Hochbunker

Grüner Hof, 50739 Köln - Mauenheim

Erbaut 1942/43 im Rahmen des "Führer-Sofortprogramms"

Architekt: Ernst Nolte (1897-1973)

 

Aufbau

  • zwei Geschosse
  • freistehend
  • zwei Eingangsvorbauten
  • Walmdach

 

Der Baukörper ist 50,30 m lang und 15,00 m breit. 1963/64 und 1988 wurde der Bunker für kurzfristige Aufenthalte im Katastrophenfall instandgesetzt.

Der fensterlose Baukörper verfügt über zwei Zugänge mit Schleusenanlage. Das Gebäudeinnere wird von einem umlaufenden Flur erschlossen, von dem eine Vielzahl von Türöffnungen in die ehemals 2,20 m x 3,15 m großen Kammern führt. Durch Entfernung der nichttragenden Ziegelzwischenwände sind in jedem Geschoss drei langgestreckte schmale Raumkompartimente entstanden. zwei Treppenhäuser verbinden die beiden Stockwerke, ein Kellergeschoß ist nicht vorhanden.


Durch die fortschreitende Entwicklung in der militärischen Luftfahrt wurde die Notwendigkeit, zivilen Luftschutz zu betreiben bereits während des Ersten Weltkrieges erkannt, jedoch beschränkten sich die Maßnahmen noch auf den Einsatz von Warnsirenen, Verdunkelungsvorschriften und die Anlage einfacher Gräben oder Stollen.

Nach dem Versailler Vertrag waren nach dem Kriege alle Mittel des aktiven Luftschutzes für Deutschland verboten. Davon ausgehend, daß Luftkriege vor allem die Zivilbevölkerung treffen, wurde zu Zeiten der Weimarer Republik der rechtliche Luftschutz, d. h. Richtlinien zur Organisation (den Ländern zugeordnet) erarbeitet. Die Nationalsozialisten bauten die rechtlichen Verankerungen weiter aus, regelten Aufgabe, Organisation, Dienstpflicht und Durchführung. Bei der Entwicklung geeigneter Bauformen wurden, vom einfachen Stollenbau ausgehend, dem Ausbau von Treppenhäusern als Schutzräume (1925), ab 1936 zunächst verschiedene Turmarten entwickelt.

Nach Beginn des Krieges im September 1939 wurde mit dem "Führer-Sofortprogramm" im September 1940 die Entwicklung rapide vorangetrieben. Es enthielt Bestimmungen zur sofortigen Durchführung baulicher Maßnahmen im Luftschutz und allgemeine Angaben über die Art der zu errichtenden Bauten. Mit der Durchführung wurde für Berlin der Generalbauinspektor, für das Reichsgebiet die Organisation Todt (größte, zivile Arbeitsorganisation für militärische Infrastrukturbauten) beauftragt.

Von dem "Sofortprogramm" wurden 81 deutsche Großstädte oder Industriestandorte erfaßt, darunter auch Köln. Am 14.11.1940 wurden alle Baureferenten in Berlin unterrichtet und ihnen Normpläne ausgehändigt. Im Juli 1941 erließ man allgemeingültige Bestimmungen für den Bau von Luftschutzbunkern, deren letzte Ergänzung am 26.05.1944 erfolgte. Insgesamt wurden 3.000 Bunker errichtet. Auf dem Gebiet des heutigen Nordrhein-Westfalen wurde insgesamt 540.000 qm Schutzraumfläche geschaffen, davon entfielen 77 % auf Hochbunker, 17 % auf Tiefbunker und 6 % auf Stollen.

Bei der Gestaltung fühlte man sich vor allem antiken und mittelalterlichen Befestigungen verpflichtet. Nebenbei machte man die Erfahrung, daß Bunkerbau mit städtebaulichen Zielen eng verbunden ist

  • luftschutzgerechter Städtebau, d. h. Sanierung enger Stadtquartiere
  • Anpassung an die historische Umgebung
  • Auswirkungen auf Straßen- und Platzgestaltung

 

Luftschutzbunker gehörten zur Ausstattung neu zu projektierender Wohnviertel, Industrieanlagen, Versorgungseinrichtungen. Ihre äußere Form war vielgestaltig und orientierte sich am Stadtbild und an der regionaltypischen Bebauung. Die Bunker mussten

  • erschütterungssicher (Sprengbomben)
  • nicht brennbar (Brandbomben)
  • mit durchschlagsicheren Decken versehen
  • leicht zu entgiften sein

 

Dazu kam ein zweckmäßiger Grundriss mit

  • Gasschleusen
  • guten Fluchtmöglichkeiten (Treppenhäuser, Notausgänge)
  • ausreichenden Luftraum für die vorgesehene Benutzerzahl (3 cbm pro Person ohne künstliche Belüftung, mindestens aber 1 cbm mit Belüftung)
  • ausreichende Wandstärke im Verhältnis zur Größe.

 

Der Bunker Grüner Hof zeigt eine Vielzahl der vorgeschriebenen Merkmale. Im Gegensatz zu anderen, ist der Mauenheimer Bunker nicht verkleidet, dieser "Mangel" ist in der Geschichte Kölns, in den schon sehr früh erfolgten Luftangriffen (ab 1940) und der deshalb gebotenen Eile begründet. Trotzdem bemühte man sich durch die Anpassung des Bunkers an die vorhandene, ihn umgebende Bebauung, eine Angleichung zu erreichen.

Ungewöhnlich ist die Lage des Bunkers, der sich in der zwischen 1922 - 24 errichteten Siedlung "Grüner Hof" in Köln-Mauenheim befindet. Auf einem rhomboiden Grundstück wurden zwei langgestreckte und zwei kürzere drei- bis viergeschossige Häuserzeilen parallel angeordnet, so dass zwischen ihnen drei Freiflächen entstanden. Versetzte Baukörper schließen die "Hofbebauung" an den Schmalseiten.

Die Freifläche zu der Baugruppe Neusser Straße wurde durch den Bunkerbau und zusätzlich errichtete Fertiggaragen verändert. Der Bunkerbau wurde notwendig, um genügend Schutzraum in der dicht bevölkerten Siedlung zu schaffen. Das Bunkeräußere wurde der umgebenden Wohnbebauung angepaßt, um den Siedlungscharakter nicht zu beeinträchtigen und gleichzeitig Tarnung bei Luftangriffen zu sein. Die Nutzfläche beträgt 1.001 qm und bot ca. 1.000 Personen Schutz. Das Gebäude gehört damit zu den größten Hochbunkerbauten in Köln.

Der Bunker "Grüner Hof" ist beispielhaft für eine spezielle architekturgeschichtliche Entwicklung - der Bunkerbau als originäre Bauaufgabe des Dritten Reiches. An der Erhaltung und Nutzung besteht aus architektur- und stadtgeschichtlichen sowie historischen Gründen ein öffentliches Interesse.

 

Anmerkung:

Man erkennt den Bunker auf dem beigefügten Luftbild inmitten der Freifläche neben der Baugruppe an der Neusser Str. beginnend ungefähr in Höhe des U-Bahn Schachtes auf der Neusser Str.

Referenz: 1969


Das Denkmal hat die Nummer 7680 und ist seit dem 27. November 1995 geschützt.

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