Kath. Pfarrkirche Herz-Jesu mit Anbauten

Zülpicher Platz, 50674 Köln - Neustadt-Süd
Errichtet: 1892-1900 und 1906-1909 (Turm)


Architekten: Dombaumeister Friedrich v. Schmidt (1825-1891)

      Heinrich von Schmidt (1850-1925)

 

  • ursprünglich dreischiffige,
  • neugotische Hallenkirche mit begleitenden Kapellen,
  • schmalem Querschiff
  •  basilikaler Chor mit Kapellenkranz;
  • Turm mit achtseitigem Glockengeschoß und Natursteinpyramide,
  • Turmuhr mit vergoldeten Ziffern und Zeigern (1979-84 Instandsetzung des Turms durch Hannsjosef Schäfer);
  • Werksteinfassaden mit reicher Bauskulptur;
  • Sattel- und Walmdächer.

 

1953-1957  Wiederaufbau in moderner Formensprache nach schweren Kriegszerstörungen

Architekten: Dombaumeister Willy Weyres (1903-1989)

      Wilhelm Hartmann (?)

unter Einbeziehung der erhaltenen, neugotischen Teile

  • Turm,
  • größtenteils Umfassungswände des Langhauses und des nördlichen Querschiffs,
  • Chorarkaden
  • Werksteinfassaden zum Teil mit alten Ziegelsteinen ergänzt,
  • einige Obergadenfenster durch Ausmauerung mit demselben Material geschlossen,
  • Seitenfenster zum Teil mit Farbverglasung nach Entwurf von Franz Pauli,
  • Eingangsportale am Zülpicher Platz mit Holztüren aus der Zeit des Wiederaufbaus.

 

Neugestaltung des Ostteils der Kirche durch Errichtung einer hallenartigen Chorpartie in Stahlbeton-Skelettbauweise.

  • Ostfassade - auch im Eckbereich des nördlichen Querhauses - mit Ziegelausfachung des sichtbar belassenen Betonrasters,
  • Fassade im Bereich des ehemaligen südlichen Querhauses durch nahezu vollständige Verglasung der Betonkonstruktion als fassadenhohes Fenster (mit hierin integriertem, heutigen Haupteingang) gestaltet,
  • Farbverglasung nach Entwurf von Willy Weyres,
  • originale Eingangstüren (Holz).
  • den gesamten Baukörper bedeckendes, dreischiffiges Faltdach (an der Ostwand eine Dreigiebelformation bildend).
  • unter Benutzung der Bogenstellung des ehemaligen Chores an die Ostfassade angegliederte Sakramentskapelle auf polygonalem Grundriß mit Zeltdach und Betonmaßwerkfenstern (Farbverglasung nach Entwurf von Willy Weyres);
  • hieran südlich anschließend eingeschossiger, im Grundriß stufenartig vorspringender Baukörper mit Flachdach (Vorraum zur Sakramentskapelle),
  • originale Verglasung und Eingangstüre;
  • straßenseitig von den eingeschossigen, winkelförmig angelegten Bauten von Sakristei und ehemaliger Pfarrbücherei (heute "Oase") eingefaßt.
  • hier Satteldächer,
  • Ziegelverblendung der Fassaden,
  • originale Fenster und Türen zwischen Sichtbetonrippen.

 

Denkmalpflegerisch relevante Innenausstattung und Innengestaltung:

Kirche:

  • Bodenbelag mit Kunst- und Naturstein;
  • zum Teil in Werkstein ausgeführte Fenstergewände,
  • Pfeiler (bzw. Dreiviertelsäulen) sowie Teile des Rippengewölbes im Stil der Neugotik.
  • mit reichem, plastischen Schmuck versehene, neugotische (ehemalige) Orgelempore in Werkstein
  • hell getünchte Umfassungswände,
  • Ostwand mit fensterartiger Öffnung zur Sakramentskapelle (Verglasung der Stahlbeton-Rahmenkonstruktion)
  • freistehende, die Dachkonstruktion und die angehängte Variantexfaltdecke tragende Rundstützen aus Stahl (Decke mit nachträglicher Holzverkleidung).
  • Orgel- und Sängerempore mit Holzbrüstung;
  • Sängerempore mit Treppenaufgang (Betontreppe mit Metallgeländer und Mipolamhandlauf).
  • stufenerhöhte Altarinsel mit Altartisch aus Dolomit,Seiten mit Metallgeländer;
  • über dem Altar angebrachter, silberner Cruzifixus von Hanns Rheindorf (1958 erworben);
  • Pietà aus Sandstein von Franz Albermann (ursprünglich im Turm).
  • Holzgehäuse der Orgel (1962), Bänke und Beichtstühle (helles Ahornholz),
  • Türen (KraStahl- bzw. Holz-Glas-Türen),
  • schmiedeeisernes Gitter (vor einer Seitenkapelle und vorm Zwischenjoch).
  • kranzartige Beleuchtungskörper am oberen Abschluß der Stahlstützen.

 

Sakramentskapelle:

  • zum Teil Werksteingewände der Spitzbogenfenster,
  • hell getünchte Wandflächen,
  • Holzverkleidung der Decke,
  • stufenerhöhter Altar aus Naturstein,
  • Tabernakel.

 

Vorraum zur Sakramentskapelle:

  • Wände in Backsteinmauerwerk mit darin eingelassenen, in Ton gebrannten Kreuzwegstationen (Bildhauer: Kiesgen);
  • Sichtbetondecke;
  • sogenannte Ravensberger Schutzmantelmadonna-Statue (geschnitzt von einem Münchener Künstler und hier 1967 aufgestellt,
  • Türen.

 

Bestandteil des Denkmals sind auch

  • die in ihrem Verlauf dem ursprünglichen Kirchengrundriß folgende, niedrige Backsteinmauer
  • das hier neu aufgestellte Herz-Jesu-Standbild aus Cordeler Sandstein von Alexander Iven (1902 geweiht, ursprünglich an der Scheitelkapelle)

 

Das o. g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Die Anlage der Kölner Neustadt, ab 1881 nach Plänen von Hermann Josef Stübben (1845-1936)durchgeführt und bedeutendste Stadterweiterung des Deutschen Reichs im ausgehenden 19. Jahrhundert, führte auch zur Errichtung mehrerer Kirchen jenseits der ehemaligen Umwallung.

Dabei ist die zunächst zur St. Mauritius-Pfarre der Altstadt gehörende Herz-Jesu-Kirche am Zülpicher Platz die älteste Kirche der Neustadt. Ihre Erbauung erfolgte - mit Unterbrechungen - 1892 bis 1900 nach Plänen des damaligen Wiener Dombaumeisters Friedrich Freiherr von Schmidt. Ausführung und Bauleitung lagen nach dessen  Tod (1891) bei seinem Sohn Heinrich von Schmidt, wobei der Turm erst 1906 bis 1909 errichtet werden konnte.

In neugotischem Stil und als dreischiffige Hallenkirche mit begleitenden Kapellen, schmalem Querschiff und basilikalem Chor mit Kapellenkranz erbaut, ist die ganz in Werkstein ausgeführte und mit reicher Bauskulptur versehene "kleine Kathedrale der Neustadt" generell - und besonders auch bei der heute zerstörten Chorpartie - dem Dom verpflichtet. Markantester Bauteil der Kirche ist der Turm, einer der bedeutendsten Turmbauten Kölns und der Rheinlande. Vom Langhaus deutlich abgesetzt, ist er mit diesem nur durch einen gelenkartigen, wenig gegliederten Zwischenbau verbunden.

Architektonisches Vorbild dieses über quadratischem Grundriß errichteten, sich in den Glockengeschossen zum Achteck wandelnden Turms mit einer wenig durchbrochenen Muschelkalk-Pyramide (heute Londorfer Basalt) als Abschluß, ist neben den Domtürmen auch der Turm des Freiburger Münsters.

Im zweiten Weltkrieg wurde die Herz-Jesu-Kirche stark zerstört. Nachdem 1945/46 zunächst eine Notkirche im Trümmerfeld erbaut wurde, erfolgte 1953-57 der planmäßige Wiederaufbau durch Dombaumeister Willy Weyres und Reg.-Baumeister Wilhelm Hartmann. Dabei sind die erhaltenen Teile - Turm, Umfassungswände des Langhauses, nördliches Querschiff und die Chorarkaden - in einen neuen Hallenbau mit einem dreischiffigen Faltdach auf Stahlstützen einbezogen worden. Während die beschädigten Stellen des alten Mauerwerks bewußt lediglich mit (alten) Ziegelsteinen ergänzt worden sind, setzt sich der komplett neu errichtete Ostteil der Kirche durch eine konsequent moderne Formensprache im Sinn der Architektur der 50er Jahre deutlich und bewußt vom Alten ab:

  • In der Breite des Querhauses entstand eine hallenartige Chorpartie in Stahlbeton-Skelettbauweise. Die fassadenartig gestaltete Ostwand, der Eckbereich des nördlichen Querhauses und die Wand des ehemaligen südlichen Querhauses werden dabei durch senkrechte Betonstützen gegliedert. In diese sind zurückgesetzt waagerechte Betonriegel eingebunden, woraus sich eine Rasterstruktur ergibt, die mit Ausnahme der verglasten, südlichen Querhauswand ganz mit Ziegeln ausgefacht worden ist.
  • Die Strenge der hohen Ostwand mit der markanten Dreigiebelformation mildert die reich gegliederte Sakramentskapelle, die hier unter Einbeziehung der erhaltenen Bogenstellung des ehemaligen Chorumgangs angefügt worden ist. Im Ganzen erfolgt, auch durch den Anschluß des im Grundriß stufenartig vorspringenden Vorraums zur Sakramentskapelle und den weiteren, winkelförmig angelegten Bauten von Sakristei und ehemaliger Pfarrbücherei, eine Staffelung der Bauteile zum Ring hin.

 

Auch im Inneren wird die Verbindung von Neugotik und moderner Formensprache aus der Zeit des Wiederaufbaus fortgesetzt. Das Kirchenschiff, wo sich die mit reichem, plastischen Schmuck versehene, ehemalige Orgelempore sowie einige Seitenkapellen erhalten haben, wird von einer heute holzverkleideten und auf Stahlstützen ruhenden Faltdecke überspannt. Ziel- oder Mittelpunkt - im Sinn der liturgischen Bewegung - ist der neu gestaltete Altarraum, der durch das große, farbig verglaste Sichtbetonfenster der Südseite in helleres Licht getaucht wird. Für diese neue Lichtführung war die Schließung der großen Südfenster notwendig gewesen. Hinter dem Altar öffnet sich die Ostwand in einem hohen, aus der Verglasung der Betonkonstruktion entstandenen Fenster zur Sakramentskapelle, um so eine enge Verbindung zu dieser herzustellen.

Die Herz-Jesu-Kirche, die mit ihrem im Schnittpunkt mehrerer Straßenzüge gelegenen Turm noch heute eine wichtige, städtebauliche Dominante bildet, ist nicht nur als bedeutendes Zeugnis der "Schule der Kölner Neugotik" ein unverzichtbares Dokument. Auch die durch Kriegszerstörung notwendig gewordene Neufassung der Kirche durch Willy Weyres und Wilhelm Hartmann in der inzwischen abgeschlossenen Bauepoche der 50er Jahre ist unbedingt erhaltenswert. Dabei sind Alt und Neu schon durch den Materialkontrast (Beton/Ziegel und Werkstein) bewußt voneinander abgesetzt worden. Dennoch nimmt der aus städtebaulichen Erwägungen heraus hochgezonte Ostteil der Kirche mit den auch gestalterisch wichtigen, senkrecht verlaufenen Betonstützen die für die (Neu-)Gotik charakteristische Betonung der Vertikale auf. Es handelt sich hier somit um einen gelungenen, bewußt nicht historisierenden Wiederaufbau in moderner Formensprache, der dabei die erhaltene Bausubstanz einbezieht und würdigt.

Referenz: 9589


Das Denkmal hat die Nummer 854 und ist seit dem 7. Dezember 1981 geschützt.

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