traufgesims mit arkadenartig gemauertem Backsteinfries. Die verschiedenen Bogenformen der Fenster und ihre Anordnungen (z.B. ein achtteiliges Fensterband, die Form des Trauffrieses aufgreifend, oder breite Zwillings- und Drillingsfenster sowie Blendnischen) geben den Fassaden ein bewegtes, phantasievolles Erscheinungsbild.

Die Fensterstürze sind vorwiegend in Rollschichten gemauert, aber auch in profiliertem Werkstein gerahmt, die Fensterbrüstungsfelder sowie die Flächen der Fensteroberlichter sind mit gotischem Maßwerk besetzt. Der die Fassade abschließende Giebel an der St.-Apern-Straße ist mit einer großen, überhöht spitzbogigen Nische mit zwei Reihen Drillingsfenster (bis auf eine Ausnahme zugemauert) sowie einem kleinen Altan versehen.

Der Eckgiebel weist drei ähnliche, alternierend angeordnete Blendnischen auf, in deren Mitte eine Vollplastik (Maria mit Jesuskind) angebracht ist. Trotz des veränderten ErdgeschoßBereichs verdeutlichen die Fassaden als konstruktive Teile des Hauskerns Proportion, Geschoßgliederung und Höhe des Gebäudes.

Im Inneren des Gebäudes ist an originalen Ausstattungsteilen noch erhalten:

  • Terrazzotreppe,
  • schmiedeeisernes, umlaufendes Geländer mit Holzhandlauf,
  • Wohnungstürabschlüsse.

 

Städtebaulich ist das Objekt ein markanter, historischer Fixpunkt als einziges, erhaltenes Denkmal am Schnittpunkt St.-Apern-Straße, Albertusstraße, Ehrenstraße bzw. Breite Straße sowie Apostelnstraße. In Verbindung mit den anderen historischen Gebäuden in der nahen Umgebung macht das o.g. Objekt das ehemalige Erscheinungsbild dieses Platzes anschaulich und in Ansätzen rekonstruierbar.

Referenz: 2640


Das Denkmal hat die Nummer 858 und ist seit dem 14. Dezember 1981 geschützt.

Denkmal <Wohn- und Geschäftshaus> bearbeiten
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