Pfarrkirche St. Joseph mit Gemeindezentrum

Braunstr. 29-35, 50933 Köln - Braunsfeld
Errichtet: 1952-1955


 

Architekten: Josef Bernard (1902-1959)

                    Rudolf Schwarz (1897-1961)

Glasfenster (1966-1969) von Georg Meistermann (1911-1990)

Aufbau
Nach Süden gerichteter Saalbau auf rechteckigem Grundriss in Nord-Süd-Richtung, gerader Abschluss; ziegelausgefachte Betonstützenkonstruktion. Abfolge quergerichteter Faltdächer in Stahlbetonskelettkonstruktion. Eingänge (Eingangsvorhallen) an beiden Längsfronten. Nach Osten freistehender Glockenturm als offenes Stahlbetongerüst. Im Westen gliedern sich Taufkapelle, Werktagskapelle und Sakristei, die ihrerseits um einen kleinen rechteckigen Binnengarten gruppiert sind, dem Hauptbau an.

Fassaden

Längsseiten:

Wände aus sechs Y-förmige Betonstützen, die sechs sechseckig-wabenförmige Oberlichter, die aneinandergereiht ein Lichtband bilden, tragen; gerahmte Sichtmauerwerkflächen in rotem Backstein; gleichmäßige Wandstrukturierung durch reliefartig erhaben gemauertes Kreuzmotive in Backstein. Im Altarbereich Überhöhung durch ein aufgesetztes Fenstersechseck, sowie gänzliche Verglasung der seitlichen Wandjoche. Im Westen: zwei vorkragende erkerartige Ausbauten (eingeschossig) in Backstein, flachgedeckt in Kupfer.

Fensterwaben:

Abgrenzung der einzelnen Waben durch kräftige vorkragende Vertikalstreben in Beton, Untergliederung durch weitere parallele Vertikalstreben in Beton; ehemals diagonal gegliederte, gleichschenklige Dreiecke bildende Metallsprossenteilung mit farblosen Scheiben; 1966-69 Einbau von Buntglasscheiben nach Entwürfen von Georg Meistermann (Entfernung der Diagonalsprossen zugunsten einer horizontalen Gliederung in Art eines durchgehenden Lichtbandes).

Stirnseiten:

Geschlossen; Wandaufbau durch vier nach unten verjüngte, bündig eingemauerte Wandpfeiler in Sichtbeton, die einen Querträger (Sichtbeton) stützen; Wandflächen in rotem Backsteinmauerwerk. Stirnwand nach Süden: im unteren Fassadenbereich Fensterzone (drei Rechteckfenster in Metall) zur Belichtung der Krypta.

Dach: aus der Form der sechseckigen Fensterelemente sich entwickelndes Dach in Gestalt eines quer zur Raumrichtung gelegten Stahlbetonfaltwerks (Abfolge quergerichteter Satteldächer).

Eingangsvorbau (Westseite):

Backstein, Betonsatteldach, kupfergedeckt; oberhalb des Eingangs vorgezogene Dachkante; zwei, von Betonpfeiler getrennte Eingänge mit Zweiflügeltüren in Holz; Gewände in Beton; Oberlichtverglasung in Metall, dem Verlauf der Dachform folgend, Metallsprossenteilung, Strukturverglasung.

Eingangsvorbau (innen):

Kunststeinbodenplatten, Wände z.T. verputzt, Decke in Sichtbeton, 2 Zugänge zum Saal, Zweiflügeltüren in Metall, verglast; Weihwasserbecken als Monolith in Naturstein.

Im Inneren:

  • Langgestreckter stützenloser Saal
  • Kunststeinbodenplatten
  • Wandstützen ehemals weiß gestrichen
  • verputzte Wände (ehemals blau gestrichen)
  • Decke (Betonfaltwerk) ehemals weiß gestrichen
  • Altarbereichon von den Längswänden gelöst und erhöht (5 + 1 Stufen)
  • Einfassung des Chorbereichs durch Geländer aus geschmiedetem Stahl mit Lebensbaummotiv.
  •  

    Ausstattung:

    Altar und Taufstein mit figürlicher Ausführung stammen von Rudolf Schwarz und vom Bildhauer und Kunstschmied Paul Nagel (*1925)

    vom Bildhauer Kurt Zimmermann (1910-1961)

     

      • Madonnenfigur , ursprüngliche Aufstellung im erhöhten Chorbereich, heute im Bereich des Sängerpodestes im Norden der Kirche
      • an den Seitenwänden horizontale und vertikale Gipsplatten mit Darstellung der Kreuzwegstationen (Kurt Zimmermann)

     

     

    vom Bildhauer Heribert Calleen(*1924) wertvolle Stücke mit hoher Symbolbedeutung

  •  Ambo (1974)
  • Tabernakelsäule
  • Kreuzstele und Altarkreuz (1977/78)
  •  

    von Elisabeth Treskow (1898-1992)

     

  • Tabernakel
  • Vortragskreuz
  • Leuchter 
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    Altarinsel:

     

    • von den Längswänden gelöst
    • Naturstein
    • Mensa von fünf monolithischen, nach oben sich verjüngenden Stützen aus Anröchter Dolomit getragen; z.T. mit Reliefs.

     

    Sängerpodest/Orgelempore (Norden):

  • Sängerpodest in Holzkonstruktion (Pendant zum Altarbereich)
  • Orgel: in der Mitte vor der nördlichen Stirnwand auf Betonpfeiler
  • die Orgel wurde von Seiffert
  • das Orgelprospekt von Rudolf Schwarz und Josef Bernard entworfen.
  •  

    Die gesamte Innenraumfassung  wurde nachträglich, im Zuge der Neugestaltung der Fensterzone durch Georg Meistermann (1966-1969), mit dunklem Anstrich der Decke und der Betonwandpfeiler ausgeführt.

    Krypta

    Zugang von der Kirche über Treppen beidseitig neben dem erhöhten Chorbereich

    • drei Rechteckfenster in Metall, Vertikalsprossen und Strukturglas
    • Kunststeinbodenplatten
    • Wände in Backstein
    • Decke in Sichtbeton
    • Altarbereich:
    • eine Stufe erhöht
    • zwei Backsteinpfeiler rahmen die Altarplatte aus Naturstein
    • Ausstattung
    • Gedenkplatte (Metall, getrieben), datiert 1948, zur Erinnerung an die Gefallenen der Gemeinde
    • zwei Holzskulpturen (aus dem Vorgängerbau).

     

    Anbauten

    Eingeschossige Bauten im Westen

  • Taufkapelle
  • Werktagskapelle
  • Sakristei
  •  

    Gruppierung um einen kleinen rechteckigen und begrünten Binnenhof

     

  • Zugang im nördlichen Bereich der westlichen Längsachse des Kirchensaals (in der Achse des Eingangsvorbaus)
  • Durchgang zu Taufkapelle und Werktagskapelle
  • Zweiflügeltür in Metall, verglast
  • flankierend je ein feststehendes Seitenlicht in Metall, verglast.
  •  

    Taufkapelle:

     

  • eingeschossiger Backsteinbau
  • kupfergedecktes Satteldach mit vorkragender Dachkante in Holz
  •  

    Innen

     

  • offener Dachstuhl in Holz
  • Wände verputzt
  • Kunststeinbodenplatten
  • nach Süden Halbrundapsis mit Taufbecken
  • über dem Taufstein hängend: Taube des Heiligen Geistes (Kupfer)
  • beidseitig der Apsis raumhohe Buntglasfenster, Metallsprossenteilung, Bleifassung: Johannes Langen ().

     

    Werktagskapelle

    Backsteinbau, bleigedecktes Satteldach mit vorkragender Dachkante in Holz

  • eingeschossig mit offenem Dachstuhl (Balkenkonstruktion) in Holz
  • langgestreckter Rechtecksaal
  • Kunststeinbodenplatten
  • nach Osten zum Innenhof hin
  • fünf von Betonstützen unterteilte Fenstereinheiten
  •  

    Zugang zum innenliegenden Garten

  • raumhohe, annähernd quadratische Fenster in Metall mit Sprossenteilung in Rautenform
  • Westwand verputzt
  • drei (nachträglich) eingefügte Beichtstühle in Holz
  •  

    nach Norden

  • im oberen Wand-/bzw. Bereich des offenen Dachstuhls, zwei quergelagerte rautenförmige Fenster in Holz
  • Ausstattung
    • Holzfigurengruppe von Wilhelm Albermann (1835-1913) aus der Vorgängerkirche

  • Madonnentafel mit künstlerisch gestaltetem Metallrahmen von Hildegard Domizlaff (1897-1982).
  •  

    Sakristei Backsteinbau

  • kupfergedecktes Satteldach mit vorkragender Dachkante (Holz)
  • zum Garten (nach Norden) fünf kleine Rechteckfenster in Holz
  • Inneres

  • Kunststeinbodenplatten im Flur
  • Riemchenparkett in den Räumen
  • verputzte Wände
  • Türen und Gewände aus Holz
  • Ausstattung

      Messingtüren des alten Tabernakels (in der Wand eingelassen)

     

    Garten im rechteckigen Innenhof

    Von Natursteinbodenplatten gefasster Rasen

  • Zierbeete im randlichen Bereich
  • Buschwerk
  • Kreuz von Heribert Calleen(*1924)
    • Naturstein; aus dem Stein gearbeitetes Relief mit der Darstellung des Gekreuzigten.

     

    Glockenturm

  • Offenes Stahlbetongerüst, gebildet aus vier sich verjüngenden Pfeilern
  • im oberen Bereich fünf durch Pfeilerstiegen erschlossene Rundpodeste mit Geländern aus geschmiedetem Stahl
  • oberer Turmabschluss durch Zusammenführung der winkelförmig geneigten Pfeilerenden
  • Bekrönung durch ein schlichtes Kreuz in Metall
  • Je Podest befindet sich eine an Querbalken aufgehängte Glocke.
  •  

     

    Der das Kirchengebäude umgebende Grünbereich mit Rasenflächen, vereinzelt plazierten Bäumen, Buschwerk und Zierbeeten ist Bestandteil des Denkmals.

     

    Die Pfarrkirche St. Joseph einschließlich des Glockenturms und der zuvor erwähnten Nebengebäude an der Braun-/Christian-Gau-Str. in Köln-Braunsfeld ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen, für Städte und Siedlungen ist, als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

    Ortsgeschichte:

    1862 wählte Ferdinand Braun ein unbebautes Gelände - aus heutiger Sicht etwa zwischen Aachener Str. und Kitschburger Str.gelegen - zur Errichtung einer Ziegelei. Aus den Wohnbauten für die Arbeiter des florierenden Betriebes entwickelte sich kontinuierlich eine größere Ansiedlung, die seit 1881 den Ortsnamen Braunsfeld führt. 1904 wurde der Vorgängerbau (dreischiffige tonnengewölbte Basilika) der heutigen Kirche fertiggestellt, der im Zweiten Weltkrieg dem schweren Luftangriff vom 30. Oktober 1944 zum Opfer fiel. Der spätere Erzbischof von Köln, Kardinal Josef Frings, war hier von 1924-1937 Pfarrer.

    1952 entschied man den Neubau der Josephkirche, mit dem die Architekten Rudolf Schwarz und Josef Bernard betraut wurden. Die nähere Umgebung des Kirchengebäudes ist geprägt durch zweigeschossige historische Bebauung des Ortszentrums im Norden des Kirchengebäudes, zwei- bis viergeschossige Nachkriegsbauten an der Allee Braunstr. und an der Christian-Gau-Str. und zweigeschossige Einfamilienreihenhäuser der Zwischenkriegszeit an der Wiethasestr.

    Architektonische Gestaltung:

    Die innerhalb einer großzügigen Grünanlage im Kreuzungsbereich Christian-Gau-Str./Braunstr./Wiethasestr. gelegene Josephkirche umfasst neben dem Kirchengebäude mit Glockenturm die im Bauverband stehenden eingeschossigen Kapellenbauten mit Sakristei.

    St. Joseph in Braunsfeld stellt sich als besonders wertvolle architektonische Lösung innerhalb des Spektrums der Kirchenneubauten der Zeit des "Neuanfangs" nach dem Zweiten Weltkrieg dar. Rudolf Schwarz entwickelt aus dem rhythmisierten Wandaufbau durch Wandpfeiler und der gleichförmigen Behandlung der Gadenzone mittels sechseckiger Fensterwaben, die ein Lichtband bilden, eine Abfolge, die dem stützenlosen und gerade geschlossenen Saal eine jochartige Struktur gaben. Der Addition von Wand- und Fenstereinheiten, die der Längsachse des Rechteckraums einen Rhythmus abstrakter Querachsen entgegensetzte, entsprechend, entwarf der Architekt eine Raumdecke aus quergelagerten Segmenten, die sich zu einem zeltartigen Faltwerk zusammenfügen (am Außenbau erscheint das Dach als Abfolge quergerichteter Satteldächer).

    Im Gegensatz zur Vereinheitlichung von Gemeinde- und Altarraum bei durchgehender Raumdecke wird der Rechtecksaal mit quer zur Raumrichtung gelegtem Stahlbetonfaltwerk durch die Überhöhung und Durchlichtung der Altarzone mit einer weiteren Fensterraute, durch die gänzliche Verglasung der Seitenwände sowie die Hochlegung des Altarbezirks um fünf Stufen, die der Altarinsel um eine weitere Stufe, zweigeteilt. Der traditionellen Lösung des Longitudinalbaus (Trennung von Gemeinde- und Altarraum) mit Ausrichtung des Raumes auf den Altar fügte Schwarz den - von ihm entwickelten und bezeichneten - Typus des "Stufenbergs" ein.

    Der Innenraum der "entdekorierten" Kirche (farblose Glasfenster, helle Wand- und Deckenputzflächen, zurückhaltende Beleuchtungskörper, sparsame Ausstattung) erhielt durch die Inszenierung konstruktiv-architektonischer Formen und Linien eine skulpturale, kristalline Steigerung. Die durch die sichtbare Konstruktion in Stahlbeton mit Backstein- und Glasausfachung entwickelte, sowie durch kontrastierende Großformen belebte Plastizität des Außenbaus erfuhr im Innenraum eine Steigerung durch die horizontale Reihung der Lichtzone und die vertikale Staffelung der Raumdecke. Der freistehende und somit in seiner Monumentalität gesteigerte Glockenturm markiert als skulpturales Bauwerk die zentrale Lage des Gotteshauses im Seelsorgebezirk.

    Die 50er Jahre, die erste Wiederaufbauphase nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs, sind als inzwischen abgeschlossene Periode des Bauschaffens Gegenstand wissenschaftlicher Betrachtung. Aus dieser Zeit verfügt Köln über eine Anzahl von Bauwerken von hoher baukünstlerischer und städtebaulicher Qualität. Die gestaltbildenden Qualitäten des Kirchengebäudes und der anschließenden zugehörigen Bebauung sind Ausdruck für das Bauschaffen der 1950er Jahre und vermitteln auch heute noch aussagekräftig die Bemühungen der Zeitgenossen auf der Suche nach neuen und kreativen Gestaltungsmöglichkeiten der Zeit.

    Das Kirchengebäude von 1952-1955 sowie die Nebenbauten sind als besonders qualitätvolle Lösung der Nachkriegsarchitektur innerhalb der in Einheit mit dem Gotteshaus gestalteten Gesamtanlage und einschließlich dieser unbedingt erhaltenswert. Als architektonische Schöpfung der 1950er Jahre und als Folgebauten kriegszerstörter Kirchen sind die Bauwerke unverzichtbare Dokumente der religiös-kirchlichen Tradition des Ortes. Durch die in den Jahren 1966-1969 von Georg Meistermann vorgenommene Umgestaltung des Kirchenraums mit vegetabil gegliederten Buntglasfenstern und dunklem Anstrich (mit Erneuerung und Veränderung der Sprossenanordnung) ist die Konzeption des ursprünglichen Raumeindrucks nicht mehr als Gesamtkunstwerk, sondern nur noch in ihrer Struktur erhalten geblieben.

    Trotzdem ist das katholische Kirchengebäude St. Joseph ein hochrangiges bauliches Zeugnis für die Neugestaltung der Architektur in Köln sowie im Ortsteil Braunsfeld nach dem Zweiten Weltkrieg, dessen Erhalt zum Verständnis der jüngeren Geschichte des 20. Jahrhunderts von herausragender Bedeutung ist.

    Referenz: 0800


    Das Denkmal hat die Nummer 8410 und ist seit dem 2. Juli 1999 geschützt.

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