Villa

Leyboldstr. 33, 50968 Köln - Marienburg
Errichtet: 1950/51


 Architekt: Hans Schumacher (1891-1982)

im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft Besatzungsbauten (AGB) für die britische Besatzungsmacht errichtetes Gebäude

Freistehendes Wohnhaus auf rechteckigem Grundriß mit schräg nach außen gestellten Flügeln an der Gartenseite und quergestelltem (ehemaligen) Dienstbotentrakt mit anschließender Doppelgarage auf der Eingangsseite.

Das Haus liegt weit von der Leyboldstraße zurück im nördlchen Teil des etwa 5800 qm großen Grundstücks. Derzwei-geschossige verputzte Massivbau ist mit ziegelgedeckten Satteldächern versehen. Die Belichtung erfolgt an der Eingangsseite durch eine Reihe leicht stehender, nahezu quadratischer, Fenster (im Obergeschoß nicht original, im Erdgeschoß kleiner und vergittert) und an den Giebelseiten durch etwas größere zweiflügelige Fenster (ebenfalls erneuert). Zur Gartenseite durchbrechen große liegende Fenster (original) und Fenstertüren mit Unterlicht (original) die Hauswände.

Das Innere des Hauses verfügt über etwa 386 qm Wohnfläche, die im originalen Grundriß gegliedert ist.

  • Im Erdgeschoß befinden sich die großzügig angelegten Wohnräume: 
  • Wohnzimmer mit Kamin (etwa 67 qm)
  • Speisezimmer (etwa 33 qm)
  • Arbeitszimmer (etwa 29 qm)
  • Küche (etwa 25 qm)
  • Flure, WC und die Diele
  • Solnhofener Platten in der Diele und den Fluren.
  • Küche mit  schwarz-weiß in Schachbrettmuster verlegtem Fußboden
  • Wohnräume mit Parkett

 

Die beiden zum Obergschoß führenden Holztreppen (Haupttreppe in der Diele und Nebentreppe im Querbau) sind original

  • Das Obergeschoß beherbergt
  • Elternschlafzimmer (mit eigener Ankleide - dort Einbauschränke - und Bad)
  • vier Kinderzimmer
  • zwei Personalzimmer (oder Gästezimmer)
  • Bäder
  • in den Sanitärräumen Fliesenbelag
  • die Zimmer sind mit Teppichböden und PVC

 

 

Von dem Elternschlafzimmer und zwei weiteren Zimmern aus kann der Balkon betreten werden. Auf geschwungenem Grundriß erstreckt dieser sich über einen Teil der zum Garten gelegenen Langseite des Hauses sowie dem im stumpfen Winkel daran gesetzten Flügelbau. Das Balkongitter ist mit Flach- und Rundstäben in weicher Linienführung künstlerisch gestaltet: über die senkrecht und diagonal zwischen Fußboden und Handlauf gestellten Rundstäbe ist ein Wellenband, das sich rhythmisch weitet und verengt, gelegt.

Die darunterliegende Terrasse ist in einer weit geschwungenen S-Kurvenform mit Grauwackeplatten belegt.

Das Garten- und Parkterrain schließt im Süden an. Es dehnt sich großräumig in südöstlicher und südwestlicher Richtung aus und wird von der Leyboldstr. und der Militärringstr.begrenzt.

Begründung der Denkmaleigenschaft nach § 2 DSchG NW

Bei dem freistehenden Wohnhaus Leyboldstr. 33 in Köln-Marienburg handelt es sich um ein Denkmal gemäß § 2 Abs. 1 und 2 DSchG NW, da es bedeutend für die Geschichte des Menschen und für die Stadt Köln ist und für seine Erhaltung und Nutzung wissenschaftliche (hier: allgemein-, architektur- und stadtbaugeschichtliche) sowie städtebauliche Gründe vorliegen. Damit besteht an der Erhaltung und Nutzung des Objektes ein öffentliches Interesse.

Das Haus Leyboldstr. 33 ist bedeutend für die Geschichte des Menschen, da es als Wohnhaus für britische Offiziere besonders geeignet ist, politikgeschichtliche Zusammenhänge der jüngeren deutschen, europäischen und globalen Geschichte aufzuzeigen.

Historische Zusammenhänge auf globaler Ebene werden durch die Anwesenheit des britischen Militärs in Westdeutschland nach dem Zweiten Weltkrieg widergespiegelt. Die zunächst als Besatzungsmacht, dann aufgrund des Nato-Truppenstatus erfolgte Stationierung von ausländischen Streitkräften verweist auf die bis 1990 andauernde weltpolitische Lage der Teilung in zwei große Blöcke.

Das Wohnhaus Leyboldstr. 33 ist bedeutend für die Stadt Köln, da es Auskunft gibt über die Stadtentwicklung in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Die britischen Militärbehörden haben den Stadtteil Marienburg als bevorzugtes Wohnviertel für die höher gestellten Offiziere (und ihre Familien mit Dienstboten) gewählt, weil das großzügig angelegte Villenviertel mit seiner Bebauung von englischen Vorbildern geprägt war. Aufgrund dieses Merkmals hatten die Briten Marienburg bereits nach dem Ersten Weltkrieg für ihren Aufenthalt in Köln bestimmt.

Für die Erhaltung und Nutzung des Wohnhauses Leyboldstr. 33 liegen allgemeingeschichtliche Gründe vor, da es eine spezifische Aufgabe in der ersten Phase der Wiederaufbauzeit nach dem Zweiten Weltkrieg dokumentiert: die Beschaffung von Wohnraum für die Besatzungsmächte. Damit ist das Haus Dokument der oben angesprochenen politischen Verhältnisse in der Zeit nach 1945.

Für die Erhaltung und Nutzung des Wohnhauses Leyboldstr. 33 liegen architekturgeschichtliche Gründe vor, da es in seiner weitgehend erhaltenen Originalität ein typisches Beispiel für die von der Arbeitsgemeinschaft Besatzungsbauten für Köln-Marienburg gestellte Bauaufgabe in den frühen 1950er Jahren ist: je nach Zweckbestimmung und militärischem Rang wurden von Architekten, die durch eine Art engerer Wettbewerb vom Aufraggeber gefunden wurden, Spezial- und Grundtypen entwikkelt. Zu dem kleinen Kreis der beteiligten Kölner Architekten gehörten Paul Pott (1882-1966), Fritz Ruempler (1905-1983), Peter Friedrich Schneider (1901-1981) und Hans Schumacher (1891-1982). Die Aufgabe bestand darin nach bestimmten Anforderungsprofilen an das Raumprogramm Vorentwürfe zu liefern, ohne den konkreten Nutzer oder das Baugrundstück zu kennen. Hans Schumacher entwarf den für hochrangige Offiziere bestimmten Bautyp I in mehreren formalen Abwandlungen (Am Südpark 17, Lindenallee 46, Tiberiusstr. 1, 5 und 7). Zu diesem Bautyp I gehört das Wohnhaus Leyboldstr. 33. Sein architektonischer Wert liegt eben in einer solchen Umsetzung als Variante eines Typenbaus: mit seinen beiden sich zum Parkgelände öffnenden schräg gestellten Flügeln schafft das Gebäude eine Verbindung von Innen und Außen und ist die einzige Lösung in dieser Art.

Die Detailgestaltung z. B. des Balkongitters fand in der bauzeitgenössischen Architekturbesprechung Anerkennung (Baukunst und Werkform, Jg. 4, 1951, S. 29 - 34). Hans Schumacher legte bei aller Zurückhaltung vor ornamentalem Schmuck in der Fassadengestaltung auf die unterschiedlichen formalen Lösungen aus graphisch geschwungene, fein gezeichneten Linien bei den Balkonbrüstungen seiner Bauten besonderen Wert.

Für die Erhaltung und Nutzung des Wohnhauses Leyboldstr. 33 liegen stadtbaugeschichtliche Gründe vor, da der Neubau der frühen 1950er Jahre sich in die Struktur des Villenviertels einpaßt, den vorgegebenen Charakter respektiert und dabei eine eigenständige, in der Bauzeit moderne Lösung ist. Der Standort des Wohnhauses verweist auf den des Vorgängerbaus auf demselben Grundstück, die nach Plänen von Robert Perthel 1907 erbaute und 1935 abgebrochene Villa im englischen Landhausstil. Die großzügige Parkfläche zum Militärring hin zeugt noch von dem bis zur Entfestigung Kölns nach dem Ersten Weltkrieg geltenden Bauverbot in dem Rayon der preußischen Forts (hier: VIII b).

Für die Erhaltung und Nutzunbg des Wohnhauses Leyboldstr. 33 liegen städtebauliche Gründe vor, die mit den stadtbaugeschichtlichen Gründen eng verknüpft sind. Die städtebauliche Qualität ergibt sich aus den vorgenannten Gründen und ist auch in Zusammenhang mit anderen Besatzungsbauten in Marienburg zu sehen, die ebenfalls den großzügig angelegten, stark durchgrünten Charakter des bedeutenden Villenviertels bewahrt haben.

Referenz: 5701


Das Denkmal hat die Nummer 8332 und ist seit dem 10. Juni 1998 geschützt.

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