Wohnhaus

Alvenslebenstr. 11, 50668 Köln - Neustadt-Nord
Errichtet: 1909


Architekt: Hans Steinbüchel

Das Wohnhaus ist ein Baudenkmal, das im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Ortsgeschichtlich ist das o.g. Bauobjekt Zeugnis der zweiten Welle des Stadtausbaus Kölns nach seiner Erweiterung und Neuplanung um 1881. Im Zeitraum von 1900 bis 1910 stieg die Stadtbevölkerung von 367.000 auf 655.000 Einwohner, wobei das größte Wachstum auf das heutige Gebiet der Neustadt konzentriert war. Für die hier von 80.000 auf 124.000 in kurzer Zeit gestiegene Einwohnerzahl wurden 119.000 neue Wohnungen, meistens mit drei bis fünf Zimmern in vier- bis sechsstökkigen Miethäusern für gehobene Ansprüche, gebaut. Die zur Riehler Str. führende Wohnachse der Alvenslebenstraße ist als südliche Grenzanlage des Neusser Walls und so als eines von den letzten Fassadenzeichen des sogenannten Gerichtsviertels und der Neustadt überhaupt anzusehen.

Baukünstlerisch ist die original gestaltete, viergeschossige Wohnanlage mit Giebelgeschoß ein Beleg der Beheimatung der aus Süddeutschland kommenden Jugendstileinflüsse in der Kölner Architektur des beginnenden 20. Jahrhunderts. Der massive, zweistöckige Erker geht fließend in die Balkon- und Giebelzone über, die strengen, kubistischen Formen der zwei Hauptgeschosse sind unten und oben durch fügsam schlängelnde Wellenlinien der Fenster- und Dachlinien aufgeweicht. Der Spätklassizismus, der sich noch in den strengen, geometrischen Linien der Werksteinbeschmückung des Portals und in der Zusammenfassung des Fensters zeigt, bildet die Basis für neue, schwungvolle Formen und Ornamentik der Stürzfelder im oberen Bereich der maßvoll verzierten Stuckfassade. Die belebende, freie Geometriegestalt entfaltet sich dabei auch in der Sprossenteilung der Fenster (das oberste Drittel der Fensterhöhe) und in anderen Zeichnungen.

Einen besonderen Reichtum an kreativen Einfällen bietet das Hausinnere. Die Eingangstüre sowie einzelne Wohnzimmerabschlüsse wiederholen das grundlegende Muster der Fensterzeichnung und Fassadenornamentierung. Ausgesprochen stilgerecht und aussagekräftig ist die Eingangszone des Hauses gestaltet. Die Wandvertäfelung ist in Kassetten unterteilt, die sich auch an der Stuckdecke variiert wiederfinden. Der Kachelboden und die Wandwölbungen führen die Geometriemuster weiter, wobei sich die Sorgfalt des Gestalters um das passende Detail, z.B. auch in der Beleuchtungsdurchführung und bei anderen Realisationen des seltsam einheitlich aufgefaßten Interieurs, zeigt. Die Hinterfassade aus farbigen Klinkern ist zusätzlich durch eine vierstöckige Loggiabildung erweitert.

Städtebaulich fügt sich die o.g. Wohnanlage restlos in das vollständig erhaltene Straßenensemble ein. Die fortlaufende Firstlinie ergibt eine abwechslungsreiche und wirkungsvolle Fassadenzeile, in der jedes Haus nach Maß, Form und Material auf das benachbarte bezogen ist. Das Phänomen des Stilwandels ist nicht als Bruch zu der gewachsenen, bauhistorischen Einheit anzusehen.

Referenz: 1606


Das Denkmal hat die Nummer 811 und ist seit dem 3. November 1981 geschützt.

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