Wasser- und Schiffahrtsamt Köln

An der Münze 8, 50668 Köln - Neustadt-Nord
Errichtet: zwischen 1903 und 1906/1939/40 Anbau eines Luftschutzkellers


Villa

erbaut  durch die städtische Bauverwaltung für die Preußische Rheinstrombauverwaltung als Wasserbauinspektion.

 

  • zwei Geschosse, Souterrain
  • vier Achsen
  • Putzfassade mit Basaltsockel und Werksteinverkleidung

 

Fassaden/Aufbau

  • Eckerker
  • Zwerchhausgiebel
  • Risalit
  • Werksteinverkleidung im Erdgeschossbereich und Erker
  • ziegelgedecktes Dach
  • schieferverkleidete Dreiecksgiebel
  • Tür- und Fensteröffnungen Erdgeschoss
    • rund- bzw. segmentbogig- Ausnahme: hochrechteckige Nebeneingangstür
    • die Sturzbereiche mit Wellenschnitt verziert
  • hochrechteckige Fensteröffnungen in Obergeschoss und Giebel mit Stürze versehen mit Zickzackfries
  • die beiden rechten Achsen
    • vorgezogen
    • einem geschweiften Giebel versehen
  • an der rechten Gebäudeecke ab dem Obergeschoß ein polygonaler,zwei-geschossiger Eckerker mit
    • verschiefertem Glockendach
    • belichtet von drei Fensteröffnungen pro Geschoss
  • Erker und Giebeleinfassung mit
    • Werkstein verkleidet
    • Wellenschnitt verziert
    • im Giebeldreieck  Werksteinrelief mit  Reichsadlerdarstellung
  • in der linken der vorgezogenen Achse originale rundbogige Eingangstür (einflügelig)aus Holz mit
    • Beschlagwerk
    • hochovaler Fensteröffnung
    • einer Türklinke in Seepferdchenform
    • Sandsteinrahmung der Tür mehrfach profiliert mit
      • Schlussstein
      • darüber ansetzendem horizontalen Gesims
      • einem Okulus
  • einflügelige hochrechteckige Nebeneingangstür an der linken Gebäudeseite
    • mit Sandsteinrahmung
    • oberes Drittel der Holztür  durchfenstert
    • hölzerne Verdachung auf Steinkonsolen

 

Bunker

  •  
    • an der Gebäuderückseite in den 40er Jahren angebauter eingeschossiger Bunker
      •   mit einem bis auf Sohlbankhöhe des Erdgeschosses reichenden Erdhügel bedeckt

 

Aufgrund der Luftschutzbestimmungen des "Dritten Reiches" wurde ein Kellerraum in der Südostecke des Hauses zu einem Luftschutzraum ausgebaut. Hierzu wurden

  • sämtliche Wände innen durch 0,65 m starke Ziegelwände verstärkt
  • eine Schleuse mit Gasschutztüren eingebaut
  • das Fenster mit Splitterschutzklappen versehen und gleichzeitig zu einem Notausstieg umfunktioniert

 

Gleichzeitig wurde an die Ostseite des Gebäudes ein sogenannter Erdbunker angebaut, der vom Luftschutzraum aus zugänglich ist und einen rückwärtigen Ausgang aufweist. Seine Bodenplatte und die Außenwände sind 1,50 m dick, die Deckenplatte weist 2,86 m auf. Die Grundfläche des Schutzraumes innerhalb des Bunkers beträgt lediglich 7 qm.

 

Inneres

  • weitgehend erhaltener originaler Grundriss
  • im Eingangs- und Treppenhausbereich des  Erdgeschosses zweiflügelige Abtrennungstüren mit Oberlicht 
  • im Erdgeschoss und ersten Obergeschoss erhalten
    • originale, kassettierten Türlaibungen
    • eine Vielzahl der originalen Türen
  • Treppenhaus
  • durch die Nebeneingangstür direkt erreichbar
  • originale Treppe mit
    • Terrazzostufen (heute zum Teil mit Linoleum belegt)
    • hölzernem Balustergeländer
    • Holzhandlauf
  • im Mansardgeschoß (teilweise zu Wohnzwecken genutzt) eine originale Zimmertür

 

Neben dem Gebäude hat sich auch die originale Einfriedung zur Straßenseite erhalten. Sie besteht aus einem Basaltsockel und Stützpfeilern aus großen Quadern mit heller Verfugung. Die dazwischenliegenden schmiedeeisernen Gitter sind mit Fischmotiven verziert. Das zweiflügelige Eingangstor ist im Sockelbereich ornamental gestaltet.

 

Nicht Bestandteil des Denkmals ist die im Norden des Grundstücks liegende Garage.


Die Kölner Neustadt ist die seit 1880 geplante und seit 1881 von Stadtbaumeister Hermann Josef Stübben (1845-1936) ausgeführte Stadterweiterung, die sich halbkreisförmig um die seit damals so benannte Altstadt legt. Sie umfaßt das Gebiet zwischen den inneren und äußeren Wallstraßen.

Der neugeschaffene Stadtteil ist nicht einheitlich, sondern eine Abfolge verschiedener Wohnviertel, die trotz Kriegszerstörungen ihren städtebaulichen Reichtum bewahrt haben. Dazu gehört auch das "Gerichtsviertel" rund um das Oberlandesgericht am Reichenspergerplatz, in dem auch die Straße An der Münze liegt.

Die Anfänge der zentralisierten Wasserstraßenverwaltungen liegen im 18. Jahrhundert, als nach Beendigung des 7-jährigen Krieges dem Wasserbaumeister Bilgen vom preußischen König die Direktion des Klevischen Wasserbaus (Duisburg bis zur Grenze) übertragen wurde. Nach den napoleonischen Kriegen wurde der Wasserbau an der preußischen Rheinstrecke ab 1816 den Regierungen in Köln, Düsseldorf und Koblenz übertragen, die mit den anfallenden Arbeiten die neueingesetzten Wasserbauinspektionen in Köln, Düsseldorf, Koblenz, Xanten und Rees beauftragten. 1950 wurde eine zentrale Rheinstrombauverwaltung mit Sitz in Koblenz geschaffen.

Durch einen Vertrag von 1903 zwischen der Stadt Köln und dem preußischen Staat gelangte das Grundstück An der Münze 8 durch Tausch in den Besitz der Wasserbauinspektion. "Mit Rücksicht auf Ihr Interesse an dem dauernden Vorhandensein einer Wasserbauinspektion in Cöln und an der Unterbringung der Geschäftsräume dieser Bauinspektion an einer für den Verkehr günstigen Stelle, möglichst nahe dem Rheinufer", übernimmt die Stadt "die Erbauung eines Geschäftsgebäudes mit einer Dienstwohnung für den Wasserbauinspektor".

Das Gebäude ist ein typischer Verwaltungsbau dieser Zeit. Noch dem malerischen Stil verhaftet, der durch die unregelmäßige Fassadengestaltung Form gewinnt, wirkt es doch durch seine insgesamt massigen Bauvolumen und die Verwendung von Natursteinbossen auch repräsentativ-dominant. Diese Mischung von Leichtigkeit und Machtanspruch zeigt sich auch in dem preußischen Adler-Relief am Giebel und der Verzierung von Türklinken und Vorgarteneinfriedung mit Seepferdchen und Fischen.

Das noch heute vom Wasser- und Schiffahrtsamt Köln genutzte Gebäude An der Münze 8 ist bedeutend für die Geschichte der Stadt Köln. An der Erhaltung und Nutzung des Gebäudes besteht aus wissenschaftlichen - hier architektur- und verwaltungsgeschichtlichen - Gründen ein öffentliches Interesse.

Referenz: 1835


Das Denkmal hat die Nummer 7755 und ist seit dem 26. Januar 1996 geschützt.

Denkmal <Wasser- und Schiffahrtsamt Köln> bearbeiten
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