Fassade des Verwaltungsgebäudes

Marzellenstr. 21, 50668 Köln - Altstadt-Nord
Errichtet: um 1912


Deutsche Reichspost - Postscheckamt (= zweiter Erweiterungsbau des Postscheckamts)

auf annähernd rechteckiger, nach Osten leicht konkav gewölbter Grundfläche

 

  • vier Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß
  • neun Achsen
  • Tuffsteinfassade
  • Stil: Neo Klassizismus mit barockisierenden Fassadendetails

 

Fassade

  • schiefergedecktes Mansardwalmdach (erneuert und verändert)
  • die konkav geschwungene Schauseite wird gerahmt durch
    • leicht vorspringende Eckrisalite (ehmals mit segmentbogig schließenden Ziergiebeln)
    • zum Teil paarweise zusammengefassten und übergiebelten Fenstern
  • Rechteckpilaster auf hohen Sockeln und mit ionischen Kapitellen in Art der Großordnung fassen die drei Obergeschosse zusammen und gliedern die Fassade.
  • Eingang links mit
    • korbbogigem oberen Abschluß
    • Eingangssituation verändert: anstelle der ehemaligen Einfahrt heute nurmehr Zugang zum Erdgeschoss
    • sieben-stufige Treppe in Kunststein erneuert
  • Erdgeschoss mit Rundbogenfenstern
  • in den Obergeschossen Fenster mit geradem oberen Abschluss
  • alle straßenseitigen Fenster erneuert
    • Holz
    • Einfachverglasung mit zusätzlich angebrachten Kastenfenstern in Doppelverglasung
    • Mittelteilung
    • Oberlichte
    • Sprossenteilung

 

 

Seit der Erbauung des Zentralbahnhofs und der damit verbundenen Anlegung der Bahnhofstraße kurz nach der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde das westlich des Bahnhofs bis zu St. Andreas sich erstreckende Gelände in hohem Maße mit Bankgebäuden, Hotels und Gaststätten bebaut (1860 Gebäude des Schaafhausenschen Bankvereins). Im Zuge dieser eingreifenden Baumaßnahmen in der historischen Altstadt wurde der, dem Bahnhofsgebäude und den Gleisanlagen nach Westen vorgelagerte Bereich der Altstadt den architektonischen und stadtplanerischen Vorstellungen der Gründerzeit zu Anfang des 20. Jahrhunderts folgend, umgestaltet. Die überlieferte kleinteilige Parzellenstruktur wurde aufgehoben, die Bausubstanz, die in Resten aus mittelalterlicher Zeit überkommen, in der Hauptsache allerdings aus dem 19. Jahrhundert stammte, wurde zum Teil aufgegeben und zugunsten groß dimensionierter und reich gestalteter Großgebäude mit neoklassizistischen Schaufassaden - darunter monumental beherrschende und wertvoll ausgestattete (Palast)-Hotelbauten-, umgestaltet.

In den beiden ersten Jahrzehnten des neuen Jahrhunderts entstanden an der Marzellen- und Bahnhofstraße(heute: Dompropst-Ketzer-Str.) großzügig angelegte Gebäudekomplexe anstelle der verhältnismäßig bescheidenen Gebäude auf kleinteiligen Parzellen

zum Beispiel

  • Excelsior Hotel Ernst 1910
  • Fürstenhof 1912
  • Deichmannhaus 1913/14

 

In diesem Zusammenhang wurde 1911/12 in unmittelbarer Nachbarschaft zu Hauptbahnhof und Kathedrale, zwischen den Verkehrsachsen An den Dominikanern/Tunisstr. und Ursulastr. (Altstadt-Nord) und dem Hauptbahnhofsgebäude, das Reichspostgebäude in der Marzellenstraße errichtet.

Weitere Verwaltungsgebäude der Nachkriegszeit

  • Gebäude der Hauptpost aus den 1950er Jahren
  • Gebäude der Darmstädter- und Nationalbank, 1923/24, heute Sozialgericht
  • fünf- bis sechsgeschossige Bürohäuser aus jüngster Zeit
  • historische Einzelbauwerke (ehemaliges Jesuitengymnasium (Nr. 32)
  • St. Maria Himmelfahrt

                                                                       prägen heute das Erscheinungsbild dieses Altstadtbereichs.

 

Da die Rückfassade durch neuere An- und Umbauten sowie das Innere aufgrund durchgreifender Modernisierungen in Einheit mit Veränderungen der Grundrisse keine dem Ursprungsbau von 1911/12 entsprechende Originalsubstanz aufweist, konzentriert sich die Schutzwürdigkeit auf die Fassade an der Marzellenstraße.

Diese Schauseite ist in dreierlei Hinsicht von herausragender Bedeutung für die Architektur der Altstadt:

  • 1. ) die breitgelagerte neunachsige Fassade folgt in ihrer konkaven Wölbung dem überlieferten, gekrümmten Straßenverlauf
  • 2.) die beiden Gebäude Marzellenstr. 13 - 19 und 21 bilden ein Ensemble unterschiedlicher Bauabschnitte und Stilphasen in
    • Geschosszahl
    • Geschosshöhe
    • Fassadenmaterial
    • Format der Öffnungen
    • der besonderen Betonung des Erdgeschosses mit
    • deutlichem Stockwerkgesims bei dem historischen Gebäude
    • vorkragender Dachkante der Ladenzeile des 50er-Jahre-Gebäudes
  • 3.) drittens durch die Fassadengestaltung in Tuffstein im Nebeneinander großer, lebhaft kontrastierender

           Einzelmotive und durch die überdimensionalen Pilaster

Schmuckformen

  • konkav gewölbte Fassade in Naturstein
  • Erdgeschoss und Risalite mit Horizontalfugenschnitt
  • im Erdgeschoss
    • Rundbogenfenster mit volutenartigen Keilsteinen
    • kräftiges Stockwerkgesims
  • Fassadengliederung in Art der Großordnung
    • Rechteckpilaster auf hohen Sockeln mit abschließenden ionischen Kapitellen
    • in den Eckrisaliten konsolgetragene Sohlbänke und paarweise zusammengefaßte Fenster mit waagrechten- und Dreieckverdachungen
  • im zweiten Obergeschoss abwechselnd Dreieck- und Segmentbogenverdachungen
  • in der Mittelachse zwischen erstem und zweitem Obergeschoss im Brüstungsbereich Kartusche mit Wappenschild und Reichsadler
  • profiliertes, vorkragendes Traufgesims

 

Die Fassade dokumentiert im Gegensatz zu dem sehr weitgehenden Verlust der Innengestaltung des Gebäudes überkommene Bau- und Dekorationsformen in der historischen Altstadt Kölns. Sie ist als Dokument für die reiche Architektur der Kölner Altstadt und als Bestandteil der Stadtkultur der Gründerzeit im Deutschen Reich ein gebautes Denkmal unseres Jahrhunderts und somit ein wertvoller Bestandteil der städtischen Baukunst in Köln.

 

Die o.g. Fassade ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen.

Referenz: 6135


Das Denkmal hat die Nummer 7915 und ist seit dem 18. Juli 1996 geschützt.

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