Postsiedlung

Dürener Str. 361-385, 50935 Köln - Lindenthal

Erbaut: 1949/50; Bauherr: Post-Bau- und Wohnungsgesellschaft mbH; Architekt: Karl Pütz; 31 zwei- und dreigeschossige Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 182 Wohnungen, überwiegend Zwei- und teilweise Dreispänner, Wohnungen größtenteils mit Balkon (heute Wintergarten); zwei eingeschossige Läden (Flachdächer);

Städtebauliche Anlage: nahezu rechteckige Siedlungsgrundfläche zwischen Stadtwald und Dürener Straße mit Siedlungsstraße (Dürener Straße 361-385), die eine nahezu rechteckige Binnenfläche umschließt; Gebäude als Einzelhäuser und Doppel- bis Viererhausgruppen in Nord-Südausrichtung, in versetzter Zeilenbauweise und weit von der Dürener Straße abgerückt errichtet; rahmende Gebäude an der westlichen u. östlichen Siedlungsgrenze dreigeschossig, ansonsten zweigeschossig; große Freiflächen; zwei Fußwege; Vorbauten an den Gebäuden Haus-Nr. 361 und 385: Läden mit Laubengang flankieren als "Siedlungseingang" die Zufahrt zum Siedlungsinneren;

Architektonisches Erscheinungsbild: ein Haus-Grundtyp für verschiedene Wohnungstypen (2- bis 4-Zimmerwohnungen): geriefter Sockel; Fassaden während Sanierungsarbeiten 1987-1992 mit 6 cm starken Dämmstoffplatten verkleidet, neu verputzt; Hochparterre; Satteldach; Balkone an der Westfront oder zumindest Südwestecke (Ausnahme: drei zum Stadtwald ausgerichtete Balkonachsen und beim an der Kurve gelegenen Gebäude Nr. 365 Balkone an der Ostfront); Holzfenster (größtenteils erneuert); Holzeingangstüren mit Verglasung (erneuert); Eingangsseite: symmetrische Front; Eingangs- bzw. Treppenhausachse (Sandsteineingangsrahmung mit schräger Laibung, darüber originale Laterne mit Hausnummer) flankiert von entweder einer oder zwei Fensterachsen (nur Dürener Str. 361 a-d besitzt Balkonachsen auf der Eingangsseite); Rückseite: Fenster- und Balkonachsen (Dürener Str. 361 a-d und 367 besitzen keine Balkonachsen auf der Rückseite); Balkone (verputzte Stahlskelettkonstruktion, geriefte Brüstung, einseitige Verglasung, Flachdach als oberer Abschluß) während der Sanierungsarbeiten zu Wintergärten umgebaut; Giebelseiten: entweder geschlossene Mauerfläche mit einem Dachgeschoßfenster oder vorkragende westliche Balkonachse, entweder eine oder zwei Fensterachsen sowie ein Dachgeschoßfenster; Im Inneren original erhalten: Grundrisse; Treppenhäuser: Terrazzoboden und -stufen, Geländer: Holzhandlauf, Metallstäbe; Eingangsbereich bis Hochparterre: im unteren Bereich grün marmorierte Wandfliesen, ansonsten Putz (erneuert); Wohnungstüren größtenteils;

Der umgebende Grünbereich mit der straßenseitigen Einfriedung entlang der Dürener Straße (niedrige Bruchsteinplattenmauer), den Einfriedungen entlang der Siedlungsstraße (Hecken), den großen Rasenflächen mit vereinzelten Bäumen und Buschbepflanzung, insgesamt die Grundrißstruktur einschließlich der beiden Fußwege im Westen ist Bestandteil des Denkmals.

Das o. g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Die Post-Siedlung Hohenlind (Dürener Straße 361-385) gehört zu den frühesten Kölner Siedlungen der Nachkriegszeit und ist die erste Siedlung der 1948 gegründeten Gemeinnützigen Post-Bau und Wohnungsgesellschaft Köln. Die Motivation zur Gründung der Gesellschaft und zum Bau der Siedlung läßt sich den Worten des damaligen Präsidenten der Oberpostdirektion (OPD) Köln Josef Baumhoff entnehmen, der 1954 im Rückblick bemerkte: "Tausende Postangehörige mußten mit Frauen und Kindern in elenden und menschenunwürdigen Löcher, Bunkern, Kellern usw., in denen auch der Robusteste auf die Dauer physisch und psychisch zugrunde gehen mußte, vegetieren."

Für die Siedlung wurde eine Fläche gewählt, die hohe Wohnqualität bot und heute noch bietet: Einerseits sorgen der direkt an die Siedlung angrenzende Stadtwald und der nah gelegene Grüngürtel für Erholung, andererseits gewährt die Dürener Straße eine gute Anbindung an die Stadt. Die städtebauliche Anlage der Siedlung schuf zudem selbst ein ruhiges Wohngebiet: die Bebauung beginnt durch Grünflächen abgeschirmt erst weit zurückgesetzt von der Dürener Straße, die Randbebauung ist dreigeschossig und eine eigene Siedlungsstraße erschließt das Siedlungsinnere. Die Nord-Süd-Ausrichtung der Gebäude wie auch die Lage der Balkone ermöglichen eine gute Besonnung der Wohnungen und tragen zu einer hohen Wohnqualität bei. Die versetzte Zeilenbauweise, die Variation von Einzelhäusern und Zweier- bis Viererhausgruppen sowie die starke Durchgrünung der Siedlung läßt erkennen, daß der Architekt Karl Pütz (1895-1978) dem damaligen städtebaulichen Leitbild der "aufgelockerten und gegliederten Stadt" folgte.

Typisch für solch frühe Nachkriegssiedlung ist, daß die Gebäude aus zementgebundenem Trümmersplit im Betonschüttverfahren errichtet wurden. Nicht selbstverständlich war es hingegen, daß damals bei "Behelfsausstattungen" Bäder in den Wohnungen vorgesehen waren, wie es bei der Siedlung Hohenlind der Fall war. Architektonisch überzeugt die Siedlung, da durch Einsatz einfacher architektonischer Mittel die Siedlung trotz schlichtester Bauweise nicht monoton wirkt - beispielsweise variiert der Ort der Balkonachsen bei den Häusern und lockert dadurch das Erscheinungsbild der Siedlung auf. Stilistische klingen noch Elemente der 1930er Jahre Architektur (Werksteineingangsrahmung, Laterne) nach. Aus den oben genannten Gründen sowie als wichtiges Werk im Ouevre von Karl Pütz, der schon 1930 für die OPD Wohnhäuser errichtet hatte und später noch eine weitere Siedlung für die Post-Bau- und Wohnungsgesellschaft entwarf, ist die Post-Siedlung Hohenlind ein unbedingt zu erhaltendes Denkmal.

Referenz: 3150


Das Denkmal hat die Nummer 8292 und ist seit dem 18. Mai 1998 geschützt.

Denkmal <Postsiedlung> bearbeiten
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