Pfarrhaus

Adamsstr. 15, 51063 Köln - Mülheim
Errichtet: 1955/56


freistehend auf rechteckigem Grundriss

Architekt: O. Troesser (?-?), Leverkusen

  • zwei Geschosse, asymmetrisches Satteldach, traufständig zur Straße
  • Backsteinfassaden, hell gestrichener Sichtbeton am Treppenhaus


Fassade/Aufbau

  • straßenseitige Fassade axialsymmetrisch gegliedert durch hochrechteckige und quadratische Fensteröffnungen in Zweier- und Dreiergruppen
  • im Erdgeschoss teilweise originale Fenstergitter
  • linke südliche Giebelseite mit hochrechteckigen Fensteröffnungen in Dreiergruppen
  • Betonung der vortretenden rechten Fassadenhälfte durch
    • Hauseingang mit originaler Haustür aus Holz unter originalem flachen Vordach und axiale
    • bis zur Giebelspitze reichende Fensterbahn des Treppenhauses (originale Metallrahmung mit bleigefaßter Buntverglasung)
  • rechte nördliche Giebelseite geschlossen ohne Öffnungen

rückwärtige Gartenseite

  • im rechten Teil vortretend mit abgeschlepptem Dach
  • links zurückgesetzt mit axialsymmetrischer Anlage der Fenster- und Türöffnungen
  • Terrasse mit originalem Belag aus Buntzementplatten
  • Balkon mit originalem Metallgeländer
  • sämtliche Fenster, Balkon- und Terrassentüren erneuert

 

Inneres

Im Inneren original erhalten

  • In Eingangsbereich und Treppenhaus
    • offener Rundbogen
    • rundbogige Kellertür
    • Kunststeinboden
    • Treppe mit
      • Kunststeinbelag
      • Metallstabgeländer mit Mipolamhandlauf
  • Grundrissgestaltung
  • Zimmertüren

 

Bestandteil des Denkmals ist auch die zwischen südwestlicher Gebäudeecke und Kirche nach Westen verlaufende Mauer aus Backstein mit gefirsteter Backsteinabdeckung.

 

 

Die im Mittelalter entstandene Ortschaft Mülheim, die 1914 nach Köln eingemeindet wurde, hatte sich bis ins 18. Jahrhundert auf das Gebiet zwischen Rhein und Wallstraße beschränkt. Östlich an diesen ältesten Ortskern angrenzend wurde infolge des gewerblichen und später industriellen Wachstums die Neustadt mit regelmäßigem Straßenraster angelegt. Zwischen Regentenstr. und Adamsstr. entstanden im 19. Jhdt. außer gründerzeitlicher Wohnbebauung eine katholische und eine evangelische Kirche.

Die katholische Liebfrauenkirche wurde 1857 - 64 nach Plänen des Kölner Dombaumeisters Ernst Friedrich Zwirner (1802-1861) errichtet. Nach den erheblichen Zerstörungen Mülheims im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche 1953 ff. mit einem neuen Hallenchor des bedeutenden Architekten Rudolf Schwarz (1897-1961) wiederaufgebaut. Schwarz war einer der führenden katholischen Kirchenarchitekten Deutschlands im 20. Jahrhundert, der sich außerdem in Köln als Leiter des Wiederaufbaus verdient gemacht hat.

1955/56 erfolgte der Neubau des o. g. Pfarrhauses Adamsstr. 15 in einer für die Architektur der 1950er Jahre charakteristischen Form. Der schlichte, an traditionellen Mustern orientierte Backsteinbau zeichnet sich durch den Wechsel von symmetrischer und asymmetrischer Fassadengestaltung aus. Auf der Straßen- und der Gartenseite sind die Öffnungen spiegelbildlich angeordnet, während die asymmetrischen Hälften der Giebelseite durch gegeneinander versetzte Flächen mit horizontal gereihten Fenstern und vertikal angelegter Eingangsachse deutlich kontrastieren. Das hohe Treppenhausfenster als zeittypisches Element mit seiner schrägen Binnengliederung greift in Anlehnung an die Fensterbahnen des Chores der Kirche ein prägnantes Motiv auf, das den funktionalen Zusammenhang zwischen Pfarrhaus und Kirchengebäude veranschaulicht. Darüberhinaus kommt dem Pfarrhaus sowie der Backsteinmauer zwischen diesem und der Sakristei der Kirche städtebauliche Bedeutung zu, indem sie den kleinen Platz mit dem Annexbau der Marienkapelle auf der Ostseite des Chores nach Norden hin begrenzen.

Das o. g. Haus Adamsstr. 15, das insgesamt seine originale Substanz weitgehend bewahrt hat, dokumentiert als qualitätvolles Beispiel für die Architektur der 1950er Jahre und als wesentlicher Bestandteil des in der Nachkriegszeit wiederaufgebauten bzw. neu angelegten Ensembles Liebfrauenkirche die bauliche Entwicklung innerhalb des historischen Mülheimer Stadtkerns und ist deshalb unverzichtbar und unbedingt zu erhalten.

 

Das o. g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen.

Referenz: 1424


Das Denkmal hat die Nummer 7649 und ist seit dem 13. Oktober 1995 geschützt.

Denkmal <Pfarrhaus> bearbeiten
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