Wohnhaus

Mauenheimer Str. 59, 50733 Köln - Nippes

1916 - laut mündlicher Überlieferung nach Plänen von Stephan Mattar - errichtete Villa der frühen Moderne in der Tradition des Landhauses der Epoche "um 1800". Zweigeschossiger, auf rechteckigem Grundriß breit gelagerter Putzbau mit hohem, konkav ausschwingenden Walmdach.

Straßenseitige Fassade symmetrisch fünfachsig mit horizontalen Gliederungen durch Gurtgesims und breites, profiliertes Kransgesims; die Sprossenfenster sind im Erdgeschoß als hohe Rundbogenfenster gestaltet, im Obergeschoß als Rechteckfenster mit Schlagläden und dezentem Stuckdekor in den Brüstungsfeldern. Dreifache, leichte Betonung der Mittelachse: Im Obergeschoß ein auf starken Voluten-Konsolen ruhender Balkon mit aufwendig gestaltetem, schmiedeeisernen Brüstungsgitter, im Dachgeschoß eine große, dreifensterige Gaube mit rundbogigem, dezent stuckierten Giebel und vorgesetzter, balustradengeschmückter Balkonbrüstung, schließlich im First ein mit drei kleinen Rundbögen abschließender Kamin. Die Fenster der großen Gaube sowie zweier, symmetrisch flankierender, kleiner Gauben haben Sprossen in der Form kombinierter Andreaskreuze; diese charakteristische Sprossierung zeigen auch die übrigen Dachgauben des Hauses (drei an der Rückseite, je eine an den Seitenfronten).

An der Rückseite (Hauptgartenfront) ein über die ganze Breite des Hauses sich erstreckender, eingeschossiger, dreiachsiger Vorbau mit Veranda auf dem Flachdach, in der linken Achse verändert durch Ausbau eines kriegszerstörten Wintergartens; dort Reste der vom Wintergarten stammenden Bleiverglasung in die neuen Fenster integriert.

An der rechten Seitenfront der Hauseingang mit baldachinartiger, auf mächtigen Voluten-Konsolen ruhender, rundbogiger Überdachung und originaler Holztüre mit schmiedeeisernem Fenstergitter.

Im Inneren original erhalten: Im Windfang Verkleidung des unteren Wandbereichs und Fußboden in Marmor, zur Halle hin zweiflügelige Schwingtüre mit Fenstersprossen; in der großen, repräsentativen Halle Parkettboden, Eichenholzvertäfelung des unteren Wandbereichs, dekorative Holztreppe mit geschnitzten Wangen; alle Zimmertüren; Zimmerdeckenstuck (teilweise erneuert), in den Repräsentationsräumen des Ergeschosses aufwendiger, im Obergeschoß als Randprofilierung; im Kellergeschoß mit ehemaligen Kontor- und Wirtschaftsräumen (u.a. Waschküche mit alter Ausstattung) schwarzweißer Fliesenboden; Speisenaufzug.

Die Villa liegt inmitten eines durch Aufschüttung entstandenen Gartengeländes, das sich an der Straße um ca. 1,20 Meter über deren Niveau erhebt, dort von mächtigen, verputzten Stützmauern mit Pfeilern und schlichtem Stabgitter eingefriedet ist und zum Haus hin leicht ansteigt. Nahe der rückwärtigen Parzellengrenze stehen, parallel zur Längsachse des Hauses, sechs Linden aus der Zeit um 1920. Nach Südwesten hin ist der Garten durch eine Backsteinmauer eingefriedet; in diesem Bereich steht eine kleine Holzlaube mit quadratischem Grundriß und Walmdach, die nach mündlicher Überlieferung von einer Gartenbau-Ausstellung der Zeit um 1914 stammt. Die Vermutung, daß es sich um den Bestandteil einer Gartenanlage im Rahmen der Kölner Werkbund-Ausstellung von 1914 handelt, konnte noch nicht bestätigt werden.

Das Haus Mauenheimer Straße 59 ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Keimzelle des noch um die Mitte des 19. Jahrhunderts dörflichen, danach zunehmend industriell geprägten und 1888 nach Köln eingemeindeten Nippes waren die drei auf mittelalterliche Ursprünge zurückgehenden Mauenheimer Höfe, von denen allein der Altenberger Hof teilweise erhalten geblieben ist. Historisch bedeutsamer war der bis zur Säkularisation dem Stift St. Kunibert gehörende Fronhof, nach alten Pächter- ("Halfen"-) bzw. Eigentümer-Familien auch "Nohlen"- und "Contzenhof" genannt. Die Mauenheimer/Nippeser Linie der im Kölner Umland weit verzweigten Halfen-Familie Contzen hatte nach der Säkularisation den Hof erwerben können und verlegte sich seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zunehmend auf die Ziegelfabrikation. Ausdruck des dadurch gewachsenen Wohlstands und Selbstbewußtseins war bereits das um 1887 im Stil eines Renaissance-Palazzo gebaute Wohnhaus Mauenheimer Straße 75. Eine Generation später konnte die Familie für die Errichtung einer zweiten Villa an der Mauenheimer Straße mit Stephan Mattar - die Richtigkeit der mündlichen Überlieferung vorausgesetzt - einen um 1915 vor allem auf dem Gebiet des Sakralbaus sehr renommierten Architekten gewinnen.

Das Haus stellt - sowohl außen wie innen im wesentlichen unverändert erhalten geblieben - ein hervorragendes Beispiel der Kölner Villenarchitektur der frühen Moderne dar. An der Mauenheimer Straße setzt die in ausgewogenen Proportionen vornehm-ruhige Fassade des herrschaftlichen Gebäudes einen starken, städtebaulichen Akzent. Schließlich ist die Villa - Beispiel eines in Nippes sehr seltenen Haustyps - vor dem Hintergrund der Familiengeschichte ihrer Bauherren gesehen, ein wertvolles, sozialgeschichtliches Dokument.

Referenz: 6189


Das Denkmal hat die Nummer 802 und ist seit dem 27. Oktober 1981 geschützt.

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