Finanzämter Köln-Altstadt und Köln-Süd

Am Weidenbach 2-6, 50676 Köln - Altstadt-Süd
Errichtet: zwischen Februar 1952 und April 1953


 Planung und Bauausführung: Finanzbauamt Köln (Oberregierungsbaurat Oswald Wilms, Architekt Rumpf).

Die drei Bürogebäude mit Anbauten erheben sich westlich der Kirche St. Pantaleon entlang der Straße Am Weidenbach zwischen der Friedrichstraße im Süden und dem Straßenzug Neue Weyerstraße im Norden in der südlichen Altstadt Kölns.

Baubeschreibung:

Es handelt sich um drei nahezu identische sechsgeschossige Baukörper in Stahlbetonfertigbauweise, die durch ein- bzw. zweigeschossige Anbauten miteinander verbunden sind. Die Gebäude zeigen ein sichtbares Raster aus dunklem Beton, das durch Windscheiben mit verputzten (bei Nr. 2: auch muschelkalkverkleideten) Wandflächen unterbrochen wird. Die Brüstungsbereiche sind mit gelblichen Riemchenklinkern gefliest, die eine vertikal betonte Struktur bilden. Das abschließende Flachdach steht umlaufend weit über, bzw. springt mit den zurückgesetzten Treppenhausachsen zurück. Jedes Rasterkompartiment weist eine nachträglich angebrachte Sonnenblende auf.

Die dreizehn Fensterachsen der Straßenfassade werden seitlich von einer mit Rauhputz versehenen Windscheibe gerahmt, daran schließt sich nach Süden jeweils eine zurückspringende Fensterachse an, die das über Eck liegende Treppenhaus belichtet. Die erneuerten und mit einer Brüstung versehenen Fenster sind zwei Achsen breit. Auch an der Südseite sind die Treppenhausachsen optisch abgesetzt, da diese Achse breiter und ohne vorstehendes Betonraster ausgeführt ist. Die ursprünglich dreiteiligen Fenster gingen bis auf den Boden, die dahinterliegenden Heizkörperradiatoren ersetzten die Brüstungen. Alle einfach verglasten Fenster mit schmalen Metallprofilen wurden inzwischen durch Doppelverglasungen und neue breitere Profile ersetzt. Die Treppenhausfenster bekamen zusätzlich geschlossene Brüstungen und eine veränderte Dreiteilung der Scheiben. Die zwei Achsen breiten Eingänge in die drei Gebäude liegen eingetieft in den linken Fassadenhälften und bestehen heute aus einer erneuerten zweiflügeligen Tür mit Oberlicht. Der Zugang in die Gebäude erfolgt über Treppenpodeste mit Natursteineinfassungen oder über nachträgliche Rampen.

Den Gebäuden sind jeweils im Westen eingeschossige Flachdachbauten vorgelagert, in denen sich die Kassenhallen befanden. Die nach Süden verglasten Verbindungsgänge sind beim Gebäude Nr. 4 zweigeschossig ausgeführt. Der Anbau an die Nr. 2 ist komplett zweigeschossig und gibt im Obergeschoss dem mit einem großen Oberlicht versehenen Kasinoraum Platz. Der von zwei Seiten sichtbare Anbau an Nr. 6 hat durch eine Abgrabung des Geländes ein freiliegendes Souterrain erhalten, in dem sich eine Wohnung befindet. Auch in den Kellergeschossen der Hochbauten befinden sich zwei weitere Kleinwohnungen. Die Gebäuderückseiten werden ebenfalls durch das Raster des Stahlbetonbaus strukturiert.

Die von der Straße Am Weidenbach abgewandte Grundstückshälfte ist völlig durchgestaltet und mit einer Hofstraße, einem Parkplatz und ursprünglich mit einem Wagenwaschplatz versehen gewesen. Sämtliche Grünflächen, die mit Büschen und Bäumen bestanden sind, werden von Bruchsteinmauern aus Grauwacke in unterschiedlichen Höhen eingefasst. Am höchsten ist dabei das den Parkplatz zur Neuen Weyerstraße abtrennende Stück.

Kunst am Bau:

Die nach Südosten ausgerichteten Wandflächen sind 1954 durch Bauzier hervorgehoben worden. In höhenversetzter Abfolge stellen die keramischen Reliefs von unten nach oben und rechts nach links gesehen Fische (Nr. 2), einen Baum mit Blättern (Nr.4) und fliegende Gänse und Schwäne (Nr.6) dar. Dabei ist an Gebäude Nr. 2 das Relief in Natursteinverkleidung eingesetzt, während bei den beiden anderen Bauten Putzflächen die Reliefs umgeben.

Innen: Die Raumabfolge des Gebäudes wird von einem Achsmaß von 1,75m bestimmt. So wurden beliebige Räume von rund 3,40m und 5,20m lichter Breite bei einer gleichbleibenden Tiefe von 5,00m zu beiden Seiten der Flure angeordnet. Die Mittelflure weisen jeweils eine einheitliche Breite von 2,50m auf. Im 1. Obergeschoss sind drei Sitzungssäle ursprünglich, die mit ihren vier Achsen über die normale Raumbreite hinausgehen. Nachträglich wurde in Gebäude Nr. 2 durch das Entfernen von Zwischenwänden zwischen Büros und zum Flur ein großer Schulungsraum (acht Achsen) geschaffen. Die übrigen Grundrisse haben sich original erhalten.

Der Bodenbelag der Treppenhäuser besteht aus Kunststein, die Treppen weisen Metallstabgeländer auf.

Begründung der Denkmaleigenschaft gemäß § 2 DSchG NW

Der aus drei Gebäuden bestehende Verwaltungskomplex Am Weidenbach 2-6 in Köln ist ein Baudenkmal im Sinne des § 2 Abs. 1 DSchG NW, da er bedeutend für die Geschichte des Menschen und für die Stadt Köln ist und für seine Erhaltung wissenschaftliche (hier: architekturgeschichtliche) sowie städtebauliche Gründe vorliegen. Damit besteht an seiner Erhaltung und Nutzung eines öffentliches Interesse.

Das Objekt ist bedeutend für die Geschichte des Menschen als Zeugnis für die Neuorganisation der staatlichen Behörden in einer Großstadt der jungen Bundesrepublik Deutschland nach Ende des Zweiten Weltkriegs. Das Land Nordrhein-Westfalen baute für drei Organe die Finanzverwaltung (Finanzämter Köln-Altstadt, Köln-Süd und Köln-Land) einen Gebäudekomplex mit getrennten baulichen Anlagen. Die Gebäudestaffelung sowie die Schrägstellung zur Straße lockerten die Baumassen auf und setzten damit neue Zeichen im Städtebau und in der Auffassung über die Gestaltung staatlicher Verwaltungsgebäude in der Wiederaufbauzeit nach dem Zweiten Weltkrieg.

Das Objekt ist bedeutend für die Stadt Köln, da es ein wichtiges Dokument der Neugestaltung der südlichen Altstadt ist. Dort wurde nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges mit dem Straßenzug Neue Weyerstraße – Rotgerberbach die große Verkehrsverbindung zwischen der Luxemburger Straße als südwestliche Radialstraße bzw. den Ringen (Salierring - Barbarossaplatz – Hohenstaufenring) und der Severinsbrücke (1958; über den Perlengraben) zum einen sowie der Deutzer Brücke (1948; über Blaubach, Mühlenbach, Malzmühle und Malzbüchel/Heumarkt) zum zweiten geschaffen. Dieser „Aufbruch“ der südlichen Altstadt basierte in der Straßenführung im wesentlichen auf dem Generalbebauungsplan von 1940; die Bebauung der neugeplanten Straßenzüge indes geschah in aufgelockerter Bauweise und damit in deutlicher Abkehr von dem Ideal der geschlossenen, teilweise monumentalen Blockrandbebauung der 1930er/40er Jahre.

Die drei Gebäude der Finanzämter Köln-Altstadt, Köln-Süd und Köln-Land dokumentieren diese für die Stadtplanung in Köln nach dem Zweiten Weltkrieg charakteristische Entwicklung.

Architekturgeschichtlich ist das Objekt ein wichtiges Zeugnis für einen modernen Verwaltungsbau der 1950er Jahre. Die Bauaufgabe, drei Finanzämter (Köln-Altstadt, Köln-Süd und Köln-Land) gleichrangig und unabhängig auf einem Grundstück unterzubringen, wurde geschickt gelöst. Die klar getrennten und dabei übersichtlich angeordneten Ämter sind durch kurze Wegeführungen besonders nutzerfreundlich. Die Schrägstellung der Gebäude führte nicht nur zu einer gelungenen städtebaulichen Lösung, sondern ermöglichte auch die gleichmäßige Ausrichtung der Räume nach (Nord) Westen und (Süd)Osten. Die Konstruktion aus Fertigbetonteilen ermöglichte eine wirkungsvolle Schlankheit der Stützen. Insgesamt handelt es sich um ein konstruktives System aus waagerecht und senkrecht gelenkig aneinandergefügten Traggliedern sowie sechs Windscheiben, von denen einige bis an die jeweils nächste innenliegende Stütze reicht und die nach außen verputzt oder bei Nr. 6 auch werksteinverkleidet in Erscheinung tritt.

Für die Erhaltung und Nutzung des Gebäudes liegen städtebauliche Gründe vor, weil der Gebäudekomplex das Erscheinungsbild der südlichen Altstadt von Köln, die mit der Verkehrsplanung der Nachkriegszeit in diesem Bereich neu strukturiert wurde, wesentlich mitprägt. Durch die Schrägstellung und Staffelung der Gebäude wird der Blick auf die mittelalterliche Kirche St. Pantaleon nicht verstellt. Die Schrägstellung der Finanzamtsgebäude korrespondiert mit der Schrägstellung der gegenüberliegenden Bebauung an der Straße Rotgerberbach, die die beiden Altstadtviertel ´Pantaleonsviertel und Griechenmarktviertel´ trennt. Durch die Freigabe der gegenüberliegenden, ehemals ummauerten Grünfläche für die Öffentlichkeit – die von vornherein mitgeplant wurde – entstand hier zudem ein offener Stadtraum.

Referenz: 1791


Das Denkmal hat die Nummer 8539 und ist seit dem 7. Mai 2001 geschützt.

Denkmal <Finanzämter Köln-Altstadt und Köln-Süd> bearbeiten
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