Wohn- und Geschäftshaus

Brüsseler Str. 92, 50672 Köln - Neustadt-Nord
Errichtet: um 1904


  • fünf Geschosse,ausgebautes Dachgeschoß
  • auf annähernd rechteckiger Grundfläche mit rückwärtigem Seitenflügel, Satteldach
  • drei  Achsen
  • Stuckfassade
  • Stil: Jugendstil

 

Fassade

  • konsolgetragener Mittelerker auf rechteckiger Grundfläche mit abschließendem Ziergiebel
  • Erdgeschoß z.T. verändert
  • Eingang rechts mit geradem oberen Abschluß
  • Haustür erneuert, Metall, verglast mit Oberlicht
  • links weiterer Eingang zum Erdgeschoß mit geradem oberen Abschluß
  • originale Zweiflügeltür in Holz, Jugendstildekorationen, verglast
  • dekorative Fenstergitter in geschmiedetem Stahl
  • zwei weitere Eingänge nachträglich geschlossen, bzw. umgebaut zu Fenstern
  • Schaufenster erneuert (Kunststoff, sprossengeteiltes Oberlicht)
  • Fenster der Obergeschosse mit geradem oberen Abschluß
  • alle straßenseitigen Fenster erneuert (Kunststoff, Einscheibenfenster mit Oberlicht)

 

Rückseite

  • drei Achsen Vorderhaus
  • drei Achsen,Seitenflügel 
  • Backstein, rot
  • Gliederung durch Horizontalbänder in gelbem Backstein in Sohlbank- und Kämpferhöhe
  • Traufgesims
  • verputzt
  • in der Mittelachse leicht risalitartiger Vorbau auf rechteckiger Grundfläche
  • Balkone im Winkel von Vorderhaus zu Seitenflügel
  • originale geschmiedete Stahlbrüstungen
  • Hofzugang mit segmentbogigem oberen Abschluß
  • Hoftür in Holz, verglast, original erhalten
  • Fenster und Balkontüren mit segmentbogigem oberen Abschluß
  • alle rückseitigen Fenster und Balkontüren erneuert (Kunststoff, Einscheibenfenster mit Oberlicht)

 

Schmuckformen:

  • Hochparterre und erstes Obergeschoss: Quadermauerwerk in Stuck
  • konsolgetragener Mittelerker mit reichem Bauschmuck
  • Eckbetonung durch Widderköpfe
  • Schlußsteine mit eingestellten Adlern
  • Rundfries
  • abschließender Segmentgiebel
  • achsweise Zusammenfassung der Obergeschosse
  • konsolgetragene, von Löwenköpfen bekrönte Fensterverdachungen
  • Rundbogenblenden
  • Festons

 

Inneres

Im Inneren original erhalten

  • Vestibül
  • Terrazzobodenbelag, zweifarbig mit Mittel- und Eckbetonung und Bordure
  • stuckierter Wandsockel
  • Wand- und Deckenstuck, kassettiert
  • profilierter Abschluß zur Decke in Stuck
  • stuckierter Durchgang zum Treppenhaus
  • Treppenhaus
  • Terrazzotreppe
  • geschmiedetes Stahlgeländer
  • Handlauf in Holz
  • im Erdgeschoß, Terrazzoboden mit Bordure
  • bis ins erste Obergeschoss Marmortreppe
  • ab dem ersten Obergeschoss Terrazzotreppe
  • Wandsockel in Terrazzo
  • Podeste und Zwischenpodeste mit Terrazzoboden belegt
  • Podestunterseiten mit Deckenstuck
  • An der Unterseite der Treppe zumzweiten Obergeschoss wurde in jüngster Zeit ein Teil einer Wandmalerei freigelegt.
  • Wohnungseingangstüren mit sprossengeteiltem Oberlicht original (ausgenommen erstes, viertes Obergeschoss Dachgeschoss.

 

Wohnungen

  • In den Wohnungen
  • Wohnungsgrundrisse z.T. verändert
  • die geschoßweisen Wohnungen in Vorderhaus und Seitenflügel wurden geteilt
  • Holzdielenböden
  • im zweiten und dritten Obergeschoss Parkettböden in je einem straßenseitigen Wohnraum
  • Türen und Gewände zum großen Teil erhalten
  • Zweiflügeltür in Holz zu den straßenseitigen Wohnräumen original
  • vereinzelt sind die Stuckdecken erhalten.

Die rückwärtige Einfriedungsmauer in Backstein (nach Süden) ist Bestandteil des Denkmals. Der an der östlichen Hofbegrenzung angebaute Fahrradschuppen (faserverstärker Kunststoff) ist nicht Bestandteil des Denkmals.

Das o.g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen, für Städte und Siedlungen ist, als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Die von Hermann Josef Stübben (1845-1936) geplante Kölner Neustadt gilt als bedeutendste Stadterweiterung des Deutschen Reiches im ausgehenden 19. Jahrhundert. Im Zuge ihrer 1881 beginnenden Durchführung entstand westlich der Ringe zwischen Gladbacher Str. und Zülpicher Str.das sogenannte "Westend", ein gutbürgerliches Wohnviertel, dessen Stadtorganismus geprägt ist von vornehmen, meist mit reicher Fassadengliederung versehenen Mietshäusern. Die Brüsseler Straße, die im wesentlichen in den Jahren um die Jahrhundertwende bebaut wurde (Blockraster mit parzellärer Bebauung) liegt wie auch die angrenzenden Parallelstraßen Genter Str. (Neustadt-Nord)/Maastrichter Str./Antwerpener Str. und Lütticher Str. (Neustadt-Nord) im Geviert zwischen den Hauptverkehrsachsen Aachener Str. und Venloer Str., östlich der baumbestandenen Allee Moltkestr., im Westen begrenzt durch die Bahnlinie und den Grüngürtel und im Osten anschließend an den Hohenzollernring.

Das Mietwohngebäude, die quantitativ gesehen wichtigste neue Bauaufgabe der zweiten Hälfte des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts ist Bestandteil des Bauensembles der Neustadt mit vorwiegend vier- bis viereinhalbgeschossigen Häusern mit weit in den Blockinnenbereich ragenden Seitenflügeln und z.T. Hinterhäusern der Zeit des Historismus und des Jugendstils.

Mit weiteren anschließenden Wohnhäusern im Kreuzungsbereich zur Antwerpener Straße bildet das Haus Brüsseler Straße 92 eine Reihe reich dekorierter Schauseiten mit Erkervorbauten und Ziergiebeln. Trotz mancher Verluste an historischer Substanz zeigt sich ein für die Zeit um die Jahrhundertwende charakteristisches - historistisch-variantenreiches Erscheinungsbild der Fassaden viergeschossiger, auf mittelständische Kreise zugeschnittener Mietwohnbauten.

Das Gebäude Nr. 92 ist prägender Teil dieses Zusammenhangs: es zeigt sich als anspruchsvolle Variante des städtischen Wohngebäudes und verweist mit seiner breiten, individuell in Jugendstilformen dekorierten Schauseite auf den Sozialstatus seiner Erbauer und Bewohner. Aufgrund der weitgehenden Erhaltung der Originalfassade, der rückwärtigen Fassaden, des wertvoll gestalteten Eingangsbereichs und des Treppenhauses ist das Bauwerk für die Architektur der nördlichen Neustadt und als Dokument der Repräsentationsbestrebungen um die Jahrhundertwende von hoher Bedeutung . Die Häuserzeile der Brüsseler Straße setzt sich aus gestalterisch aufeinander bezogene Fassaden zusammen und bildet mit gleich proportionierten und variantenreich dekorierten Gebäuden ein Ensemble historistischer Architektur. Das Gebäude Nr. 92 ist für das Erscheinungsbild der Neustadt und als Zeugnis für die reiche städtisch geprägte Architektur der Jahrhundertwende ein wichtiger und unverzichtbarer Bestandteil.

Referenz: 2717


Das Denkmal hat die Nummer 7944 und ist seit dem 17. September 1996 geschützt.

Denkmal <Wohn- und Geschäftshaus> bearbeiten
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