Wohnhaus

Uferstr. 11, 50996 Köln - Rodenkirchen
Errichtet: 1928/29


Architekt: Theodor E. Merrill (1891-1978),

  • zwei bis drei Geschosse
  • kubisch gestaffelter Baukörper
  • Putzfassade
  • Stil: "Internationaler Stil", Funktionalismus, Bauhaus

 

Bauherr Prof. Richard Seewald (1889-1976)

Aufbau

  • verputzter, kubischer und gestaffelter Baukörper mit vorkragendem Flachdach 
  • rheinseitig niedrigerer Bauteil mit Balkon, von großer Dachterrasse überdeckt
  • rückseitig höherer Bauteil
  • seitliche Außentreppe zum Hauseingang im ersten Obergeschoss

 

Rheinseite

  • quergelagerte, dreiachsige Fassade
  • Seitenachsen mit jeweils
  • einem kleinen Erdgeschoss-Fenster
  • Balkontüren im Obergeschoss
  • mittig hochrechteckiges Obergeschoss-Fenster
  • Balkon und Dachterrasse mit originalem relingartigem Gitter
  • Boden neu gefliest
  • Terrasse mit nachträglichem verglasten Windfang aus Metall und Markisen

 

Südseite

  • rechts niedriger, vorspringender Bauteil mit originaler Garagentür aus Metall sowie ein Obergeschoss-Fenster
  • links hoher Bauteil mit achsial angeordneten zwei- bzw vierteiligen Obergeschoss-Fenstern
  • mittig Außentreppe mit Steinstufen und originalem Metallgeländer
  • im Treppenkörper quadratisches vergittertes Fenster mit farbigem Glas
  • hölzerne Haustür mit vergittertem Fenster

 

Westseite

  • zwei Achsen
  • im Erdgeschoss deriteilige Fenster
  • im ersten Obergeschoss
  • ein dreiteiliges
  • zwei hochrechteckige, vergitterte Fenster

 

Nordseite

  • rechts dreiteilige Fenster im Erdgeschoss und ersten Obergeschoss
  • mittig quadratisches vergittertes Erdgeschoss-Fenster und Tür (zugesetzt)
  • darüber langes Treppenhausfenster mit farbigem Glas
  • links dreiteiliges Erdgeschoss und ein schmales Obergeschoss-Fenster


Inneres

Innen original und weitgehend erhalten

  • Nutz-Räume imErdgeschoss (im Erdgeschoss Böden, Türen und Toilette erneuert)
  • Wohnräume im ersten und zweiten Obergeschoss
  • im 1.OG 4 originale Türen (teilweise wiederverwendet)
  • Heizkörper bzw. Heizkörperverkleidungen

mittig

  • Flur und Treppe mit Natursteinplatten

rheinseitig

  • die beiden ehemaligen Schlafzimmer mit
  • jeweils einem Bad (erneuert)
  • Riemenböden und originalen Einbauschränken

Zugang zum SO-Raum heute durch die Garberobe, von hier auch die Toilette zu betreten (erneuert)

rheinabgewandt

  • Speisezimmer mit Fischgrätboden (Wandmalereien von R. Seewald überstrichen)
  • Fliesenboden und originalen Einbauschränke in
  • Mädchenzimmer
  • Anrichte
  • Küche 

 zweites Obergeschoss

  • großes Wohnzimmer (nachträglich durch Glastüren vom Treppenhaus abgetrennt) mit
  • Fischgrätboden
  • Glastür
  • Fensterband zur Dachterrasse (Fensterbank erneuert)
  • Fensterband nach Süden
  • von Terrasse aus zugängliche Kammer

 

Die Fenster sind größtenteils erneuert.

 

Garten

  • schmaler, das Haus umgebender Grundstücksstreifen
  • Wege erneuert
  • rheinseitig alter Baumbestand vom ehemals hier gelegenen Park
  • von diesem auch die straßenseitige Einfriedung übernommen
  • verputzter Backsteinsockel und -pfeiler
  • Metallgitter

 

Das o. g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Das Gebäude Uferstr. 11 gehört zu einer Gruppe von Villen aus den späten 20er und frühen 30er Jahren dieses Jahrhunderts, die das sog. Rodenkirchener Künstlerviertel bilden

Architekten:

  • Theodor E. Merrill (1891-1978)
  • Hans Schumacher (1891-1982)
  • Joseph Op Gen Oorth (1895-1973)

 

Es handelt sich hier um ein städtebauliches Ensemble von außerordentlich hoher Qualität, das als Dokument der Architektur des "Neuen Bauens" nicht nur für die Stadt Köln, sondern für das gesamte Rheinland von wesentlicher Bedeutung ist.
Ablesbar ist an dieser Gruppe auch die Entwicklung der Gemeinde Rodenkirchen.Um die Jahrhundertwende entstanden südlich des alten Ortskernes am Rheinufer die ersten Villen, das räumlich anschließende Künstlerviertel gehört zur Erstbebauung eines alten, ehemals zu einem Landanwesen gehörenden Parkgeländes, von dem noch der alte, rheinseitige Baumbestand und die Einfriedungsmauer stammt.

Das Haus Uferstr. 11 war die erste in diesem Bereich Rodenkirchens im Stil des "Neuen Bauens" errichtete Villa.(Anm.  Allerdings war sie nicht, wie von Seewald in seinen Lebenserinnerungen behauptet, der erste Kölner Privatbau mit Flachdach, das Haus Reinhardt (Brückenstr. 11 in Rodenkirchen wurde z. B. schon um 1927 erbaut.)

Die Außengestaltung des Eckhauses ist auf die Ansicht vom Rhein bzw. von der Rathenaustraße hin konzipiert:

  • Die beiden, dem "Neue Bauen" verpflichteten kubischen Hausteile, sind als Gesamtheit nur von der Rathenaustraße wahrzunehmen. Indem auf dieser Seite der niedrigere Bauteil vorspringt, wird ein ausgewogenes Verhältnis zum höheren Hausteil hergestellt.
  • Der Mittelbereich mit dem Eingang dient dabei als Bindeglied, denn er entspricht in der Höhe dem niedrigeren und in der Mauerflucht dem höheren Bauteil.
  • Die vorgelegte Treppe und das vorkragende Terrassendach mit Geländer dienen zur zusätzlichen Verklammerung.
  • Rheinseitig tritt dagegen der höhere Bauteil nicht in Erscheinung; hier herrscht die strenge Symmetrie der Rheinfassade, deren senkrechte Tendenz durch den breiten Balkon und das auf dieser Seite ebenfalls vorkragende Terrassendach samt Geländer in ein ausgewogenes Verhältnis überführt wird.

Neben dem ausgewogenen Verhältnis der Baumassen und des Fassadenaufrisses überzeugt die funktionale, ganz auf die Bedürfnisse des Bauherrn und seiner Frau zugeschnittene Raumaufteilung mit

  • den hochwassergefährdeten Nutzräumen zu ebener Erde
  • den beiden Schlafzimmern mit Rheinblick
  • dem großen, ausgemalten Speisezimmer für gesellige Runden
  • dem noch größeren Wohnzimmer, das "sich auf eine große Dachterrasse öffnete, von wo man durch die Gipfel der Kastanien den gewaltigen Strom sah" (Seewald).

 

Die Ausrichtung der Wohnräume nach Osten und Süden und die großen Fenster, v. a. des Wohnzimmers, lassen viel Licht, Luft und Sonne ein, was ganz den Wünschen des zuvor am Golf von Salerno wohnenden Paares entsprochen haben dürfte. Das Haus entstand vermutlich aus der intensiven Zusammenarbeit des Bauherrn mit dem Architekten.

Der Bauherr Richard Seewald war als Maler, Schriftsteller und Leiter der Abteilung für Wandmalerei und Graphik an den Kölner Werkschulen ein bekannter Künstler. Da er auch kurzzeitig Architektur studiert hatte, stammte der ersten Entwurf des Neubaus von ihm selbst. Der auf Villenarchitektur spezialisierte Architekt Theodor E. Merill, der in Marienburg vor allem durch angloamerikanisch inspirierte Landhäuser von sich Reden machte, baute unter dem Einfluß Wilhelm Riphahns in der zweiten Hälfte der 20er Jahre Wohnhäuser im Stil des "Neuen Bauens". Das Haus Uferstr. 11 war die erste von ihm konsequent im "modernen Stil" errichtete Villa und nimmt damit in seinem Lebenswerk einen besonderen Stellenwert ein. Aus den o.g. Gründen ist das Haus Uferstr. 11 unbedingt zu erhalten.

Literatur: Richard Seewald: Die Zeit befiehlt, wir sind ihr untertan, Freiburg (1977), S. 203. Susanne Willen: Einfamilienhäuser im Stil des Neuen Bauens in Köln, Magisterarbeit Köln (1989), S. 34-36 und 143 mit weiterführender Literatur.

Referenz: 8777


Das Denkmal hat die Nummer 8375 und ist seit dem 12. November 1998 geschützt.

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