Büro- und Geschäftshaus

Ludwigstr. 6, 50667 Köln - Altstadt-Nord

Erbaut 1953-55, Westdeutsche Landesbank Girozentrale (ehemals Rheinische Girozentrale und Provinzialbank Köln), Architekt: Hans Schumacher, Stahlbetonskelettbau auf annähernd rechteckiger Grundfläche mit rückwärtigen zweigeschossigen, einen Hof umschließenden Seitenflügeln (dem Straßenverlauf folgend leicht geschwungene Vorderfront). Fassade: 5 Geschosse und Staffelgeschoß, 7 Achsen, Flachdach, (Staffelgeschoß und vorgelagerte Terrasse 1969 in Einheit mit dem Erweiterungsbau nach Süden erneuert, Stahlkonstruktion mit Erweiterung nach Westen sowie Ausbau als Vollgeschoß durch Erweiterung der Geschoßhöhe um ca. einen Meter), Alt- und Neubau bilden nunmehr im Bereich des Staffelgeschosses eine gestalterische Einheit. Im weitgehend verglasten Erdgeschoß deutliches Stützensystem, in den Obergeschossen enge feingliedrige Rasterfassade, Verblendung durch Natursteinplatten (Muschelkalk) dem Rastersystem aufgelegte plastische Lisenengliederung, in den leicht zurückstehenden Brüstungselementen horizontal gereihtes, reliefartig in den Naturstein geriztes Rautenmotiv, die Lisenen bilden als Fassadenabschluß der Hauptgeschosse den Brüstungsbereich der dem Staffelgeschoß vorgelagerten Terrasse. Eingänge: In der linken Achse Eingangsnische mit halbrund vorkragendem Einbau einer Drehtüranlage in Aluminium-Eloxal (erneuert, ehemals Goldbronze). In der rechten Achse Durchfahrt zum rückwärtig gelgenen Hofbereich. Fenster, Erdgeschoß: die gesamte Befensterung erneuert, großflächige Verglasung in Metall, dreiteilige Schaufenster, Oberlichtbereiche geschlossen (ehemals geschlossener Brüstungsbereich in Metall). In den Obergeschossen Einscheibenfenster in Metall, erneuert (ehemals Holzfenster); Terrassenbrüstung: Metallkonstruktion, zwischen den Lisenen Brüstungsplatten in Metall; oberer Abschluß des Staffelgeschosses heute metallverblendet (in Einheit mit dem Erweiterungsbau) als breites, z. T. den Gebäudeabschluß überragendes Metallband. Rückseite: Sichtbetonraster mit Ausfachungen in gelbem Klinker (ehemals Brüstungsbereiche mit Putzflächen) beidseitig Treppenhausachsen. Rechte Treppenhausachse: Nischengliederung (vom 2.-5. Obergeschoß), großflächiges, vertikales, dem Rund des Treppenverlaufs folgendes konkav gewölbtes Fensterband, achtteilige Auflösung durch Betonsprossen mit Strukturglas, original. Linke Treppenhausachse: hochrechteckige großflächige Fenster je Geschoß, Metallfenster, erneuert. Fenster: innerhalb der Rasterfassade zu Dreiergruppen zusammengefaßt, Einscheibenfenster in Metall erneuert. In der linken Achse (Obergeschosse) vierteilige Fensterbänder je Geschoß, kleinteilige Einscheibenfenster in Metall erneuert.

Traufzone metallverkleidet, erneuert.

Seitenflügel: zweigeschossig, Seitenflügel links Verblendung in gelbem Klinker (nachträglich verändert), Seitenflügel rechts verputzt. Im Inneren: Grundrisse z. T. verändert, Durchbrüche zum südlich im Bauverband anschließenden Erweiterungsbau von 1969, Originalsubstanz der Interieurs sehr weitgehend verändert und entfernt. Haupttreppenhaus: Wendeltreppe um einen Schacht, dem nach Nord, Nordwest und Südost gerundeten Treppenhausraum entspricht das gerundete, dem Treppenverlauf folgende Fensterband; Stahlbetontreppe mit Natursteinbelag original, Geländer mit Stäben in Metall und Handlauf in Mipolam original, Geschoßpodeste mit Natursteinplatten original, zweiteilige Geschoßtüren erneuert (Metall, verglast). Nebentreppenhaus: Stahlbetontreppe mit Terrazzobelag, grün original, Geländer mit Stäben in Metall und Handlauf in Mipolam original, Podeste mit Terrazoplatten original. Ehemalige Kassenhalle: im Ganzen verändert: ehemals Großraum, heute z. T. durch mobile Einbauten verändert, originale Natursteinbodenplatten z. T. erhalten (unter Belag). In den Bürogeschossen: Böden in Estrich mit Teppichbodenbelag (ehemals z. T. Linoleumbodenbelag). Innentüren: zum großen Teil original in Holz, verglast, Türzargen in Metall, original, z. T. originale Fensterbänke (Natursteinplatten).

Der Neubau des Staffelgeschosses von 1969 ist nicht Bestandteil des Denkmals.

Das o. g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges entstanden in der Kölner Altstadt seit Beginn der 50er Jahre Neubauten, deren Gestaltung sich an der Parzellenstruktur und den Fluchtlinien des historisch gewachsenen Stadtgrundrisses orientierten. An der Ludwigstraße im Bereich der nördlichen Nord-Süd-Magistrale Tunisstraße liegt das fünfgeschossige Büro- und Geschäftshaus auf gestreckter, dem Straßenverlauf folgender Parzelle mit leicht geschwungener Vorderfront. Den Kreuzungsbereich zur Brückenstraße, parallel zwischen der Herzog- und der Hohe Straße prägt eine platzartige Situation mit altem Baumbestand sowie Grün- und Parkplatzbereich. Die Eckbereichsbebauung besteht aus dem fünfgeschossigen Dischhaus und dem Erweiterungsbau der Westdeutschen Landesbank von 1969 mit an der Gestaltung des historischen Gebäudes von 1953-55 anknüpfender Fassadenarchitektur sowie dem siebengeschossigen, die Ecke markierenden Bankneubau von 1976/77 mit horizontaler Geschoßgestaltung und erkerartig in den Straßenraum vorkragenden Obergeschossen. Der in Naturstein verblendete Hauptbaukörper über einem ganz in Stützen aufgelösten und weitgehend verglasten Erdgeschoß, wird durch die vertikale gleichmäßig gereihte Auflösung der Schauseite mit einscheibigen Öffnungen und die Achsen betonende Lisenen charakterisiert. Das Fassadenraster mit plastischer Flächenwirkung, additiver Struktur und Einheitsbefensterung kaschiert das hinterliegende Konstruktionsgerüst des Stahlbetonskeletts zugunsten einer eleganten grazilen Wirkung mit starker Vertikaltendenz. Nur im Erdgeschoß ist die Auflösung anhand des Stützensystems erkennbar. Die Umbaumaßnahmen von 1969 (in Zusammenhang mit dem südlich im Bauverband anschließenden Erweiterungsbau) haben zu einer marginalen Veränderung des Baukörpers und der Schauseite geführt. Ursprünglich erschien der vom Straßenraum erfahrbare obere Gebäudeabschluß in Gestalt der feinmaschigen Gliederung der Terrassenbrüstung (über das oberste Vollgeschoß geführte Lisenen mit zwischengestellten Brüstungen in Metall/Glas). Nach Neubau und vorgezogener Erweiterung des Staffelgeschosses ist diese, die vertikale Fassadenstruktur charakterisierende Einheit dennoch deutlich erfahrbar. Die Ausstattung der Interieurs ist im Verlauf der letzten vier Jahrzehnte z. T. verloren gegangen; Erweiterungsbauten von 1969 und 1976/77, die damit einhergehende Vereinheitlichung der Büro- und Geschäftsräume mit teilweiser Zusammenlegung der inneren Verkehrswege mittels Durchbrüche, sowie der Einbau moderner Technik zeugen vom Expansionsstreben des Bankinstituts und der Modernisierung im Geschäftsbereich des Bankgewerbes. Hervorzuheben bleibt die nahezu original überlieferte, großzügige und aufwendige Ausstattung des Haupt- und Nebentreppenhauses. Das Gebäude Ludwigstraße 6 veranschaulicht die Anfänge des Wiederaufbaus in der Kölner Altstadt. Der hohe städtebauliche und künstlerische Wert des Neubaus, der dem historischen Fluchtlinienplan folgt, liegt darin begründet, daß das Gebäude für den näheren Bereich der Minoriten-, Kolumba- und Herzogstraße die Maßstäblichkeit (z. B. Gebäudehöhen) für weitere Nachkriegsneubauten vorgibt. Hans Schumacher, einer der führenden Architekten des Wiederaufbaus in Köln hat mit dem Bankgebäude der Rheinischen Girozentrale in der Ludwigstraße ein äußerst qualitätvolles Bauwerk geschaffen, dessen künstlerischer Wert in der zeitgenössisch-modernen Rastergliederung begründet ist. Der im Stil der internationalen Moderne erscheinende Neubau von 1953-55 ist dem konstruktiven Entwurfsschema der Skelettarchitektur verpflichtet. Mittels der aufwendigen Verblendung der Schauseite in Naturstein wird die, seit historischer Zeit der Architektur des Bankenwesens eigentümliche Vorliebe für kostspielige Materialien befriedigt und eine der Institution entsprechende repräsentative Außenwirkung erzeugt. Die 50er Jahre, die erste Wiederaufbauphase nach den Zerstörungen des zweiten Weltkrieges, sind als inzwischen abgeschlossene Periode des Bauschaffens Gegenstand wissenschaftlicher Betrachtung. Aus dieser Zeit verfügt Köln über eine Anzahl von Bauwerken von hoher baukünstlerischer und städtebaulicher Qualität. Das Bankgebäude Ludwigstraße 6 ist wesentlicher Bestandteil der Altstadtbebauung nach dem Zweiten Weltkrieg und als charakteristische architektonische Schöpfung und individuelle Lösung des frühen Wiederaufbaus unbedingt zu erhalten.

Referenz: 5875


Das Denkmal hat die Nummer 8010 und ist seit dem 15. November 1996 geschützt.

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