Wohnhäuser

Stammheimer Str. 69-71, 50735 Köln - Riehl
Errichtet: 1956/57


Architekt: Werner Gaebel (1912 - 1981)

Doppelwohnhaus (links Zweispänner, rechts Einspänner)

  • vier Geschosse
  • sechs Achsen
  • Satteldach
  • gelbe Klinkerfassade

Bauherr: Colonia Kölnische Versicherungs-AG, insgesamt 15 Einheiten) für Angestellte der Colonia AG, in Nord-Süd-Erstreckung auf rechteckiger Grundfläche mit Treppenhausvorbauten

Straßenfassade

  • kleine Balkone an Haus Nr. 71
  • Treppenhausrisalite und Balkonbrüstungen in Sichtbeton
  • Rund- und Halbrundwabenelemente (Fertigbetonsteine) z. T. mit Buntglas
  • Eingänge jeweils in der Mittelachse, vierteilige Stahl-Glas-Konstruktion, original, z. T. mit innenliegenden Stahlgittern
  • Wetterplatte
  • Querrechteckfenster, zweigeteilt (ehemals asymmetrische Teilung) und Fenstertüren
  • alle straßenseitigen Fenster und Türen erneuert (Aluminium auf Holzrahmen gesetzt).
  • Rechts: Durchfahrt zu den rückwärtigen Garagen.

 

Rückseite:

  • gelbe Klinkerfassade, weit vorkragende Dachkante
  • sieben Achsen
  • Souterraingeschoß (Keller)
  • Untergeschoßaußenwand in Sichtbeton
  • zurückgesetztes Dachgeschoß mit vorgelagerter Terrasse
  • zurückgesetzte Außenwand im Dachgeschoß in Kalkputz
  • Terrassengeländer in Stahl mit Drahtdiffulitscheiben
  • Balkonloggien mit Stahlpfeilern gestützt
  • Loggiabrüstungen in Sichtbeton,
  • großscheibig verglaste querrechteckige Fensteröffnungen
  • im Dachgeschoß Rechteckfenster und -türen
  • alle Fenster und Fenstertüren erneuert (Aluminium auf Holzrahmen gesetzt)
  • Untergeschoß: kleine annähernd quadratische Fenster in Holz, original, geschmiedete Stahlgitter.

 

drei Garagen, überdachter Garagenvorplatz.

Im Inneren original erhalten:

  • Treppenhäuser:
  • Bodenbelag und Treppe in Kunststein
  • Geländer in Eisen
  • Handlauf Mipolam
  • Türen und Gewände in Holz original erhalten.
  • in den Wohnungen:
  • Grundrisse zum großen Teil verändert (Zusammenlegung bzw. Aufteilung von Wohnungen)
  • z. T. Linoleumbodenbelag, z. T. als Parkett erneuert
  • Türen und Gewände in Holz original
  • Fensterbänke als Natursteinplatten und in zweifarbigem Mosaikbelag
  • Kachelöfen, in den Küchen
  • z. T. originale Boden- und Wandfliesen.

Der straßenseitige Ziergarten mit niedriger Einfassung in Bruchstein und der rückwärtige Gartenbereich

  • Buschwerkinseln
  • Rasen und Bäume
  • Einfassungen und Wegeplatten in Grauwacke
  • verputzte Einfriedungsmauer mit Deckplatten

sind Bestandteil des Denkmals.

Das rückwärtig gelegene Garagengebäude (gelber Klinker, überdachte Zufahrt mit Glaskuppeln (ehemals Glasbausteine) ist nicht Bestandteil des Denkmals.

Das o. g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Der erstmals 942 bezeugte Ort Riehl war im Mittelalter eine dörfliche Ansiedlung mit stattlichen Hofanlagen. Nach großen Überschwemmungen und Zerstörung im Zuge des burgundischen Krieges fand das mittelalterliche Riehl 1474 ein Ende. Neuerrichtete, weniger umfassende Ansiedlungen entstanden in den folgenden Jahrhunderten. Politisch war Riehl im 19. Jahrhundert ein Teil der Bürgermeisterei Longerich und wurde 1888 nach Köln eingemeindet. In der Mitte des 19. Jahrhunderts hatte sich mit der Anlage des Zoos 1859/60 und der Flora 1862/64 das damalige Kölner Vergnügungsviertel 'Goldene Ecke' entwickelt.

Die ältesten erhaltenen Wohnbauten Riehls an der Hittorfstr., Stammheimer- und Boltensternstr. stammen aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde im südlichen Teil Riehls der Botanische Garten angelegt, um dieses Grüngebiet entstand in den 20er Jahren ein vornehmes Wohnviertel mit Villenbebauung. Die städtische Wohnungsbaugesellschaft GAG bebaute gleichzeitig die Freiflächen an Barbarastr. (Riehl) und Boltensternstraße mit großen Mietblöcken (Naumannviertel). Als jüngster Wohnbereich Riehls wurde in der Nachkriegszeit das Gelände zwischen Zoologischem Garten und Rhein erschlossen.

Die Stammheimer Straße mit ihren ältesten Bauten im nördlichen Abschnitt, den späten Gründerzeitbauten und repräsentativen Eingängen zum Botanischen Garten, zur Flora und zum Zoologischen Garten in ihrem südlichen Teil, veranschaulicht die städtebauliche Entwicklung des Vorortes Riehl: seit 1874 setzte die Bebauung ein (Nrn. 120 - 130), ab 1890 wurden neben diesen schlichten Mehrfamilienhäusern am südlichen Ende der Straße aufwendig stuckierte Bauten im Stil der Neurenaissance realisiert. An die für gehobene Ansprüche errichteten Mietwohnobjekte mit Vorgärten an der Stammheimer Straße nördlich des Riehler Gürtels schließen sich durch Gartengrün aufgelockerte aufwendige, zumeist zweigeschossige und freistehende Wohnbauten an.

Das viergeschossige Doppelhaus Stammheimer Str. 69/71 entstand nach umfangreichen Kriegszerstörungen zu Ende der 50er Jahre auf breiter Parzelle im Stil der traditionellen Moderne. Die Bauwerke zeigen mit Backsteinklinker verblendete Schauseiten, in den Erdgeschossen weitgehend verglaste, von zierlichen Wetterplatten geschützte und von Ziergärten gerahmte Eingangsbereiche, deren transparente Öffnungen sich in den Obergeschossen als sichtbetonverkleidete Risalite mit Rundwabenöffnungen fortsetzen.

Dem gehobenen Charakter des Wohnumfelds entsprechen die Gebäude Stammheimer Str. 69/71 in Stahlbetonskelettbauweise mit aufwendig gestalteten Fassadenflächen; die vertikalen Treppenhausvorbauten knüpfen an die Gestalt benachbart anstehender Gebäude der Gründerzeit mit Erkern, Risaliten und Ziergiebeln an (gegenüber die Nrn. 52 - 66, in der Zeile anschließend die Nrn. 73 - 79).

Einen horizontalen Akzent setzen die querliegenden Rechteckfenster und die vorkragende Dachkante. Eine plastische Durchbildung erfahren die geschoßweise durch horizontal gelagerte Fenster bestimmten Baukörper durch die Reihung von Rund- und Halbrundfensterelementen in den vertikalen Vorbauten, deren Anwendung als Fassadengliederungselement ein charakteristisches Gestaltungsmittel der Nachkriegsarchitektur darstellt. Bei der Nr. 71 setzen sich die Sichtbetonflächen als geschlossene Brüstungen kleiner Balkone auf annähernd quadratischen Platten fort.

Die 50er Jahre, die erste Wiederaufbauphase nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges, geraten als inzwischen abgeschlossene Periode des Bauschaffens immer mehr in das Interesse der Allgemeinheit. Aus dieser Zeit verfügt Köln über eine Anzahl von Bauwerken von hoher baukünstlerischer und städtebaulicher Qualität. Die zu Ende der 50er Jahre errichtete Großwohnanlage Stammheimer Str. 69/71 mit zeitcharakteristischen Gliederungselementen einer traditionellen Moderne markiert aufgrund ihrer qualitätvollen architektonischen Gestaltungssprache, d. h. der durch Plastizität und Transparenz angereicherten Fassadenarchitektur bereits eine Fortentwicklung der Nachkriegsmoderne, die das überregionale Bauschaffen der 60er Jahre einleitet.

Das Objekt Stammheimer Str. 69/71 ist für das Erscheinungsbild der Straße sowohl, wie als Zeugnis für die reiche Architektur im Ortsbereich Riehl und auch als bedeutende Anstrengung des Wiederaufbaus der Nachkriegszeit ein unbedingt erhaltenswertes Dokument der modernen Baukunst.

Referenz: 8304


Das Denkmal hat die Nummer 7937 und ist seit dem 19. August 1996 geschützt.

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