Wohnhaus

Frankenstr. 21, 50858 Köln - Junkersdorf
Errichtet: 1937/38


Architekt: Hans Walter Reitz (?)

Bauherr: Heinz Mörs, Ingenieur

  • zwei Geschosse, flach geneigtes Walmdach
  • Fassade: weiß geschlämmtes Backsteinmauerwerk

 

Walmdach mit ausgeprägtem Dachüberstand (unterseitig sichtbare hölzerne Balkenköpfe)

Sockel aus Backsteinsichtmauerwerk

Straßenfront

  • ursprüngliche Garage im Untergeschoss einschließlich Abfahrt entfernt, stattdessen Einbau eines querrechteckigen Kellerfensters
  • Hauseingang mittig, mit flacher Verdachung des vorkragenden Flachdachs über dem linken eingeschossig vortretenden Gebäudeteil
  • originale Haustür
  • dunkles Holz
  • zweiflügelig mit Sprossenverglasung
  • stichbogiger Abschluss in Rechteckrahmung einbeschrieben
  • Außentreppe aus Backstein mit originalem Metallgeländer
  • originale Außenlampe
  • Fensteröffnungen in unterschiedlichen rechteckigen Formaten
  • im Erdgeschoss mit originalen Gittern
  • im Obergeschoss mit originalen Holzklappläden
  • Fenster in ursprünglichen Teilungen zweifarbig grün/ weiß mit Sprossen aus Holz erneuert.

linke Seitenfront geschlossen

eine runde Fensteröffnung mit originalem Gitter im Erdgeschoss

rechte Seitenfront

  • Nebeneingang mit originaler Holztür oberhalb einer Backsteintreppe, flankiert von hochrechteckigen Fensteröffnungen mit originalen Gittern
  • Fenster aus Holz mit Sprossen erneuert
  • leicht vortretender Schornstein der Kaminanlage.

 

Rückfront

  • Balkon in ganzer Breite über dem linken eingeschossig vortretenden Gebäudeteil und auf Pfeiler aus geschlämmtem Backsteinmauerwerk
  • Geländer entfernt
  • Bodenbelag aus Fliesen erneuert
  • Terrasse mit Bodenbelag aus Bruchsteinplatten und Treppenstufen in den Garten
  • rechteckige Fensteröffnungen
  • Fenster und Terrassentüren aus Holz mit Sprossenverglasung erneuert
  • im Obergeschoss originale Holzklappläden.

Im Inneren original erhalten

  • Holztreppe mit geschnitzter und durchbrochener Antrittsgeländerwange
  • im Wohnzimmer offener backsteinsichtiger Kamin
  • Veränderungen im Inneren teilweise durch Grundrissgestaltung
  • Erneuerung von Türen und Bodenbelägen aus Fliesen
  • Holzdielenboden im Obergeschoss erneuert.

 

Bestandteil des Denkmals ist auch der in der Gestaltung veränderte umgebende Garten und der Vorgarten (Einfriedung entfernt).

Das o. g. Objekt Frankenstr. 21 erfüllt die Voraussetzungen des § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Es ist bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen. Seine Erhaltung und Nutzung ist aus künstlerischen, wissenschaftlichen und städtebaulichen Gründen im öffentlichen Interesse.

Das Gebäude Frankenstraße 21 entstand als freistehendes Einfamilienhaus in den Jahren 1937/38 im Bereich der Junkersdorfer „Gartenstadt“. Am 29.07.1930 fand die Grundsteinlegung für die „Gartenstadt Stadion“ statt. Zwischen Junkersdorf und dem soeben angelegten Äußeren Grüngürtel sollte ein völlig neuartiges Wohngebiet entstehen. Vorgesehen war eine Bebauung mit etwa 220 Einfamilienhäusern im Stil des „Neuen Bauens“, in verschiedenen Größen und Preisklassen, als freistehende Villen oder Reihenhausgruppen.

Eine einheitlich kubische, durch Fensterbänder, Balkone und Dachterrassen geöffnete Architektur mit flachen Dächern und einheitlich weißer Farbgebung, Gärten und Vorgärten sowie öffentlichen Grünflächen und Alleen waren die augenscheinlichen Merkmale der Planung, die den Ansprüchen und den Erwartungen an eine moderne „Gartenstadt“ gerecht werden sollte. Gemeinsam mit Statthalterhofallee und Paul-Finger-Str. gehörte die Frankenstraße zu den ersten neu angelegten Straßen. Die östliche Straßenseite war ursprünglich kein Bauland, sondern als Grünstreifen vorgesehen, um einen organischen Übergang von Häusern und Grüngürtel zu bieten.

Bis 1933 wurden erst etwa 30 Bauten fertiggestellt, zumeist die kostengünstigeren Reihenhaustypen. Gründe liegen sicher in der sich verschlechternden wirtschaftlichen Situation zu Beginn der 1930er Jahre. Jedoch wird auch das Festhalten an traditionellen Wohnvorstellungen in den Kreisen der Bauherren die Zurückhaltung von Interessenten erklären können.

In der Gartenstadt Stadion haben sich noch heute ablesbar die charakteristischen Haustypen der beiden Entstehungsphasen, 1930/31-1933 und 1935-39, erhalten. Während sich in der frühen Phase der von den Vorstellungen des „Neuen Bauens“ geprägte architektonische Gestaltungswille durch Flachdachbauten zum Teil in Reihenbauweise äußert, sind für die Spätphase die freistehenden Einfamilienhäuser kennzeichnend, deren Formensprache sich an traditionellen Bauformen mit Sattel- und Walmdächern, Sprossenfenstern und Klappläden orientiert.

Eine teilweise Abkehr von den fortschrittlichen Bauideen der Frühzeit kennzeichnet auch das o. g. Gebäude Frankenstr. 21. Der Architekt Hans Walter Reitz (1888-1955), seit 1921 selbstständig in Köln tätig, gehörte bereits zur Arbeitsgemeinschaft der Architekten „Gartenstadt Stadion“, die unter Leitung von Edmund Bolten(1882-1939) mit Ullrich Pohl und Heinrich Reinhardt (1883-1972) von Beginn an für die Planung der Siedlung in „neuzeitlicher Baugestaltung“ verantwortlich zeichneten. Hier mischt Reitz, der seit Mitte der 1930er Jahre konservativ baute, jedoch die kubischen Elemente des Neuen Bauens mit Formen und Details der traditionellen Architektur.

Das Backsteinhaus mit sehr flach geneigtem Walmdach – ein Zugeständnis der Bauverwaltung, die auf einheitliche Erscheinungsformen der Häuser mit Flachdächern Wert legte, an die Wünsche des Bauherrn – weist mit zweifarbigen Sprossenfenstern, Klappläden und Ziergittern in den Tür- und Fensterdetails Gestaltungsmerkmale eines Heimatstils auf, für den auch die ehemals mit Blei verglasten Buntglasscheiben der Obergeschossfenster bezeichnend waren.

Die Siedlung „Gartenstadt Stadion“ ist ein wichtiges baugeschichtliches Dokument für eine auch in politisch-historischer Hinsicht bedeutsame Phase der Architekturentwicklung in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, das den Umgang mit modernen Architekturideen in den 1930er Jahren spiegelt. Das Haus Frankenstr. 21 trägt als Teil der ursprünglichen Bebauung, eingebunden in umgebendes Grün, wesentlich zur Charakterisierung der Siedlung bei. Trotz Veränderungen im Inneren ist es dank seiner weitgehend originalen Erscheinung als unverzichtbares Objekt gerade auch im Zusammenhang mit den denkmalwerten Nachbarbauten Frankenstraße 2, 4, 6-8, 10, 12, 14, 16, 18 und 1, 17-19 sowie Statthalterhofallee 3 und 8 und Paul-Finger-Straße 13-21 und 18-26 unbedingt zu erhalten.

Referenz: 3657


Das Denkmal hat die Nummer 8554 und ist seit dem 3. August 2001 geschützt.

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