Wohn- und Geschäftshaus

Neumarkt 32-34, 50667 Köln - Altstadt-Süd
Errichtet: 1914 inschriftlich datiert über dem Eingang am Neumarkt links


 

Eckhaus Neumarkt/Pastor-Könn-Platz

Architekt: C. Bernhard (?-?) Inschrift im ersten Obergeschoss links am Pastor-Könn-Platz

 

  • drei Vollgeschosse, Attikageschoss, zurückversetztes flaches Staffelgeschoss (50er Jahre-Wiederaufbau)
  • 4 : 3 Achsen
  • werksteinverkleidete Fassaden


Fassade

  • Eingang am Neumarkt links
    • portalartig gerahmt
    • profilierte Einfassung
    • stilisiertes Beschlagwerk
    • plastischer Schmuck in Form zweier Eulen mit Früchtekorb)
  • Zugang zum Ladenlokal über Eck
  • vorkragende Geschoßgesimse
    • Attikageschoss
    • Staffelgeschoss
  • Erdgeschoss verändert
    • Mauerpfeiler nachträglich mit Werbetafeln verkleidet
    • laternenartige Wandvorlagen entfernt
    • Schaufenster erneuert
  • Kolossalordnung im ersten und zweiten Obergeschoss
  • Fenster
    • im ersten und zweiten Obergeschoss in Kunststoff (mit Oberlichtern)
    • im dritten Obergeschoss in Holz (50er Jahre-Sprossenfenster) erneuert
  • 1966 denkmalgerechte Fassadensanierung (teilweise Erneuerung)

 

Rückfront

  • Putzfassade
  • zwei : eine Achsen
  • Fenster in Kunststoff erneuert

 

Inneres

  • Innenausstattung: nach schwerer Kriegszerstörung (80%) 1948 wiederaufgebaut
  • Treppenhaus 1976 erneuert
  • neu verkleidet
    • Trittstufen
    • Stoßstufen
    • Podeste
    • Wände
    • Geländer erneuert

 

Nicht Bestandteil des Denkmals ist die eingeschossige Hofüberbauung.

 

 

Der Neumarkt ist heute als bedeutender Verkehrknotenpunkt und Geschäftszentrum einer der wichtigsten Plätze Kölns. Die Entstehung des "novus mercatus" geht ins 11. Jahrhundert zurück. Der Platz diente zunächst hauptsächlich als Vieh- und Pferdemarkt. Von den Preußen ab 1825 als Exzerzierplatz genutzt, parodierten die Kölner ab 1823 dieses militärische Zeremoniell hier mit den Rosenmontagszügen. Der wechselvollen Geschichte des Platzes entspricht auch die sich ständig wandelnde Platzrandbebauung. So mußten die klassizistisch geprägten Bauten der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts nach und nach der historisierenden Gründerzeitarchitektur - photgraphisch dokumentiert - weichen, die dann wiederum vielerorts noch vor dem ersten Weltkrieg durch eine Neubebauung im Geiste eines neuen Klassizismus ersetzt wurde.

Nur wenige markante Beispiele, die allerdings von überzeugender gestalterischer Qualität, haben die Zerstörungen des zweiten Weltkrieges überstanden. Zu nennen sind:

  • Ostseite, Ecke Schildergasse das ehem. "Seidenhaus Schmitz", erbaut 1914/15, Architekt: Hermann Pflaume (d.J.) (Neffe) (1869-1921)
  • Südseite das ehem. "Haus Bing", heute Gesundheitsamt, erbaut 1908 , Architekt: Heinrich Müller-Erkelenz (1878-1945)
  • an der Westseite das o.g. Objekt, erbaut 1914, Architekt: C. Bernhard (?-?) v

 

Die erwähnten Bauten sind vergleichbar mit

  • dem "Palatium" (heute Herrenausstatter Hansen), erbaut 1912, Architekt: Wilhelm Kreis (1873-1955)
  • dem ehem. "Warenhaus Tietz" (heute Kaufhof, erbaut 1914, Architekt: Wilhelm Kreis (1873-1955)
  • dem ebenfalls erhaltenen Olivandenhof (ehem. Möbelhaus May), erbaut 1913, Architekt: Hermann Pflaume (d.J.) (Neffe) (1869-1921)
  • dem ehem. "Kaufhaus Carl Peters" an der Breite Straße (heute Karstadt), erbaut 1911-14, Architekt: Carl Moritz (1863-1944)

 

Diese und weitere zeitgleich errichteten Geschäfts- und Verwaltungsbauten im Bereich zwischen Neumarkt, Alter Marktund Dom/Hauptbahnhof zeichnen sich alle durch eine besondere Betonung der Materialität aus.

So sind auch die beiden Schaufassaden des o.g. Objektes durch aufwendig gestaltete Werksteinfassungen charakterisiert. Die materialbedingt lastende Schwere der Fassaden wird durch Gliederungselemente klassizistischer Provenienz (Kolossalordnung, eierstabähnliche Fensterrahmung) einheitlich gestaltet, wobei

  • das Erdgeschoss durch die Arkatur großzügig geöffnet wird (öffentlich zugänglicher Bereich)
  • das erste und zweite Obergeschoss durch die Kolossalordnung zusammengefasst wird
  • das Attikageschoß, durch ein vorkragendes Kranzgesims deutlich abgesetzt, den oberen Abschluß bildet.

 

Das o.g. Objekt wurde 1914 anstelle eines klassizistischen Vorgängerbaus neu errichtet. Das werksteinverkleidete Gebäude war ursprünglich mit einem pyramidalem Walmdach mit Fledermausgauben versehen, das im zweiten Weltkrieg jedoch total zerstört wurde. Nach dem Krieg wurde stattdessen ein flaches Staffelgeschoß errichtet. Der platzbildprägende Bau betont als Eckbebauung die Platzwandöffnung des Neumarktes zur Apsis der romanischen Kirche St. Aposteln.

Vor dem Durchbruch der Hahnenstr. (Altstadt-Süd)(1938/39) im Verlauf der neu geplanten Ost-West-Achse verlief der Hauptverkehr am Neumarkt, von der Schildergasse kommend, entlang der Nordseite des Platzes, dann an St. Aposteln vorbei in Richtung Mittelstr. (Altstadt-Nord) bzw. Apostelnstr. In diesem städtebaulichen Zusammenhang kommt dem o.g. Objekt als Eckbau eine besondere Funktion zu. Die nahezu symmetrische komponierte Fassade bezieht sich folgerichtig gleichberechtigt auf den Neumarkt und den Pastor-Könn-Platz.

Als integraler Bestandteil der Bebauung des Neumarktes veranschaulicht das o.g. Objekt aufgrund seiner, abgesehen vom Dach, weitgehend intakten äußeren Gestaltung die städtebauliche Entwicklung in der Zeit unmittelbar vor dem ersten Weltkrieg, in der in Köln eine Reihe hochrangiger Bauten entstanden, von denen nur wenige den zweiten Weltkrieg überstanden haben und für das Verständnis der städtebaulichen Zusammenhänge unverzichtbar sind.

 

Das o. g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen.

Referenz: 6609


Das Denkmal hat die Nummer 7932 und ist seit dem 19. August 1996 geschützt.

Denkmal <Wohn- und Geschäftshaus> bearbeiten
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