Hofanlage Falderhof

Falderstr. 27-29, 50999 Köln - Sürth

Das o. g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Der Falderhof ist bedeutend für die Geschichte des Stadtteils Sürth wie für Köln überhaupt, da er sich durch seine Größe und zahlreichen, baulichen Besonderheiten auszeichnet.

Sürth war schon in römischer Zeit besiedelt und wird urkundlich erstmals 1059 erwähnt. Die Herrlichkeit Sürth war im Mittelalter größtenteils in geistlichem Besitz, ein fruchtbarer Boden gab den Höfen und Kölner Stiften wirtschaftliche Vorteile. Von den zahlreichen Hofanlagen des Ortsbildes sind der Fronhof, der Falderhof und vor allem der Mönchshof hervorzuheben.

Der Falderhof liegt ähnlich dem Fronhof in der Ortsmitte, sich jedoch durch die Ummauerung eher vom Ortskern abschließend. Für die Erhaltung und Nutzung der Hofanlage liegen künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe vor. Der Falderhof ist eine geschlossene Hofanlage mit aus dem 18. (17.?) Jahrhundert stammendem Fachwerkbau als Herrenhaus. Das spätere Herrenhaus, ein villenartiger Bau aus der Zeit um 1900, steht seitlich der Hofanlage in einem alten Park. Im hinteren Teil des Parks liegt ein ehemaliges Kutscherhaus mit angebautem, ehemaligen Ziegen- und Hühnerstall, das heute als Wohnhaus genutzt wird.

Die eigentliche Hofanlage besteht aus mehreren Bauten, die, mit Ausnahme des Herrenhauses und eines kleinen Vor-(Gesinde-)hauses im 19. Jahrhundert erbaut wurden. Davon sind im einzelnen anzuführen:

Milchhaus seitlich vom Eingang, an der Straße gelegen. Baujahr um 1900 (evtl. mit dem Herrenhaus)

  • eingeschossiger Putz- und Backsteinbau mit hohem Mansarddach
  • Außengliederung in Backstein mit Stichbogenfenstern.
  • Aufzugturm.
  • Im Inneren wurde der Ausbau auf Wohnnutzung geändert

Stallgebäude, daran anschließend.

  • Der lang gestreckte Stall mit ehemals hinten völlig durchlaufendem Futtertrog mit Arbeitsebene wird heute als Wohnraum genutzt.
  • Ziegelmauerwerk mit teils großen (ehemals Tore), teils kleineren Fenstern mit leichter Ornamentik.
  • Das Dachgeschoß ist ausgebaut (neue Dachgauben).
  • Der Innenausbau wurde zu Wohnraum umgestaltet.

 

Der quer liegende, ehemalige Kuhstall mit Scheune und derzeit noch original erhaltener Bausubstanz.

Bemerkenswert und für das ehemalige Dorf Sürth einmalig ist der in der Ecke angeordnete, mehrgeschossige Rundturm, der von einem Kegeldach bekrönt wird. Auch dieser Turm - wie die Scheune - ist aus Ziegelstein und dürfte in den 80iger Jahren des 19. Jahrhunderts gebaut worden sein. Gußeiserne Säulen als Trageglieder.

In den Hof einspringend liegt die mit einem Zeltdach geschützte Miste. Die in Köln außerordentlich seltene Überdachung der Mistanlage mit Abmauerungen gegen den vollständig gepflasterten Innenhof ist ein Dokument des Reichtums des Hofs und des städtischen Einflusses auf die Anlage.

In Verbindung mit dem Herrenhaus liegen eingeschossige Stallanlagen (ehemals Schweine- und Hühnerställe?), die derzeit größtenteils bis in die Rohbausubstanz zerstört sind.

Das bis zur Straße reichende Herrenhaus ist aus Fachwerk mit originaler Lehmausfachung und ist der bei weitem älteste Teil der Anlage. Der zweigeschossige Bau mit nach außen bis zum Erdgeschoß herabgezogenem Schleppdach ist dem Aussehen nach und in der Baustruktur mittelalterlich. Seine Datierung ins 18. Jahrhundert geht sicher von der relativ gut erhaltenen Substanz aus, die aber derzeit durch erhebliche Setzungen und Verschiebungen stark gefährdet ist. Die kleinen, zum Teil gedoppelten Fensteröffnungen deuten auf noch starke Einflüsse der Renaissance (17. Jahrhundert), denen auch die fehlende Axialität und die Grundrißlösung entspricht. Zweifellos sind die beiden Giebelseiten im 19. Jahrhundert errichtet worden. Aus dieser Zeit stammt auch die Innentreppe aus Holz mit Holzgeländer, deren Lage nicht original sein muß.

Bemerkenswert im Inneren sind die schweren Eichenbalken der Decken, die quer gespannt sind und teilweise mit den Köpfen aus der Fassade ragen. Sie werden teilweise durch eine Längswand, teilweise durch gußeiserne Säulen unterstützt, die im 19. Jahrhundert gegen das Absinken eingezogen wurden. Einige sehr alte, originale Türen (bzw. Türblätter), die jedoch kräftig abgeschrägt werden mußten. Das Obergeschoß ist niedrig und derzeit nicht bewohnbar. Ausbau offensichtlich nicht original.


Der am Haus liegende Brunnen mußte zugeschüttet werden. Diese historischen Brunnen werden in ihrer Bedeutung leider noch nicht ausreichend gewürdigt.

Gesindehaus (Toranbau).

  • Ein wahrscheinlich den Wasch- und Magdraum umfassendes, zweigeschossiges Häuschen liegt traufseitig zur Straße.
  • Satteldach

 

Neues Herrenhaus.

  • Das zweigeschossige Herrenhaus aus der Jahrhundertwende ist durch kreuzförmigen Grundriß und angesetzten Turm sehr plastisch gegliedert.
  • Im Erdgeschoß sind den Innenwinkeln eingeschossige Vorbauten eingefügt.
  • Die Giebelansichten sind zwei- bis dreigeschossig mit zwei Achsen und Krüppelwalmdach.
  • Der Turm ist dreigeschossig.
  • Auf dem achteckigen zweiten Obergeschoß sitzt ein hohes, spitz zulaufendes Turmdach.
  • Die Fassade ist verputzt und zeigt reichen Stuckdekor, der - vor allem im Maßwerk des Balkons - gotisierend gehalten ist. Sicher ist damit eine Anlehnung an den kurz vorher vollendeten Dombau zu Köln gegeben.
  • Die originalen Fenster sowie die originale Eingangstüre blieben erhalten.

 

Im Inneren

  • wird der gotische Stil im stuckierten Kranzgewölbe (mit Rippen) des Eingangsflurs aufgenommen. Wandstuck.
  • In einer der Nischen Bronzestatue der Flora von Degen.
  • Das originale Holztreppenhaus mit Holzgeländer führt ins erste Obergeschoß,
  • dessen Flur ebenfalls Decken mit Kreuzgewölbe aufweist.
  • Die gleichartige Holztreppe ins zweite Obergeschoß liegt abseits vom Haupttreppenhaus.
  • Die repräsentativ ausgestatteten Räume des Erdgeschosses besitzen Stuckdecken und
  • die originalen, teils zweiflügeligen, teils mit geschliffenem Glas ausgestatteten Türen.
  • Ein Raum besitzt eine vollständige Vertäfelung.
  • Moderner Kamin.
  • Stuckdecken befinden sich auch in den Räumen des ersten Obergeschosses.
  • Das Gebäude wurde außen wie innen sorgfältig restauriert.

Die Toranlage zur Falderstraße hin stammt ebenfalls aus der Jahrhundertwende. Der differenzierte Bau verfügt über zwei gerade Seitentüren und rundbogiges Mitteltor, über dem ein leichtes Walmdach aufsitzt.

Das ehemalige Kutscherhaus im hinteren Teil des Parks ist ein zweigeschossiges Gebäude, in dem ehemals erdgeschossig Kutschen und Pferde und im ersten Obergeschoß das Personal untergebracht waren. Der Ziegelbau wird im ersten Obergeschoß durch schmuckartige Fachwerkstruktur und weit überstehendes Dach aufgelöst. Innenausbau erneuert.

Park, Außenanlagen.

Der im englischen Stil angelegte, nicht sehr große Park weist einige alte Bäume auf, die ihrerseits unter Denkmalschutz stehen. Originale Begrünung auch an der Einfriedungsmauer aus dem 19. Jahrhundert, die das Areal zur Straße abgrenzt.

Referenz: 3637


Das Denkmal hat die Nummer 765 und ist seit dem 10. September 1981 geschützt.

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