Wohnhaus

Am Gibbelsberg 12, 50933 Köln - Müngersdorf
Errichtet: 1963


"Haus Riphahn"; freistehendes Einfamilienhaus mit umgebenden begrüntem Raum

Architekt: Wilhelm Riphahn (1889-1963)


Aufbau/Fassade

  • ein bis zwei Geschosse
  • Flachdächer
  • backsteinsichtig, weiß gestrichen
  • bewegter Grund- und Aufriss (fünfteilige Baukörperstaffelung bildet innere Funktionsbereiche ab)
  • dominanter zweigeschossiger Hauptbau (Bauteil I)

 

Straßenansicht (Westen)

Bauteil I

  • vergittertes Fensterband im Erdgeschoss
  • vier quadratische, regelmäßig angeordnete Fenster im Obergeschoss

Bauteil V

  • links der eingeschossige Garagenanbau (heute Büronutzung) mit gekoppeltem Fenster

(Bauteil III)

  • rechter Hand Bibliothekstrakt mit Dachaustritt mit Brüstungsmauer und originalem Metallgeländer

 

Nordansicht

Bauteil I

  • rechter Hand zweigeschossiger Hauptbau  mit einem großen und 4 kleinen quadratischen Fenstern in regelmäßiger Reihung (Obergeschoss

Bauteil V

  • dem Bauteil I vorgelagert (eine Bauflucht)
  • eingeschossige  Garage/Büro

Bauteil II

  • Eingangsbereich
    • mit vorgestuftem Windfang
    • flankiert von je 2 quadratischen Fenstern

Bautei IV

  • dem Geländeniveau entsprechend tiefer gelegener Küchentrakt mit
    • separatem Eingang
    • kleinen quadratischen Fenstern

 

Ostansicht

  • komplexe in der Tiefe verspringende Baukörperstaffelung von links nach rechts
  • Bauteil III
    • Bibliothek mit großem Fenster
    • Hauptbau (2 Fenster im OG) mit Kamin
  • Bauteil II
    • davor eingeschossig der Wohn- und Eingangstrakt mit breitgelagertem Fenster (erneuert)
    • davor Kellerabgang mit originalem Metallgeländer
    • rechts daneben
  • Bauteil IV
    • Küchen- und Essbereich mit später angebautem Wintergarten

 

Südansicht:

  • Hauptbau mit vorgelagertem Bibliothekstrakt links
  • eingeschossig schließt rechts Wohntrakt an (großflächige Fensteröffnungen), der eine Terrasse einfaßt
  • Fenster teilweise erneuert

 

Nicht Bestandteil des Denkmals sind

  • der abgewinkelte neue Garagenanbau
  • das teilweise veränderte Innere ist nicht Bestandteil des Denkmals.

 

 

Auf der von dem französischen Ingenieurgeographen Oberst Tranchot erstellten gleichnamigen Karte von 1807/08 ist Müngersdorf, das eine über 1.000 jährige Siedlungsgeschichte hat, in seiner durch die topographische Lage geprägten Dorfstruktur als bedeutende Ansiedlung zu erkennen. Nordwestlich von Müngersdorf erhebt sich, ebenfalls auf der Karte ablesbar, der "Gipfelsberg", dem die heutige Straße "Am Gibbelsberg" ihren Namen verdankt. Die heutige Belvederestr. (benannt nach dem im Stil des Klassizismus errichteten Bahnhofgebäudes, dem "Belvedere", an der 1839 eröffneten Teilstrecke der Köln-Aachener Bahnlinie), von der die Stichstraße "Am Gibbelsberg" in Richtung Osten abzweigt, verband Müngersdorf schon damals mit Widdersdorf und Bocklemünd.

Im Anschluß an die 1856 von Stadtbaumeister Julius Raschdorff (1823-1914) in Müngersdorf errichtete und bereits 1860 wieder geschlossene städtische Ziegelei sorgten Privatunternehmer für einen gewissen wirtschaftlichen Aufschwung (Bau von gedeckten Ziegelöfen und Ziegelschuppen). 1873 wurde im Zuge des Baus einer zweiten Fortlinie die Ringstraße (1906 in "Militärringstr." umbenannt) in Müngersdorf erweitert. Sie bildet auch heute noch eine deutliche Zasur am Fuß des "Gibbelsberg". Im Anschluß an die 1888 durchgeführte Eingemeindung Müngersdorfs nach Köln setzte ab der Jahrhundertwende eine rege Bautätigkeit (u. a. an der Militärringstr.Wendelinstr. und Belvederestr.) ein, die bis in die 30er Jahre reichte und nach dem 2. Weltkrieg erneut einsetzte, da die große Nachfrage nach Baugrund für Einfamilienhäuser im Bereich der zerstörten Stadtstruktur nicht ausreichend zu decken war.

Aus dieser letzten Bebauungsphase datiert auch das Haus "Am Gibbelsberg 10", das der bekannte Kölner Architekt Wilhelm Riphahn (1889 - 1963) errichtete. Riphahn darf neben Rudolf Schwarz (1897-1961) und Oswald Mathias Ungers (1926-2007) als einer der bekanntesten Kölner Architekten überhaupt gelten. Das Bauschaffen der 20er Jahre in Köln wurde vor Allem durch Riphahns Tätigkeit für die GAG entscheidend geprägt. Es entstanden Siedlungen, Privathäuser und Geschäftsbauten, die denen der Pratagonisten des "Neuen Bauens", wie Gropius, Haesler, Taut und May nicht nachstehen.

Nach dem zweiten Weltkrieg ist Wilhelm Riphahn ein Wiederaufbauarchitekt der ersten Stunde. Er war tätig als städtebaulicher Berater der Stadtbauverwaltung und als Mitglied der Wiederaufbaugesellschaft verantwortlich für große Teile der Neugestaltung Kölns. Als engster Berater von Rudolf Schwarz (1897-1961) verantwortete er die Neuplanung der Hahnenstr. (Altstadt-Süd), den Neubau der Oper und einer ganzen Reihe weiterer wichtiger städtebaulicher Großprojekte. Auch für die Belvederestr. hat Riphahn bereits 1946 eine Kleinhaussiedlung projektiert, von der dann nur das Haus Nr. 10 realisiert wurde. Gut 15 Jahre später errichtete Riphahn dann auf dem Nachbargrundstück sein eigenes Wohnhaus, das die letzte zu seinen Lebzeiten realisierte Planung werden sollte.

Entstanden ist ein komplex gestaltetes Ensemble unterschiedlich dimensionierter Bauvolumen, deren spannungsvolle, in der Höhe und Tiefe verspringende Komposition die unterschiedlichen Funktionsbereiche voneinander abhebt. War das Haus 1962 noch im wesentlichen in 3 Bauteile gegliedert, wobei der Eingangs- und Wohnbereich unter einem flachgeneigten Satteldach zusammengefaßt waren, so stellt sich der realisierte Bau in der Umrissform zwar wesentlich komplexer dar, erhält durch die vereinheitlichte Dachform und Fassadengestaltung jedoch eine den Gesamteindruck bestimmende Homogenität, die den Solitär aus der umgebenden Bebauung heraushebt.

 

Das o. g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen.

Referenz: 1656


Das Denkmal hat die Nummer 7980 und ist seit dem 29. Oktober 1996 geschützt.

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