Wohnhaus

Bayenthalgürtel 49, 50968 Köln - Marienburg
Errichtet: 1926


Hälfte eines Doppelhauses

Architekt: Hans Schumacher (1891-1982)

  • zwei Geschosse
  • graugrüne Putzfassade

 

Das Halbhaus Bayenthalgürtel 49 ist Teil des Doppelhauses Bayenthalgürtel 49 - 51. Es ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Das Doppelhaus wurde laut Grevens Adreßbuch 1926 für den Bauunternehmer Franz Fischer (Haus Nr. 49) und den Metzger Josef Seffen (Haus Nr. 51) errichtet. Das Hauptgestaltungsmerkmal des zweigeschossigen, verputzten Gebäudes ist die klare, kubische Form, die durch zwei seitliche, erdgeschoßhohe Anbauten zur Straße breit gelagert erscheint. Der äußere und innere Aufbau der Doppelvilla ist vollkommen symmetrisch. Die jeweiligen Eingänge liegen zu beiden Seiten der Symmetrieachse des Hauptkubus, wie sich auch die Fenster symmetrisch über die glatte Putzfläche verteilen.

Fenster und Türen sind hell gerahmt und mit dunklen Schlagläden versehen, deren Farbkontrast sich effektvoll von der umgebenden graugrünen Putzfläche abhebt. Der schmiedeeiserne, expressionistische Dekor beider Eingangstüren ist die einzige und daher besonders hervorgehobene Schmuckform der Fassadengestaltung. Ansonsten sind die Fenster mit zwei Horizontalsprossen sehr zurückhaltend gegliedert.

Den Hauptkubus schließt eine weit vorkragende Platte ab, die das mit Gauben besetzte, sehr niedrig gehaltene Walmdach dem Blick weitgehend entzieht.

Zur Rückseite des Hauses wird der Grundriß durch terrassierte, erdgeschoßhohe Anbauten mehrfach gestuft, wobei durch eine pergola-artige Terrasseneingrenzung die viereckige Grundform wiedergewonnen wird. Ein Horizontalband aus Pergola-Riegel, Terrassengesimsen und Eingangsvordächern umfaßt so unter Einschluß aller Bauteile weiträumig den Hauptkubus.

Im Inneren des Hauses ist im Erdgeschoßgrundriß die dreifache Staffelung von Wohn-, Herren- und Speisezimmer zum rückwärtigen Terrassengarten ablesbar. Eine Holztreppe mit schneckenförmigem Handlauf, zurückhaltend gestalteten Türen, Heizkörperverkleidungen und schlichten Deckenrand-Stuckleisten weisen auf das unprätentiöse Stilgefühl des Architekten Schumacher hin.

Durch die Vielzahl seiner im originalen Zustand erhaltenen Bauten zählt Marienburg zu einer der geschlossensten Villen-Kolonien in Deutschland. Aus historischer Sicht gehört der Vorort zu einem der besterhaltenen Gebiete der Stadt Köln, da er, anders als die sonstigen Bereich der Stadt, im Krieg weitgehend von Zerstörungen verschont blieb. Ihre über die Grenzen Kölns hinaus reichende Bedeutung erhält die Villen-Kolonie durch den von Camillo Sitte (1843-1903) angeregten, einheitlichen Bebauungsplan und der Fülle der herausragenden Architekturbeispiele.

Die Besiedlung erfolgte in offener Bauweise mit Villen und herrschaftlichen Häusern entlang geschwungener und gerader Straßen. Die Bebauung Marienburgs beginnt um die Mitte der neunziger Jahre des 19. Jahrhunderts und ist im wesentlichen gegen Ende der zwanziger Jahre unseres Jahrhunderts abgeschlossen. Damit läßt sich über einen Zeitraum von etwa 40 Jahren an einer Fülle hervorragender Beispiele die Entwicklung der Architektur vom ausgehenden Historismus über den Jugendstil, den Expressionismus und verschiedene Zwischenstufen bis hin zur Moderne verfolgen. Unter den Architekten finden sich zahlreiche namhafte Persönlichkeiten - die Bauherren sind oft bedeutende Kölner Bürger.

Joseph Maria Olbrichs (1867-1908) reifste Leistung - die Villa Feinhals - entstand hier

Namen wie

  • Paul Bonatz (1877-1956)
  • Otto March (1845-1913)

sind mit Marienburg eng verbunden, aber auch viele Kölner Architekten wie

  • Dominikus Böhm (1880-1955)
  • Franz Brantzky (1871-1947)
  • Theodor E. Merrill (1891-1978)
  • Emil Mewes (1885-1949)
  • Carl Moritz (1863-1944)
  • Wilhelm Riphahn (1889-1963)
  • Emil Schreiterer (1852-1927)
  • Paul Pott (1882-1966)
  • auch Hans Schumacher.

 

Durch diese konzentrierte Anordnung herausragender Villenarchitektur entstand ein Ensemble, das in dieser Geschlossenheit in Deutschland nur noch in den Berliner und Münchener Villenvororten anzutreffen ist.

Die Villen Marienburgs sind zudem stets als Gesamtkunstwerk verstanden worden, mit einer Einbettung in eine große Parkanlage, im Inneren mit Wandmalereien und Holzvertäfelungen und häufig mit einem für das Haus entworfenen Mobiliar. Die Doppelvilla Bayenthalgürtel 49 - 51 ist als historischer Bau ein wichtiger Bestandteil des baulichen und, wegen seiner Gesamtplanung, auch städtebaulichen "Ensembles Villenvorort Marienburg". Da das Bauwerk zudem in lebendigem Kontrast die Architekturentwicklung zur Moderne dokumentiert, ist es, als Bestandteil der architektonischen Vielfalt, für das Erscheinungsbild Marienburgs unverzichtbar.

Die Doppelvilla von Hans Schumacher ist in ihren ausgewogenen Proportionen und in der sorgfältigen Durchbildung der Details ein Gebäude von großer, künstlerischer Qualität und Bedeutung. Das Bauwerk ist ein Frühwerk des Architekten, das unübersehbar Stilelemente seiner späteren Bauten vorwegnimmt. Dazu gehören vor allem das Spiel mit der kubischen Form, die durch Fenster- und Türöffnungen mit Schlagläden gestaltete, flächige Putzfassade und das durch Dachabschluß und Kubenabtreppung gebildete Horizontalband. Die Symmetrie des Gebäudes ergibt sich aus der Zusammenfügung beider Haushälften, die wiederum mit raffinierten Architekturelementen (Pergola) zu (Grundriß-)Quadraten geformt werden. Gewürdigt wurde die Qualität des Bauwerks neben anderen Frühwerken in Heft 9 des ersten Jahrgangs der "Westdeutschen Bauschau" 1926.

Der 1891 geborene Kölner Architekt Hans Schumacher gehörte zu den Protagonisten der Moderne in Köln und hat mit vielen seiner Bauten große Anerkennung gefunden. International bekannt wurde er durch den Pavillonbau der Arbeiterpresse auf der Pressa 1928 in Köln, mit dem ihm der große Durchbruch gelang. Neben der Außenarchitektur galt sein Interesse in gleichem Maß der Innengestaltung und dem Mobiliar. Das Doppelhaus Bayenthalgürtel 49 - 51 stellt innerhalb der Arbeiten Schumachers einen wichtigen Aspekt dar, da es am Anfang seines baukünstlerischen Schaffens steht und schon hier die Elemente der sogenannten Moderne aufscheinen.

Die noch ausstehende, wissenschaftliche Durchdringung seines Werks bedarf der konkreten Nachvollziehbarkeit, d.h. Ablesbarkeit seiner baukünstlerischen Entwicklungsstufen. Zudem ist das Bauwerk ein hervorragendes Zeugnis der Architekturentwicklung Mitte der zwanziger Jahre, die es, wie in §1, Abs.1 DSchG NW festgelegt, intensiv zu erforschen gilt.

Referenz: 2209


Das Denkmal hat die Nummer 771 und ist seit dem 14. September 1981 geschützt.

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